Naturschutz, Kultur und Tourismus
Mo., 06.02.2012
Darup stemmt sich gegen den demografischen Wandel
Nottuln -
Noch kläfft ein kleiner Mischling im künftigen Dorfgemeinschaftsraum Darups und fletscht mit den Zähnen. Doch damit ist bald Schluss. Der Hund und die dazugehörende Familie bekommen ein neues Zuhause. Die Schoppmanns ziehen aus ihrem 100 Jahre alten Bauernhof aus und machen Platz. Für einen Dorfgemeinschaftsraum, in dem sich künftig die Jugend und die ältere Generation treffen sollen. Wo Ausstellungen stattfinden werden und bei Discoveranstaltungen getanzt werden kann. Wo Heimatverein und andere Verbände tagen können. Direkt nebenan, dort, wo jetzt eine Scheune steht, wird ein Lebensmittelladen eröffnet. Als Alternative und Ergänzung zu den Supermärkten in Nottuln soll er die Nahversorgung sicherstellen und Älteren den Einkaufskorb nach Hause liefern. Mit Waren aus der Region, bevorzugt aus ökologischem Landbau. Kunden werden neben den Darupern auch die Gäste des Hofes sein, die künftig dort übernachten können, und Touristen, die das Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld besuchen. Das verlässt seine unscheinbaren Räume in Coesfeld und zieht ebenfalls auf den Hof. Ach, und da ist noch das Café, in dem sich künftig jeder bei Kaffee und Kuchen das Konzept selbst aus der Nähe ansehen kann. Und sehen soll, wie sich ein Dorf mit 2100 Bewohnern gegen den demografischen Wandel stemmt.
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„Die Finanzierung steht“, sagt Nottulns Bürgermeister Peter Amadeus Schneider. Das Projekt liegt ihm am Herzen. Drei Millionen Euro werden investiert, die Gemeinde beteiligt sich, die NRW-Stiftung ist dabei und das Land. Fördergelder gibt es aus einem besonderem Grund: Das Projekt ist Teil der Regionale 2016, soll Wegweiser für andere Kommunen werden und wird einmal vom Verein für Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP) geführt werden. Konkret heißt das, dass Suchtkranke, psychisch Kranke und Menschen in besonderen Lebenslagen, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, den Hof Schoppmann bewirtschaften werden. Sie werden im Dorfladen die Eier verkaufen, im Café den Kaffee servieren, mit dem Heimatverein vielleicht einen Bauerngarten anlegen und für die Touristen die Betten machen. Und das ganze Dorf steht hinter ihnen. „Wir erleben hier eine großartige Offenheit", sagt Schneider. Der Heimatverein unterstütze das Projekt mit voller Kraft, erklärt Vorstandsmitglied Holger Zbick. „Wir haben uns den Bahnhof in Billerbeck angeschaut, der wird auch vom IBP betrieben, und sind überzeugt, dass das hier klappt.“ Nach den Investitionskosten soll kein zusätzliches Geld mehr fließen müssen. „Es soll sich selbst tragen“, stellt Martin Althoff vom IBP fest und schwärmt „von einem glücklichen Zusammentreffen von Leuten, die sich haben begeistern lassen.“ Dazu gehört laut Schneider auch die Bezirksregierung, die das Projekt nicht nur unterstützt, sondern tatkräftig mit anpackt. Die Behörde sicherte unter anderem die benötigte Zwischenfinanzierung. Ende 2014 soll alles fertig sein, Thomas Zimmermann vom Naturschutzzentrum inspiziert schon die Wiese neben dem künftigen Lebensmittelladen. „Da soll ein verrohrter Bach fließen, vielleicht können wir ihn ja wieder offenlegen“, sagt er zu seinen Mitstreitern. Die nicken. Auf dem Hof Schoppmann ist alles im Fluss.
