Do., 30.09.2010

Münsterland Weste hat 15 Beamten das Leben gerettet

Münster - 33 Jahre und zehn Monate hat Hans-Rudolf Damm beim Polizeitechnischen Institut der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup gearbeitet. Aber auch zwei Tage vor seinem letzten Arbeitstag erwischt man den 65-Jährigen in Langen Brütz bei Schwerin, um an einer Tagung der Vorschriftenkommission teilzunehmen. „Wie es sich für einen Beamten gehört“, sagt er im Gespräch mit unserem Redakteur Stefan Werding . Am Donnerstag wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Sind Sie die westfälische Antwort auf den Tüftler Q bei James Bond?

Damm: Na ja, wir tüfteln ja nicht selber, sondern können nur Empfehlungen geben.

Wer entwickelt denn neue Waffen, Schutzwesten oder Streifenwagen für Polizisten?

Damm: Wir können nur die Industrie anstoßen, so etwas zu entwickeln. Viele Dinge liegen einfach in der Luft und müssen dann für die Polizei modifiziert werden. Beispiel Schutzweste: Die Aramidfaser Kevlar ist fester als Stahl und rostet nicht. Ursprünglich war sie für Stahlgürtelreifen gedacht. Dann kam jemand auf die Idee, daraus Schutzwesten zu entwickeln.

Eine Werkstatt gibt es bei Ihnen also gar nicht.

Damm: Nein, wir sind reine Schreibtischtäter. Wir sollen uns der Einrichtungen des Bundes und der Länder bedienen.

Der Streifenwagen ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Damm: Früher hatten Streifenwagen in der Mitte ein Blaulicht auf dem Dach und das Martinshorn vorne. Das war´s. Heute haben die einen Dachbalken mit mindestens zwei Blaulichtern, einen Signalgeber mit dem „Bitte folgen“ oder „Stopp Polizei“ und Lautsprecher. Die Wagen selbst sind handelsübliche Pkw. So sind sie immer auf dem neusten Stand.

In anderen Ländern hat das Blaulicht ganz andere Farben. Warum?

Damm: Bei uns hat man sich vor vielen Jahren auf das Blau geeinigt, weil das die Farbe ist, die in der Natur überhaupt nicht vorkommt. Rot kann auch mal ein reflektierter Sonnenstrahl sein.

Aber es gibt doch Himmelblau.

Damm: Nicht in der belebten Natur. Es wäre tatsächlich eine Untersuchung wert, warum es „blau“ geworden ist.

Leben Polizisten heute sicherer als vor 33 Jahren?

Damm: Es wird mehr mit Flaschen und Steinen geworfen als früher. Wenn Beamte einen vernünftigen Schutzhelm tragen, dann kann schon mal ein Stein geflogen kommen, ohne dass der Beamte verletzt wird. Vermutlich haben wir durch unsere Ausstattung geholfen, mehrere Polizisten vor Verletzungen zu schützen.

Gott sei Dank gibt es bei uns nur wenig Schüsse auf Polizeibeamte, sodass man keine statistischen Aussage machen kann. Aber wir haben seit Einführung der schusssicheren Weste rund 15 Fälle, in denen Beamten durch die Weste das Leben gerettet wurde.

Das ist doch ein schönes Ergebnis am Ende eines Arbeitslebens.

Damm: Ja, das ist es.

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