Wirtschaft Münster

Do., 05.11.2009

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Nach der Pleite ein neuer Versuch

Kino pur erlebten 100 Teilnehmer zum Auftakt der Veranstaltung „Wege aus der Unternehmenskrise“: Brigitte Sträßer (l.) und Christel Zeisler von Frauen und Beruf verteilten vor einem Filmbeitrag von Titus Dittmann Popcorntüten.Foto: (gh)
Von Gabriele Hillmoth

Münster - Gescheiterte Unternehmer? Ein Tabuthema. Viele wollen nicht über ihre Krise reden. Titus Dittmann aus Münster ist in dieser Gruppe ein Exot. „Unternehmer wie der 59-Jährige sind selten“, sagte Peter Kranzusch vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Auch Anne Koark nahm kein Blatt vor den Mund. Die Engländerin schlidderte nach dem 11. September und dem Irakkrieg in die Insolvenz, beschreibt sich selbst als Pleitier - und schrieb darüber erfolgreich ein Buch.

Kranzusch und Koark waren Referenten bei einer Veranstaltung unter dem Motto „Hinterm Horizont gehts weiter“, die innerhalb der Existenzgründerwoche angeboten wurde. Und mit rund 100 Teilnehmern erstaunlich viele Interessenten lockte.

Titus Dittmann plauderte über seinen Schiffbruch, der mit dem Entschluss, an die Börse zu gehen 1998, begann. Heute ist Dittmann nach eigenen Angaben wieder auf Erfolgskurs. Diese Botschaft verkündete er seinen Zuschauern per Video. Die Wirtschaftsförderung und Frauen & Beruf Münster e.V. als Gastgeber dieser Veranstaltung reichten den Teilnehmern darum passend zur Titus-Story Popcorn - halt wie im Kino.

Normalerweise geht es bei der Gründerwoche aber auch um den Schritt in die Selbstständigkeit. Dass ein Scheitern aber auch eine zweite Chance bedeuten kann, dass machte Peter Kranzusch deutlich. Er bezeichnete gescheiterte Selbstständige, die eine zweite Chance ergreifen, als Restarter. „75 Prozent aller Restarter sind auch nach fünf Jahren noch aktiv“, betonte der Fachmann aus Bonn. Er gab hilfreiche Tipps, auf die bei einem zweiten Versuch zu achten ist und betonte, dass ein Neustart nicht aussichtslos sei. Aber, so Peter Kranzusch: „Kein Neustart ohne Regelung der Altverbindlichkeiten.“

Anne Koark sorgte vor sechs Jahren mit ihrem Buch „Insolvent und trotzdem erfolgreich“ für Aufsehen. 15 Mitarbeiter beschäftigte sie damals in ihrer Firma, die sich um ausländische Firmen kümmerte, die in Deutschland gründen wollten. Heute, sagte Koark und verpackt ihre Pleite in Humor, sei sie ein VIP und damit „very intensively pleite“. Die Engländerin nimmt ihre berufliche Pleite als Herausforderung. „Es lief richtig toll“, erinnerte sie sich. Später überreichte sie dem Insolvenzverwalter ihr „ganzes Leben in vier Ordnern“. Koark machte deutlich, dass eine Pleite nicht ansteckend sondern eine Chance sei.

Am heutigen Freitag endet die Gründerwoche mit einem Tag der offenen Tür für Firmen zwischen 14 und 18.30 Uhr in der VHS, Aegidiimarkt 3. Elisabeth Remmersmann von der Wirtschaftsförderung Münster zieht Bilanz. Die Resonanz bei dieser Woche sei höher als in der Vergangenheit.


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