Gerichtsvollzieher trickst Gläubiger aus
Do., 23.02.2012
Angeklagter soll rund 100.000 Euro für Alkohol und Urlaub ausgegeben haben
Der Angeklagte fragt sich, wo das ganze Geld geblieben sein könnte.
Rheine/Münster -
Über Jahre hinweg hat sich ein 56-jähriger Gerichtsvollzieher aus Rheine an fremdem Geld bedient. Dazu nutzte er seinen Beruf gnadenlos aus. Wenn der Mann im Auftrag von Gläubigern an die Türen der Schuldner geklopft und das Geld eingetrieben hatte, schrieb er es auf einem „Geschäftskonto“ gut.
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Die Summen leitete er aber nicht in allen Fällen an die Gläubiger weiter, sondern transferierte das Geld auf sein Unterkonto. Von 2005 bis 2009 veruntreute der Beamte durch seine Manipulationen annähernd 100 000 Euro.
Wegen Untreue in 267 Fällen und wegen Urkundenfälschung muss sich der Mann seit Mittwoch vor dem Landgericht Münster verantworten. Gleich zu Beginn gab der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend zu. Wo das ganze Geld geblieben ist, konnte er sich nicht erklären.
Als die Manipulationen aufflogen, sei er selbst überrascht gewesen, einen derart hohen Schaden angerichtet zu haben. Von dem Geld gönnte sich der Familienvater ein neues Bad für sein Zweifamilienhaus. Auch für Urlaube und Alkohol soll das Geld draufgegangen sein.
Er selbst behauptet, depressiv und alkoholabhängig zu sein. Der Mann steht vor einem Scherbenhaufen. Seine Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Den Richtern gab er zu Protokoll, dass ihn sein Dienstherr aus dem Beamtenverhältnis entlassen soll: „Die Erklärung kommt jetzt. Ich konnte mich vorher nicht dazu durchringen.“ Der Oberstaatsanwalt sah das anders: Der glaubt, dass der Angeklagte erst mal weiter sein Gehalt beziehen wollte. Bisher hat der Angeklagte einen Teil seines Gehalts weiterbekommen, nachdem er vom Dienst suspendiert worden war.
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