Mo., 30.03.2015

Faszinierender Verfall Verlassene Orte im Münsterland

Irgendwo im Münsterland ist auch dieses Bild entstanden. Wo genau, das wollen die beiden „Lost-Placer“ nicht verraten.

Irgendwo im Münsterland ist auch dieses Bild entstanden. Wo genau, das wollen die beiden „Lost-Placer“ nicht verraten. Foto: Roland Nellen/Michael Sroka

Münsterland - 

Roland Nelles und Michael Sroka suchen verlassene Orte und fotografieren sie. Unsere Zeitung hat zum Start einer Serie (siehe Infokasten) mit ihnen über ihre Passion gesprochen.

Von Uwe Renners

Wie kommt man darauf, solche Orte zu suchen und zu fotografieren?

Michael Sroka : Alte Sachen haben mich schon immer interessiert und ich fotografiere sehr gerne. Angefangen hat alles in einem leerstehenden Hotel am Gardasee . Da bin ich rein und es hat mich in seinen Bann gezogen.

Serie „Verlassene Orte“

Sie suchen „Lost Places“ (Verlassene Orte), machen Fotos, versuchen, etwas über die Geschichte der Orte zu erfahren, und verschwinden wieder. Die Bilder zeigen sie anschließend auf Internetseiten oder in sozialen Netzwerken. Sie machen nichts kaputt, sie erzählen aber auch niemandem, wo sie ihre „Lost Places“ gefunden haben. Die Suche danach ist für viele Fotografen und Geschichtsliebhaber mittlerweile zum Hobby geworden. Wir haben zwei dieser Menschen ausfindig gemacht und mit ihnen über ihre Passion gesprochen. Da die „Lost-Placer“ ihre Fundorte nicht verraten, hat sich unsere Zeitung auch selbst auf die Suche gemacht. In einer Serie werden wir diese verlassenen Orte vorstellen und über ihre Geschichte berichten.

Roland Nellen : Mich fasziniert der Verfall, wenn sich die Natur alles zurückholt. Je mehr Zerfall, umso mehr liebe ich das. Und die Geschichte, wenn Menschen Hals über Kopf ihr Haus verlassen und zehn Jahre später ist alles noch so, wie es war. Das habe ich selbst einmal erlebt, das war faszinierend.

Sie verraten die Orte nicht, an denen Sie fotografieren. Warum nicht?

Michael Sroka: Wir wissen nicht: Sind das Vandalen? Oder sind es Kupferdiebe oder Sprayer? Das sind Gruppen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen. Wenn die einmal da sind, dann geht es an den Orten schnell den Bach runter. Wenn man Bilder von Örtlichkeiten sieht, die bekannter werden, dann ist dort nach ein paar Monaten alles anders. Es werden sehr oft Sachen zerstört und das wollen wir nicht.

Fahren Sie regelmäßig zu den gleichen Orten?

Roland Nellen: Es gibt einige Orte, die man immer wieder mal besucht. Wir haben eine Papierfabrik, die wir seit einiger Zeit beobachten und auch den Verfall dokumentieren. Wir sind nicht nur im Münsterland , sondern in ganz Deutschland und auch im Ausland unterwegs. Manchmal ist man erschüttert, wie schnell sich etwas verändert, manchmal steht die Zeit aber auch still. Das ist wie eine Zeitreise.

Wie findet man diese Orte?

Roland Nellen: Am Anfang habe ich über Google Earth , also über Satellitenkarten, versucht, Orte zu finden. Das geht auch, ist aber sehr schwierig. Irgendwann lernt man andere kennen, die das gleiche Hobby haben und sucht zusammen danach.

Setzen Sie sich mit der Geschichte der Orte auseinander?

Michael Sroka: Ja, soweit das möglich ist über das Internet, oder wir fragen Leute vor Ort.

Wie bekommen Sie Zugang zu den Orten?

Roland Nellen: Entweder sind sie nicht abgesperrt oder wir fragen Nachbarn und erkundigen uns nach den Eigentümern. Oft hat jemand einen Schlüssel und lässt uns herein. Dafür bekommt er die Fotos von uns.

Die beiden Facebook-Seiten von Roland Nellen und Michael Sroka

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