Münsterland

Mo., 08.03.2010

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Ehedrama-Prozess: Angeklagter verliert die Fassung

Münsterland : Ehedrama-Prozess: Angeklagter verliert die Fassung
Von Hanno Ewald

Ahlen /Münster - Die für Montag mit Spannung erwarteten Schlussvorträge des Staatsanwaltes und der Verteidigung blieben aus. Stattdessen geht der Prozess vor dem Landgericht in eine Verlängerung, wo sich ein 47-Jähriger aus Ahlen wegen versuchten Totschlags zu verantworten hat (die „AZ“ berichtete).

Den Grund lieferte der Angeklagte. Man müsse die ganzen Dinge und was man ihm angetan habe, aus seiner Sicht einmal darstellen, sagte der Mechatroniker. Weit ausholend und in einem vier Stunden andauernden Monolog schilderte er mit kaum vernehmbarer Stimme die Höhen und Tiefen seiner Ehe. Die sei von Liebe zueinander geprägt gewesen, sagte der Mann. Ihre Beziehung sei intakt gewesen, wenn auch schon mal die Kaffeetasse flog. Den „ Schwarzen Peter“ für die Tiefen in seiner Ehe sah er nicht bei sich. Den schob er anderen zu. Er, der seine Frau sehr geliebt hatte, sieht sich in der Opferrolle. Man habe sich wieder zusammengerauft, nachdem ihm das Fremdgehen seiner Ehefrau zugetragen worden sei.

Das Gericht musste schon einen langen Geduldsfaden haben, als der Angeklagte Aufzeichnungen auf den Tisch legte, die über 20 Jahre zurückliegen. Der Einwand des Vorsitzenden Richters und des Staatsanwaltes, dass hier kein Familiengericht tagt, störte den 47-Jährigen nicht. „ Ich erzähle meine Geschichte wie ein roter Faden“, entgegnete er nicht ohne Unterton. Doch der Ahlener, der nach außen vorgibt, die friedliebende Ruhe in Person zu sein, ist vermutlich ein Wolf im Schafspelz.

Als ihm Angehörige eine Videoaufnahme vom derzeitigen Zustand seiner schwer geschädigten Ehefrau zeigten und ihm gesagt wurde, was er seiner Familie angetan habe, war es mit seiner Fassung vorbei: Er schlug mit der Faust auf die Anklagebank und explodierte. „ Ihr Kinder seid doch an allem Schuld, dass es so mit eurer Mutter gekommen ist“, brach es aus ihm heraus. Um postwendend wieder das Bild des Unscheinbaren zu liefern.

Obwohl nach der bisherigen Beweislage die Karten für den Angeklagten schlecht stehen, wies er weiter den Tatvorwurf der Anklage zurück. Stattdessen stellte er durch seinen Verteidiger mehrere Beweisanträge. Darin stellte er auch seine Tochter an den Pranger. Ihrer Aussage legte er falsche Fakten-Vorspiegelung zu Grunde. Mit den Plädoyers wird der Prozess am Donnerstag, 18. März, fortgesetzt.


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