So., 26.10.2014

Kirchen vor Verkauf? Bistum geht auf Sparkurs

Dom mit Markt

Den Dom wird das Bistum natürlich nicht auf den Markt bringen, aber Generalvikar Norbert Kleyboldt machte deutlich, dass man sich von anderen Kirchen trennen werde. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Hohe Kirchenaustrittszahlen und der demografische Wandel lassen die Einnahmen des Bistums Münster schwinden. Auch der Verkauf von Kirchen wird in Erwägung gezogen.

„In wenigen Jahren stehen wir an einem Wendepunkt der Kirchensteuereinnahmen“, stellte der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung und Finanzchef im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Ulrich Hörsting, klar. „Der Zeitpunkt, an dem die Einnahmen des Bistums die Ausgaben nicht mehr decken, wird kommen.“

Ulrich Hörsting

Ulrich Hörsting, der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung und Finanzchef im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Foto: Bistum Münster

Hörsting erläuterte den 45 Mitgliedern des Diözesanrats jetzt in Münster die Finanzentwicklung des Bistums. Der Diözesanrat ist das oberste synodale Beratungsgremium des Bistums. „Die positive Einnahmesituation der letzten Jahre darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demografische Wandel und die hohen Kirchenaustrittszahlen Einfluss auf den Etat haben werden“, sagte er und empfahl der Bistumsleitung und dem Diözesanrat, rechtzeitig einen Sparkurs einzuschlagen.

Noch gibt es Millionenüberschüsse

Die gute Einnahmesituation der letzten Jahre sei zum Aufbau von Rücklagen verwendet worden. Dies berge die Chance, den Sparkurs behutsam einzuleiten, schilderte Hörsting. Für 2014 rechne der nordrhein-westfälische Teil des Bistums Münster mit einem Überschuss von zwei Millionen Euro. „Die Rücklagen lösen das Problem aber nicht, weil ‚bessere Zeiten’ nicht zu erwarten sind“, so Hörsting. Das Bistum stehe in der Pflicht, Tarif- und Sachkostensteigerungen einzuplanen und die Versorgungslasten abzusichern. Höhere Kosten verursachten auch die technischen Entwicklungen, etwa im Bereich Datenverarbeitung und Informationstechnologie. In jüngster Zeit seien zudem neue Stellen für die Entlastung der Priester und Kirchenvorstände eingerichtet worden und Mehrkosten hinzugekommen, indem Verbundleitungen geschaffen und Verwaltungsreferenten eingestellt worden seien.

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Wir müssen uns von Gebäuden trennen. Von Pfarrhäusern, aber auch von Kirchen.

Generalvikar Norbert Kleyboldt

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Der Finanzchef rechnete vor, dass sich 2014 die Personalkosten des Bistums auf 122,3 Millionen belaufen – 70 Prozent des Haushalts. Der Unterhalt der etwa 3000 Gebäude in den Kirchengemeinden und im Bistum belaufe sich auf rund 55 Millionen Euro. Generalvikar Norbert Kleyboldt machte deutlich, dass nicht alle Immobilien zu unterhalten seien: „Wir müssen uns von Gebäuden trennen. Von Pfarrhäusern, aber auch von Kirchen.“

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