Himmlischer Hoffnungsschimmer
Mo., 06.02.2012
Bischof Genn weiht im nördlichsten Festlandszipfel des Bistums die neue „Kirche am Meer“ ein
Bischof Dr. Felix Genn weihte am Samstag in einem Pontifikalamt die neue „Kirche am Meer“ (Bild rechts) in Schillig ein. 4,7 Millionen Euro hat das Bistum Münster in das außergewöhnliche Bauwerk investiert.
Schillig/Münster - Von außen gleicht die St.-Marien-Kirche einer Welle, die über den Deich zu schwappen droht. Dass das Bistum in einer Zeit, in der anderswo Kirchen geschlossen werden, ausgerechnet in einer Gegend, in der gerade einmal 800 Katholiken leben, 4,7 Millionen Euro investiert, hat während der zweijährigen Bauzeit für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.
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Der Himmel, das sind viele Hundert kleine blaue LED-Lämpchen. Wenn es Nacht wird an der Nordsee, leuchten sie. Auf Knopfdruck. „Ein Hoffnungsschimmer“, sagt Lars Bratke, seit sechs Jahren Pastor an der Küste. „Wir wollen den Menschen Mut machen in den Dunkelheiten des Lebens, ihnen den Himmel aufzeigen.“
Durch verheißungsvolle Worte, aber eben auch durch eine außergewöhnlich ausdrucksstarke Beleuchtung des gläsernen Kirchendaches, die einmalig ist in Deutschland. Die LEDs sind nicht das einzig architektonisch Faszinierende des neuen Gotteshauses, das am Samstag in Schillig, dem nördlichsten Festlandszipfel des Bistums Münster, von Diözesanbischof Dr. Felix Genn eingeweiht wurde.
Von außen gleicht die St.-Marien-Kirche einer Welle, die über den Deich zu schwappen droht. Dass das Bistum in einer Zeit, in der anderswo Kirchen geschlossen werden, ausgerechnet in einer Gegend, in der gerade einmal 800 Katholiken leben, 4,7 Millionen Euro investiert, hat während der zweijährigen Bauzeit für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Am Samstag war das alles jedoch kein Thema. Bischof Genn wollte „diesen Freudentag für die Kirche von Münster“ mit der Gemeinde und den vielen Gästen feiern.
Vom Kirchplatz keine 50 Meter entfernt liegt einer der größten Campingplätze der Küste mit 1,2 Millionen Übernachtungen jährlich. Die vielen Urlauber, die fast das ganze Jahr über nach Friesland kommen, um durchzuatmen, sie sind auch der Grund, warum sich die Bistumsleitung bewusst für den Bau entschieden hat. Für sie soll das neue Gotteshaus am Meer ein Raum sein, in dem sie „vielleicht zu dem kommen, was sie suchen“. Dazu, sagte Genn, „braucht es Überzeugte, die andere überzeugen“. Die Botschaft des Bischofs kam bei den Gläubigen an.
Das Architektenehepaar Ilse und Ulrich Königs hatte die Ausschreibung des Vechtaer Offizialats für einen Kirchenneubau 2009 gewonnen, nachdem klar war, das die Renovierung der alten Kirche zu teuer werden würde. Die Jury war vor allem beeindruckt, mit welcher Konsequenz die Kölner die Metaphorik des Meeres in ihrem Entwurf umgesetzt hatten. Der Schimmer des Oldenburger Klinkers soll außen an die Schuppen eines Fisches erinnern.
Im Innern des Gotteshauses haben sich die Architekten auf das Wesentliche beschränkt. Die Bodenfliesen sind aus Muschelkalk, der Wandputz nimmt die Farbe des Schilliger Strandes auf. Die Dachkonstruktion bricht das Tageslicht, so dass es hinter dem Altar in Wellenform erscheint. Ein „wunderbares Bauwerk“, über das sich die protestantische Mehrheit im Wangerland am Samstag mitfreute. Wie unkompliziert ökumenisches Miteinander sein kann, haben Katholiken und Protestanten hoch im Norden in den vergangenen zwei Jahren einmal mehr vorgemacht.
Während der Bauzeit hat sich Pfarrer Lars Bratke mit seiner Gemeinde wintertags zur Messe in der evangelischen Kirche versammelt. Dafür bedankte sich Genn persönlich beim Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, der zur Kirchweihe angereist war. Und bei Pastorin Sabine Kulick von der evangelischen Ortsgemeinde. Ihr versprach Pfarrer Lars Bratke: „Diese Kirche steht euch so offen wie eure Kirche uns.“ Eine Einladung mit Symbolcharakter.
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