Mo., 15.09.2014

Flugunfall in Telgte Ins Schleppseil geraten?

Flugunfall Telgte

Foto: Andreas Große Hüttmann

Telgte - 

Eberhard Gross ist anzusehen, dass ihn die Situation mitgenommen hat. „Die Betroffenheit unter den Fliegern nach diesem Unfall ist sehr groß“, sagt der Geschäftsführer des Aero-Clubs Münster/Münsterland, während er an seiner Zigarette zieht. „Wir hoffen, dass die Piloten bald schon wieder auf dem Weg der Besserung sind.“ Kurz zuvor hat er noch versucht, per Handy etwas Genaueres über den Gesundheitszustand der Piloten zu erfahren.

Von A. Große Hüttmann

Denn in Fliegerkreisen kennt man sich untereinander, das Hobby verbindet. Vor allem der 48-jährige Pilot der abgestürzten Maschine, der aus Warendorf stammt, war auf dem Berdel-Flugplatz kein Unbekannter. Auch das Ultraleichtflugzeug vom Typ Dallach „Fascination“ war dort stationiert. Und der 56-Jährige, der sich ebenfalls in der Maschine befand, ist „hier ebenfalls öfter gewesen“, sagt ein anderer Flieger. An diesem Morgen gibt es daher kein anderes Gesprächsthema als den schweren Unfall am Abend vorher.

Segelflugzeuge werden – so wie auf diesem Foto – von einer anderen Maschine in luftige Höhen geschleppt. Ist die Flughöhe erreicht, wird das Seil ausgeklinkt. Womöglich ist das verunglückte Flugzeug kurz vor dem Absturz in dieses knapp 40 Meter lange Seil geraten. Foto: dpa

Während Eberhard Gross und andere Piloten über den Absturz und die mögliche Ursache diskutieren, sind Frank Wildoer von der Kriminalpolizei und Thomas Brandes von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nur wenige Hundert Meter entfernt dabei, Licht in das Dunkel zu bringen.

Akribisch sichten sie jedes noch so kleine Teil an der Absturzstelle. Doch dichter Schaum, den die Feuerwehr am Abend vorher zum Löschen der brennenden Maschine benutzt hat, macht ihnen an diesem Morgen auch Stunden nach dem Unglück die Arbeit immer noch schwer.

„Der muss erst beseitigt werden“, entscheidet Thomas Brandes schließlich. Danach wollen die Experten das Wrack und die Umgebung noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. „Das Ganze kann noch Tage dauern“, sagt Brandes.

Sichergestellt worden ist mittlerweile aber nicht nur das Wrack der abgestürzten Maschine, sondern auch ein anderes Ultraleichtflugzeug, das sich zeitgleich mit der Unglücksmaschine im Landeanflug befand. Es handelt sich dabei um ein Ultraleichtflugzeug vom Typ „TL 96 Sting“, das der Segelfluggruppe Münster gehört.

Beschlagnahmt hat die Kripo das Schleppflugzeugvom Typ „TL 96 Sting“, das der Segelfluggruppe Münster gehört und ebenfalls auf dem Berdel-Flugplatz stationiert ist.

Mit der Maschine hatte nach Polizeiangaben ein 32-jähriger Mann aus Münster ein Segelflugzeug in die Luft gebracht und befand sich parallel zu der abgestürzten Maschine im Landeanflug. Inwieweit das herunterhängende Kunststoff-Schleppseil ursächlich für den Absturz sein könnte, das ist die Frage, mit der sich Frank Wildoer und Thomas Brandes zurzeit vor allem beschäftigen. Fakt ist jedenfalls, dass die Staatsanwaltschaft das normalerweise rund 40 Meter lange Schleppseil beschlagnahmt hat. Einige Meter davon sind nach Informationen unserer Zeitung abgetrennt. An der Unfallstelle wird mit Hochdruck nach dem fehlenden Stück gesucht. „Das ist natürlich keine Werbung für unser Hobby, wenn sich zwei Flugzeuge in die Quere kommen“, sagt Eberhard Gross, während er wieder an seiner Zigarette zieht. Aber noch wichtiger ist für ihn, „dass es den beiden Piloten bald wieder gut geht.“

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