Kriegsversehrt im Jahr 2011

Fr., 04.11.2011

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Die Bundeswehrsportschule in Warendorf startet Pilotprojekt für verletzte Soldaten

Hauptmann Michael Wieger (stehend) zeigt einem Kameraden, wie er mit gezielten Übungen seine Verletzungen kompensieren kann. (Foto: Kemper)

Warendorf - 

Sie sind elf Kameraden, und sie haben ein Schicksal, das sie eint. Bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr wurden sie schwer verletzt. Seitdem leben sie mit gesundheitlichen Einschränkungen, die sie jeden Tag zu spüren bekommen. Immer wieder.

Von Daniela Geuer

Sie leiden unter Verletzungen, die nur der Krieg mit sich bringt: Granatsplitter haben sie getroffen, Amputationen und Lähmungen schränken ihre Lebensqualität ein – traumatische Erlebnisse, die verarbeitet werden müssen.

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Manchmal liegt die Verwundung schon ein Jahr zurück und die „Kriegsversehrten“ – ein Wort, von dem man in Deutschland glaubte, es gehöre der Vergangenheit an – haben zahlreiche Rehamaßnahmen hinter sich – ohne Erfolg. Denn die Betreuung im zivilen Gesundheitssystem hat einen ganz entscheidenden Nachteil: „Man versteht dort unsere Probleme nicht“, sagt einer der Soldaten.
Damit soll jetzt Schluss sein. Die Bundeswehrsportschule in Warendorf und das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr führen in der Kreisstadt einen Pilotlehrgang durch: „Sport für Einsatzgeschädigte“.
Drei Wochen, die ein klares Ziel verfolgen: „Wir wollen die körperlichen Reserven, die trotz des Handicaps da sind, wecken, die Grenzen erkennen und die Leistungsfähigkeit durch Training erhalten und steigern“, sagt Oberstarzt Dr. Andreas Lison.
Für die Soldaten ein reizvolles Angebot. Die Teilnehmer und auch die Betreuer wissen, was es bedeutet, verletzt von einem Auslandseinsatz zurückzukehren. „In zivilen Einrichtungen musste ich meine Verletzungen immer und immer wieder erklären, und sie haben mich trotzdem nicht verstanden“, sagt ein Lehrgangsteilnehmer. Das macht mürbe. Umso wohler fühlen sich die Soldaten in Warendorf: „Ich würde auch ein halbes Jahr hier bleiben“, erklärt ein Soldat.
Das Pilotprojekt startete mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Nach orthopädischen und leistungsdiagnostischen Untersuchungen und Einzelgesprächen mit Physiotherapeut, Orthopäde, Allgemeinmediziner und Trainer bekam jeder Patient sein optimales individuelles Programm. Manchmal musste kurzfristig umdisponiert werden: „Eigentlich war nur ein kleinerer Teil des Lehrgangsprogramms für die Physiotherapie vorgesehen. Als wir da erhöhten Bedarf festgestellt haben, wurde der Bereich massiv erweitert“, sagt Lison.
Drei Physiotherapeuten und zwei Sportwissenschaftler kümmern sich um die Soldaten. „Warendorf ist optimal dafür“, sagt Oberst Theodor Herkel vom Streitkräfteamt in Bonn. Die Verbindung von Trainingsmöglichkeiten und Sportmedizinischem Institut gebe es so kein zweites Mal.
„Hier wird mit Herzblut gearbeitet“, sagt einer der Verwundeten. Allerdings ist der Lehrgang kein Spaziergang. Die Soldaten werden gefordert. „Wir sagen ihnen nicht, was sie nicht können, sondern was alles möglich ist“, erklärt Lison. So stehen neben Kräftigungsgymnastik auch Spinning, Walking und Fußball auf dem Programm. Alle Beteiligten sind sicher: „Das ist ein Projekt mit Zukunft.“


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