Fr., 10.10.2014

Maroder Dachstuhl Burg Hülshoff stand kurz vor dem Kollaps

Die reparierte Glocke hängt seit Freitag wieder über der Burg Hülshoff. Der Zustand des Dachstuhls war viel maroder, als Gutachter vor den Renovierungsarbeiten vermutet hatten. Das zeigt auch das kleine Bild vom Glockenturm.

Die reparierte Glocke hängt seit Freitag wieder über der Burg Hülshoff. Der Zustand des Dachstuhls war viel maroder, als Gutachter vor den Renovierungsarbeiten vermutet hatten. Das zeigt auch das kleine Bild vom Glockenturm. Foto: Wilfried Gerharz/Bernhard Mensen

Havixbeck - 

600 Jahre trotzte der Dachstuhl von Burg Hülshoff in Havixbeck Wind und Wetter - nun wird er erneuert. Bei der Renovierung stellte sich heraus: Er stand kurz vor dem Einsturz. Die Burg wäre in diesem Fall zur Ruine geworden.

Von Stefan Werding

Irgendwo hier muss die kleine Annette von Droste-Hülshoff gehockt und ihre Bücher gelesen haben. Da, wo heute die Zimmerleute und Dachdecker den Dachstuhl der Burg Hülshoff vor dem Einsturz retten, hatte sich das zarten Mädchen Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgezogen, um ungestört lesen zu können. Es hätte nicht mehr lange gedauert, dann wäre davon nicht mehr viel übrig geblieben.

Die reparierte Glocke hängt seit Freitag wieder über der Burg Hülshoff.

Die reparierte Glocke hängt seit Freitag wieder über der Burg Hülshoff.

Bei der Renovierung der Burg hat sich herausgestellt, dass sich der Dachstuhl in einem viel jämmerlicheren Zustand befindet, als Gutachter bislang immer gedacht haben. „Der hat ganz kurz vor einem Kollaps gestanden“, sagt Architekt Bernhard Mensen. Mit den Arbeiten zu warten, sei deswegen nicht möglich gewesen. „Wir hätten die Burg nur noch stilllegen können“, sagt er.

Knapp 600 Jahre hat der Dachstuhl Regen, Schnee und Wind getrotzt. Exzellente Handwerker haben damals nur bestes Material benutzt und verarbeitet. So haben sie dafür gesorgt, dass bislang alles hielt.

Damit war jetzt Schluss: Viele Eichenbalken waren komplett morsch, die letzten Reste, die noch auf dem Dachboden herumliegen, sind so leicht, dass Mensen sie locker in einer Hand halten kann. Der Turm, der die Glocke vor Regen schützte, hing noch an ein paar Dachlatten. Ein großer Teil der Dachziegeln war zerbrochen, so dass Regenwasser eindrang.

Burg soll möglichst originalgetreu erhalten bleiben

Die Burg Hülshoff ist für Architekt Mensen, die Handwerker und die Denkmalschützer eine Herausforderung: „Eine Immobilie, die im Wasser steht und sehr alt ist“, wie die Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Barbara Rüschoff-Thale sie beschreibt. Der Vorsitzenden der „Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung“ ist es wichtig, die Burg in einen möglichst originalgetreuen Zustand zu versetzen.

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"Das ist hier nicht die Elbphilharmonie."

Architekt Bernhard Mensen

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„Wir haben die Verpflichtung, sie so dauerhaft, nachhaltig und sinnvoll wiederherzustellen, wie es nur geht“, sagt sie. So trägt die Kapelle jetzt wieder ein Schieferdach, die Dachziegeln, die dort irgendwann jemand verlegen ließ, sind verschwunden. Die Glocke, die über dem Dach hängt, hat ein neues Joch bekommen, die wertvollen Kirchenfenster stecken in neuen Sandsteinrahmen. Dabei verwenden die Handwerker alte Techniken, nutzen etwa Stroh, damit kein Wasser unter den Dachziegeln eindringt. Allemal besser als Speis, der vor ein paar Jahren in die Zwischenräume der Ziegeln geschmiert wurde, erklärt Mensen.

Kosten höher als gedacht

Als die Stiftung entschieden hat, den Bau nach allen Regeln des Denkmalschutzes wieder in Schuss zu bringen, sammelte sie mehr Geld, als auf den ersten Blick nötig schien: 2,5 Millionen Euro. Die sind durch den unerwartet schlechten Zustand des Gebälks nun nicht nur aufgebraucht, sondern um 25 Prozent überschritten. „Das ist hier nicht die Elbphilharmonie“, beruhigt Mensen aber.

Das Geld sei „gut investiert“, unterstützt ihn Rüschoff-Thale. „Es ist ganz wichtig, dass wir die Burg für Deutschland als einmaliges Denkmal erhalten haben“, sagt sie. Schließlich habe dort eine der bedeutendsten Dichterinnen Deutschlands gelebt – und unterm – jetzt wieder stabilen – Dach ihre Bücher gelesen.

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