Münsterland
Mi., 01.04.2009
Kälberbluten: Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel
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Münster - In Bayern wallfahren am Wochenende rund 600 Bauern zur schwarzen Madonna. Sie fürchten sich, weil eine mysteriöse Krankheit in den Ställen ihre Kälber verbluten lässt „Und wäre das vor 1000 Jahren passiert, hätte man wohl Hexen verbrannt“, kommentiert Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die neuesten Fälle des für Laien seltsam anmutenden Kälberblutens. „Doch Beten allein hilft uns hier nicht weiter.“
Wie berichtet, sind erste Fälle im Münsterland, dem Kreis Steinfurt aufgetreten. Laut Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers verendeten mehrere Kälber in einem Betrieb in Westerkappeln. Das, was die Bauern verschreckt, sind nicht zuletzt die Symptome. Wie bei einer Ebola-Infektion bluten die Tiere aus Haut und Körperöffnungen, sie verbluten von innen. Die Ursachen sind ungeklärt. Es könnte ein Virus, ein Bakterium oder eine Vergiftung sein, die die Kälber Blut schwitzen lassen. Genetische Gründe sind ebenso denkbar.
Beim NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Recklinghausen ist das Problem bekannt. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagt Sprecher Eberhard Jacobs. Ihm seien in NRW eine Handvoll Fälle in den vergangenen zwei Jahren untergekommen. Doch hierzulande habe das Ganze längst nicht so drastisch zugenommen wie in Bayern. „Die Dimension hat es nicht“.
Gegen eine ansteckende Infektionskrankheit spricht in seinen Augen, dass eine so geringe Zahl von Betrieben Fälle gemeldet haben. Allerdings, so Jacobs, sei das Kälberbluten als Tierseuche nicht meldepflichtig, und daher gelten die Zahlen nicht als vollständig. Obschon nicht für Seuchenbekämpfung zuständig, hat die Landwirtschaftskammer jetzt heimische Landwirte aufgerufen, Fälle zu melden. Sie sollen gesammelt, sortiert und klassifiziert werden. „Es fehlt der Überblick“, so Rüb. Die Frage sei auch, ob das Kälberbluten erblich, auf einen Impfschaden oder die Fütterung zurückzuführen sei. „Es gibt Giftpflanzen, die sich, mal eingeschleppt, ausbreiten.“
Als unmittelbare Ursache gehen Veterinärmediziner von einer Gerinnungsstörung aus, die dadurch zustande kommt, dass die für die Gerinnung nötigen Blutplättchen im Knochenmark nicht hergestellt werden. Warum, ist ein Rätsel. So beunruhigend das Krankheitsbild aussehen mag, besorgniserregend findet die Kammer das Leiden nicht. „Es sterben ja nur die Kälber, die Mütter sind nicht betroffen, Milch und Fleisch sind unbelastet“, bilanziert Bernhard Rüb. Dennoch kann er verstehen, dass Landwirte erschrocken sind. „Da sieht man seine Kälber auf eine solche Art verenden. Das ist dramatisch.“ Eine Kollegin von ihm, die jüngst in Afrika war, meinte, dort riefe man wohl den Medizinmann.
Nicht so in NRW. Seit BSE wird die Erbfolge eines jeden Rindes dokumentiert. So soll nun abgeglichen werden, ob es da womöglich Auffälligkeiten gibt. „Wenn sich das nicht bald aufklärt,“ so Rüb, „ist der Bund in der Pflicht.“
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