Mo., 20.01.2014

Westfälisches Abenteuer Bielefeld - So nah und doch so fern

Wer nach Bielefeld fahren will, ist ziemlich lange unterwegs.

Wer nach Bielefeld fahren will, ist ziemlich lange unterwegs. Foto: Jürgen Christ

Münster - 

Schon klar: Bielefeld gibt’s nicht. Wer aber doch hinfahren möchte, muss damit rechnen, ewig lang über Land zu gurken. Bahnfahren ist übrigens keine Alternative: die Verbindungen sind genau so umständlich . . .

Von Lukas Speckmann

Wer aus Bielefeld kommt, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Erst heißt es, die Stadt gibt’s nicht. Dann heißt es, fast jedes münsterische Verkehrsschild weist dorthin. Die Wirklichkeit ist schlimmer. Erstens: Bielefeld gibt es wirklich. Zweitens: Kein einziger Weg führt hin – allen Verkehrsschildern Münsters zum Trotz.

Zugegeben: Wer sich unbedingt auf den Weg machen möchte, kommt vermutlich irgendwie an. Nur steht dieser Weg in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Entfernung. Vom Zeitaufwand gar nicht zu reden.

Fakten auf den Tisch: Die Entfernung zwischen Münster (Prinzipalmarkt) und Bielefeld (Jahnplatz) beträgt schlappe 62 Kilometer Luftlinie. Wer hingegen den Routenplaner befragt, bekommt unweigerlich einen Schreck: Der berechnet 134 Kilometer, mehr als das Doppelte.

Nun gut, das ist die reine Autobahn-Lehre (Strecke 1) : Kreuz Münster Süd, Kamener Kreuz, Kreuz Bielefeld, Ostwestfalendamm. Rund 25 Kilometer lassen sich sparen, wenn man die Autobahn 1 bei Ascheberg verlässt und auf der B 58 bis zur Autobahn 2 bei Beckum fährt. Aber dann muss man durch Ahlen gurken und verliert jeden Zeitvorteil.

Folgen wir doch mal den offiziellen Straßenschildern Richtung Bielefeld (Strecke 2). Die führen unweigerlich nach Telgte und dann auf die elendeste aller Bundesstraßen, die B 64. Bis Warendorf geht’s ja noch. Aber spätestens zwischen Beelen und Herze­brock-Clarholz überkommen jeden Autofahrer Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Fahrt. Selbst Bielefelder verfallen auf der B 64 bisweilen dem Gedanken, dass Bielefeld gar nicht existiert.

So nah und doch so weit: Wer nach Bielefeld fahren will, ist ziemlich lange unterwegs

So nah und doch so weit: Wer nach Bielefeld fahren will, ist ziemlich lange unterwegs

Wer es bis Rheda schafft, kapituliert und fährt doch auf die Autobahn – was wegen der neuerdings ausgebauten Ausfahrt Bielefeld-Zentrum keine ganz schlechte Idee wäre. Die Beschilderung hingegen weist einen Weg quer durch Gütersloh. Man wundert sich, wie groß Gütersloh ist. Wer diese 76,8 Kilometer in weniger als einer Stunde 40 Minuten schafft, hat einen Bleifuß oder wahnsinniges Glück.

Versuchen wir mal, die kürzeste Strecke auszutüfteln, also immer dem Lineal nach (Strecke 3). Man fahre die Wolbecker Straße bis nach Everswinkel, dann querfeldein nach Warendorf. Dort meide man die B 64 und wende sich nach Sassenberg.

Hier geht es auf die B 513 über Harsewinkel bis zum Kloster Marienfeld; und wer dort die L 806 erwischt, erblickt in Bielefeld-Brackwede wieder das Tageslicht. 72,8 Kilometer, das klingt ordentlich. Aber es dauert viel länger, als der Routenplaner meint („1 Stunde 25 Minuten“).

Ein Tipp für Profis (Strecke 4) : Bei Telgte auf die B 51 fahren, bis Glandorf maßvoll Gas geben, an Bad Laer und Rothenfelde vorbei auf die A 33 bis zum bitteren Ende. Dann auf keinen Fall auf die B 68 abbiegen, sondern quer durch Borgholzhausen über die L 785 direkt nach Bielefeld. 79,9 Kilometer; in einer Stunde und 20 Minuten zu schaffen.

Übrigens: Wer Bielefeld wirklich erreicht hat, sollte sich die Strecke für die Rückfahrt genau einprägen. Denn Hinweisschilder nach Münster sind in Bielefeld extrem selten . . .

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