Fr., 29.08.2014

Rückbau gefordert Fische verenden in Wasserkraftanlagen

Münsterland - 

"An manchen Wasserkraftanlagen in NRW verenden bis zu 50 Prozent der Fische" Das sagt Dr. Olaf Niepagenkemper von Landesfischereiverband NRW. Und der Biologe legt noch einen drauf: „Es gibt in ganz NRW keine Fischtreppe, die die Fische stromauf und stromab so führt, dass man von einer befriedigenden Lösung sprechen könnte.“

Von Uwe Renners

Regenerative Energien sind gefragt. Wind, Wasser – in den vergangenen Jahren sind überall im Münsterland Windräder und auch Wasserkraftwerke gebaut worden. Während sich in Sachen Windkraft regelmäßig auch Kritiker zu Wort melden, ist es still um die Wasserkraftanlagen. Entstehen doch neben jeder neuen auch schmucke Fischtreppen, und die Anlagen stehen sinnbildlich für ökologisch wertvollen Strom. An der Bocholter Aa, an der Ems in Telgte und Rheine, an der Werse und der Bever und an der Berkel sind sie zu finden. Und sie sind: „Ökologischer und ökonomischer Unsinn“, sagt Dr. Olaf Niepagenkemper. Der Beauftragte des Fischereiverbandes NRW für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie fordert im Namen seines Verbandes keinen weiteren Ausbau und langfristig einen Rückbau aller Wasserkraftanlagen, die unter einem Megawatt Strom erzeugen.

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Der Aufschrei wäre riesig.

Dr. Olaf Niepagenkemper

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In NRW gibt es laut Niepagenkemper 272 Anlagen von denen 181 Kleinstanlagen sind, die laut dem Verband nur durch die Förderungen durch das EEG-Gesetz wirtschaftlich arbeiten können. Deren Leistung liegt unter 100 Kilowatt (0,1 Megawatt), das entspricht etwa der Leistung eines Motorrades. Nur 21 Anlagen haben eine Leistung von mehr als einem Megawatt. Aber die Kritik geht weiter: „Stellen sie sich vor, von 1000 Vögeln, die in die Nähe eines Windrades kommen, würden 100 von den Rotoren erschlagen und getötet. Der Aufschrei wäre riesig. Bei den Fischen geschieht das so, leider in der Regel unbemerkt, da das Verenden von den Blicken verborgen unter Wasser stattfindet. An manchen Anlagen verenden sogar bis zu 50 Prozent der Fische.“ Und der Biologe legt noch einen drauf: „Es gibt in ganz NRW keine Fischtreppe, die die Fische stromauf und stromab so führt, dass man von einer befriedigenden Lösung sprechen könnte.“ Die Fischtreppen würden gebaut, weil die Betreiber der Anlagen dadurch eine höhere EEG-Umlage erzielen. „Dann wird ein Planer damit beauftragt, das möglichst günstig umzusetzen“, sagt Niepagenkemper.

 Statistik: Verteilung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland nach Energieträger im Jahr 2013* | Statista
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Zudem gebe es noch überhaupt keine Erkenntnisse, wie man den Fischabstieg vernünftig lösen könne. „Der Aufstieg ist schon schwer genug zu realisieren. Es gibt Fischtreppen im Münsterland, die sind nahezu wirkungslos.“

Fische werden vom Rechen erfasst

Warum die Herstellung der Durchgängigkeit so schwer ist? „Fische folgen immer der Hauptströmung und die führt die Tiere an den Rechen vor der Turbine.“ Dort, so die Untersuchungen des Verbandes, sind die Strömungsgeschwindigkeiten oft zu hoch. Fische, die vor den Rechen gelangen, werden mit vor das Gitter gepresst, anschließend vom Rechenreiniger erfasst und getötet. Die Jung- und Kleinfische können nicht durch Rechen vor dem Eindringen in die Triebwerke geschützt werden.

Ein weiteres Manko: „Es werden Fischaufstiege für fünf- oder sechsstellige Beträge gebaut, eine fortlaufende Qualitätskontrolle findet aber nicht statt. An der Bever im Kreis Warendorf haben wir so einen Fall.“ Der sei seit Jahren auch dem Kreis bekannt – geändert habe sich nichts.

Ein Stadtwerkebetrieb im Westmünsterland würde sogar noch mit einer fischfreundlichen Turbine werben, berichtet er. „Was ist fischfreundlich, wenn fast zehn Prozent der Tiere geschädigt werden? Der ökologische Schaden durch diese und andere kleine Anlagen in NRW ist höher als der ökonomische Nutzen“, sagt Niepagenkemper.

Klagen

Das Bundesamt für Naturschutz hat im März 2014 in seinen Forderungen zur Wasserkraft verlangt, dass der Neubau von Anlagen mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt nicht weiter zu verfolgen ist. „Dem schließen wir uns in vollem Umfang an“, sagt der Biologe. Niepagenkemper: „Wir werden jeden Neubau prüfen und gegebenenfalls dagegen klagen.“

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