Die Idylle trügt
Fr., 04.11.2011
Landesbetrieb Wald und Holz schlägt Alarm: Drei Viertel aller Bäume sind krank / Alle Arten betroffen
Düsseldorf -
So mies ging es den nordrhein-westfälischen Wäldern noch nie. Der Zustand der Bäume hat sich binnen eines Jahres dramatisch verschlechtert. Weniger als ein Viertel aller Waldbäume ist noch gesund. 2010 galt dieser Befund noch für 32 Prozent des Bestandes. In einer ersten noch inoffiziellen Bewertungen schlägt der Landesbetrieb Wald und Holz Alarm: „Nach einer mehrjährigen Erholungsphase zeigt sich jetzt der schlechteste Kronenzustand seit Beginn der Untersuchungen 1984“, heißt es in einem Zwischenbericht an Umweltminister Johannes Remmel.
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Traditionell wird im Dezember der jährliche Waldzustandsbericht abgegeben. Bereits im vergangenen Jahr hatte Lutz Falkenried vom Landesbetrieb darauf hingewiesen, dass die sonst zuletzt beobachtete „treppchenartige Besserung“ ausgeblieben war. Jetzt scheint die Treppe abwärts zu führen: Ein Drittel der Waldbäume wird in diesem Jahr in die schlimmste Kategorie „deutliche Schäden“ eingeordnet. 2010 galt dies noch für nur 23 Prozent. Die Rede ist 2011 von „Höchstwerten bei mehreren Indikatoren. Nur noch 42 Prozent (2010: 45) der Bäume weisen schwache Schäden auf.
„Das ist erschreckend“, entfährt es André Stinka, dem umweltpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion. Er regt darum eine „neue Initiative für Waldpolitik“ an, die auf den Klimawandel ausgerichtet ist. Schon jetzt bereiteten die sehr trockenen Frühjahrsperioden vielen Baumarten Probleme. Für Stinka ist es Zeit zu handeln: „Wir müssen mehr Finanzmittel in die Hand nehmen, um den Wald besser auf die Zukunft vorzubereiten.“
Dass es dem Wald schlechter geht, bereitet den Waldbauern schon seit Langem Sorge. Christina Schulze Föcking, Steinfurter Landtagsabgeordnete und eben erst gewählte Landesvorsitzende des CDU-Agrarausschusses, warnt deshalb davor, die alarmierenden Ergebnisse zum Anlass für neue gesetzliche Regelungen zu nehmen. „Die Situation haben die Waldbauern längst erkannt, sie arbeiten auch daran.“ Weg von Monokulturen, die Pflanzung neuer klimaresistenter Baumsorten – Schulze Föcking zufolge werden erste Maßnahmen ergriffen. „Der Wald ist multifunktional“, weist sie auf dessen Bedeutung hin.
Zurzeit macht der Wald mit 916 000 Hektar 27 Prozent der Landesfläche aus. Nur ein Drittel davon ist in öffentlicher Hand. Erst jüngst, im Zeichen der Finanzkrise, stellten Fachleute eine steigende Nachfrage von Privatpersonen fest, die ihr Geld in sichere Werte investieren wollen.
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