Münsterland
Mi., 09.12.2009
Siebenköpfige Familie in den Kosovo abgeschoben
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Neuenkirchen. Eine siebenköpfige Familie aus Neuenkirchen ist in der Nacht zum Dienstag mit Polizeihilfe aus ihrem Haus am Westfalenring, Ecke Mühlendamm geholt worden, zum Flughafen gefahren und in den Kosovo abgeschoben worden. Das Elternpaar lebte seit 19 Jahren in Deutschland, die Kinder sind im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, das sechste Kind ist unterwegs. Die nicht angekündigte Aktion verantwortet der Kreis Steinfurt als ausführende Behörde.
„Man kann sich nicht vorstellen, wie schrecklich das ist“, sagte Schwester Giselhild vom Sozialbüro St. Anna am Mittwoch auf Anfrage der MV. Sie und drei Mitstreiterinnen sowie Vertreter der Kirchengemeinde hatten sich für die Familie eingesetzt und gegen die drohende Abschiebung protestiert. Noch Ende Oktober hatten sie auf das Elend der ehemaligen Bürgerkriegsflüchtlinge aufmerksam gemacht, sammelten Unterschriften gegen die Abschiebungsgesetze. Kaplan Michael Ehrle hatte in einer Predigt auf die Missstände hingewiesen.
Kirsten Weßling, Pressesprecherin des Kreises Steinfurt, beruft sich bei der Abschiebung auf die Gesetzeslage. „Die Familie hat gegen die Auflagen ihrer Duldung verstoßen“, sagte sie auf Anfrage der MV. Das heißt: Vater und Mutter sind straffällig geworden und wurden von einem Gericht verurteilt - für welche Straftat, wollte Weßling nicht sagen. Der Fall der Familie wurde sogar vor der Härtefallkommission des Landes verhandelt - ohne Empfehlung, die Familie in Deutschland wohnen zu lassen.
Schwester Giselhild und ihre Mitstreiterinnen wissen von der Straffälligkeit der Eltern. „Das können aber nur Bagatellen gewesen sein. Das kann doch kein Grund sein, sie alle zusammen und auf diese Art und Weise abzuschieben“, sagte Schwester Giselhild am Mittwoch. „Die Kinder und Eltern sind aus den Betten geholt worden, mussten schnell etwas packen, und dann ab in den Bus“, sagte Schwester Giselhild, die mit der 36-jährigen schwangeren Mutter der Kinder in telefonischem Kontakt steht.
Im Bus saßen bereits 20 Kosovaren, die ebenfalls abgeschoben wurden. Nach Auskunft von Kirsten Weßling kamen sie allerdings nicht aus dem Kreis Steinfurt. Der Bus brachte die Familien nach Karlsruhe, wo das Flugzeug am Dienstag um 10.30 Uhr Richtung Pristina im Kosovo abhob. In Neuenkirchen bleiben die Mutter und die Schwester der abgeschobenen Frau zurück.
„Die Kinder sind hier geboren, hier zur Ludgeri- und Heriburgschule gegangen. Sie sprechen nur Deutsch, die Familie kennt im Kosovo niemanden, sie wissen doch gar nicht, wohin“, sagte Else Heßling von der Caritas-Elisabethkonferenz gegenüber der MV. Auch sie war geschockt von den Nachrichten der plötzlichen Abschiebung.
„Ja, das hört sich brutal an. Aber das ist nicht der Maßstab, nach dem wir handeln müssen“, sagte Kreissprecherin Weßling. Der Kreis entscheide nicht, er führe nur die Anweisungen der Landesbehörden „nach Aktenlage“ aus.
„Nach der Landung habe ich mit der Mutter am Handy gesprochen“, berichtet Schwester Giselhild. „Sie hat so geweint, ich habe kaum etwas verstanden.“ Die Familie sei zunächst in einem Container untergebracht und werde später an einen ihnen nicht bekannten Ort gebracht. „Keiner weiß, welche Zukunft ihnen dort blüht“, sagte Else Heßling. Die Familie sei Roma, sie könne sich im Kosovo keineswegs sicher fühlen.
Das Ehepaar konnte bisher in Deutschland nicht heiraten, weil die nötigen Papiere in den Kriegswirren im Kosovo verloren gegangen sind, berichtet Schwester Giselhild. Der Mann habe zeitweise in Gladbeck gewohnt, durfte seine Familie wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit nicht besuchen.
Vor einem halben Jahr war die Abschiebung bereits angekündigt worden, die Familie tauchte unter. Ein Anwalt hatte daraufhin eine Verlängerung der Duldung erwirkt, jetzt kam die Abschiebung ohne Warnung.
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