Münsterland

So., 05.10.2008

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.

Artikelbewertung

Freche Jungs mit Engelsstimmen

Felix Holz (r.) und seine Kollegen vom Mainzer Chor haben schon viel bei Konzertfahrten erlebt. (Foto: Wilfried Gerharz)
Von Beatrix Bohn

Münster. Mathias Breitschaft wird richtig energisch. „Kommt mal da runter von der Wiese, mit euren dünnen Konzertschühchen“, ruft er seinen Jungs zu. Die Wiese, sie ist an diesem Samstagmorgen um neun noch ein wenig feucht, es ist kühl, und sein Mainzer Domchor soll sich schließlich nicht erkälten. Professor ist der freundliche ältere Herr, und er leitet den Knabenchor am Mainzer Dom.

Auf den gepflasterten, trockenen Wegen neben der münsterschen Petrikirche können die Jungen aber nicht stehen bleiben. Zum Deutschlandtreffen des katholischen Chorverbands Pueri Cantores kommen schließlich über 70 Chöre mit 2700 Kindern und Jugendlichen – und 700 davon werden sich gleich neben der Kirche versammeln, um singend zum nahen Dom zu ziehen. Alle 2700 treffen dort zusammen, um für den Abschlussgottesdienst am Sonntag zu proben – von den Dresdner Kapellknaben bis zur Mädchenkantorei an der Borkener St.-Remigius-Kirche. Mädchenkantorei? „Pueri Cantores“, das heißt doch singende Jungen. Aber seit 1947, als der weltweite Verband gegründet wurde, „da ist nicht alles gleich geblieben; wir können da schon lange mitsingen“, sagt später im Dom eine der Sängerinnen.

Auf der Wiese rempeln und rangeln vor dem Abmarsch die zwölf-, 13-jährigen Jungen ein wenig, die noch jüngeren wirken eifrig und ein wenig schüchtern. Aber nix da, Jungs wie Felix Holz haben auch mit elf Jahren schon jede Menge mit dem Mainzer Chor erlebt. „Wir waren zu Konzerten bei Paderborn und in Österreich, und jetzt übernachte ich schon das zweite Mal bei Gasteltern“, blinzelt er durch seine runde Brille. Sein Name steht auf seiner Tasche geschrieben, unter den 2700 soll ja nichts und niemand verloren gehen.

Da geben aber auch die älteren Jungen acht. Knuffen die jungen Wilden halb väterlich, halb Großer-Bruder-mäßig, haben die tieferen Stimmen nicht nur im Chor, und nehmen einen der ganz Kleinen auch mal in den Arm. Lars Gerlach ist einer der Älteren. Er singt eine der Tenorstimmen im Mainzer Domchor, mit seinen 18 Jahren hat er den Stimmbruch längst hinter sich. „Dann kann man eine Zeit lang nicht mitsingen. Da haben wir dann Sportgruppen vom Chor aus oder treffen uns so.“ Aus den rangelnden Jungs wird ein Chor sanfter Engel, als Münsters Domkapellmeister Andreas Bollendorf das Signal zum Abmarsch gibt. „Friede, Friede, wo wohnst du?“, singen die 700 auf ihrem Weg zum Dom. Der ist leer wie nie, alle Bänke rausgeräumt, damit alle 2700 Sänger ihren Platz finden. Wo sie ihn finden, das sehen die Chöre an den bunten Klebestreifen am Boden.

Das wird am Samstag nicht die letzte Probe gewesen sein: Den ganzen Tag über singen die Chöre in Münsters Kirchen. In der Bezirksregierung sind die Mainzer dran. Der Chorleiter rüffelt beim Einsingen: „Wo ist denn jetzt bitte schön der Alt?“ Beim nächsten Versuch ist es perfekt – Mathias Breitschaft wirkt richtig stolz. „Das war prima!“


Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Artikel



Anzeige

WN-Immo Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

WN-Aktionen

Wir haben die letzten Tickets
Am Donnerstag singt Ina Müller vor ausverkauftem Haus. Sie können noch 2 x 2 Eintrittskarten gewinnen. mehr...

Immer mehr drin
Exklusive Angebote für WN-Kunden - wie funktioniert das? mehr...

Kastelruther Spatzen
Lust auf den unverkennbaren "Spatzen-Sound"? Hier können Sie Eintrittskarten für das Konzert am Donnerstag gewinnen. mehr...

Anzeige