Mammut-Projekt "Biogas Münsterland"

Mi., 19.10.2011

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Initiatoren eines Güllekraftwerks in Südlohn scheitern - Ärger in Velen

Drastische Worte der Anlagen-Gegner: Heinrich Boll-Dullhot vor einem ProtestplakatFoto: (Jürgen Peperhowe)
Von Elmar Ries

Velen - Um den Bau einer riesigen Biogas-Anlage in Velen ist zwischen einigen Bauern und etlichen Bürgern ein heftiger Streit entbrannt. Die Anlage sei wichtig und richtig, sagt Borkens Kreislandwirt Heinrich Emming. Sie sei viel zu groß und letztlich zu gefährlich, kontert Heinrich Boll-Dullhot von der Bür­gerinitiative, die sich dagegen formiert hat.

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„Biogas Münsterland“ heißt das Mammut-Projekt, hinter dem ideell der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und praktisch die RWE-Tochter Innogy stehen. 180 000 Tonnen Gülle wollen die Projektpartner in einer neuartigen Biogas-Anlage pro Jahr vergären. Da soll Geld aus dem Mist von einer Million Schweinen produziert werden. Bis zu 600 Bauern haben die Projektpartner fest eingeplant. Bislang, so ist zu hören, gebe es lediglich 60 Interessenten.

Im Laufe des Prozesses sollen Gas, Strom und hochwertiger Dünger entstehen. Mit einer Wärmeleistung von zehn Megawatt könnte im Westmünsterland Europas größte Biogas-Anlage entstehen und eine, die als erstes Kraftwerk vor allem Gülle verheizt, und keinen Mais oder Weizen.

Im zehn Kilometer entfernten Südlohn war die Politik anfangs auch ganz angetan.

Das klingt gut. Aber eben nicht in allen Ohren. Gülle-Tourismus, klagen die einen, die Anlage sei überdimensioniert, schimpfen wiederum andere; und überhaupt: Mit Gülle allein könne das gar nicht funktionieren. Am Ende müsse in dem Bio-Reaktor sowieso Mais vergoren werden, um die nötige Energie vorzuhalten. In Südlohn, wo die Anlage zunächst errichtet werden sollte, kapitulierten die Initiatoren vor der Bürgerwut. Nun also ist Velen an der Reihe, die zweite Wahl und letzte Chance.

Als Veredlungsregion steckt das Münsterland in der Güllefalle. Längst werden Tausende Tonnen exportiert, nah bei, in die Soester Börde, weit weg, nach Ostdeutschland. Nun werden die Mastställe landauf, landab größer, damit verschärft sich auch das Gülle-Problem.

„Weil die sowieso schon gefahren wird, können wir sie auch in unsere eigene Biogas-Anlage bringen“, sagt Heinrich Emming, der selber 2000 Mastschweine in seinen Ställen stehen hat und rund 80 Milchkühe. Die Anlage fördere die großen Mastbetriebe und verschärfe so das Gülle-Problem, entgegnet Boll-Dullhot. Ungeklärt sei, wie pro Jahr anfallende rund 65 000 Kubikmeter (Ab-)Wasser entsorgt werden können, was mit den Gärresten passiere und wie mit Seuchenkeimen umgegangen werde.

Ende November sollen die ersten Pläne vorgestellt werden. Anders als in Südlohn steht der Velener Gemeinderat und Bürgermeister Christian Schulze-Pellengahr dem Projekt positiv gegenüber. „Im zehn Kilometer entfernten Südlohn war die Politik anfangs auch ganz angetan“, sagt Boll-Dullhot. Dort habe sich die Stimmung im Laufe der Zeit schnell gedreht.


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