Politischer Aschermittwoch

Do., 23.02.2012

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Wulffs einstiger „Kronprinz“ McAllister gibt den Jungen vom Land

Politischer Aschermittwoch : Wulffs einstiger „Kronprinz“ McAllister gibt den Jungen vom Land

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister betont derzeit das Bodenständige – er versucht, sich von seinem politischen Ziehvater Christian Wulff abzusetzen. Foto: dpa

Recke/Hannover - 

Politischer Aschermittwoch, das heißt: Bier und Frikadellen im Festzelt – nicht Schampus und Kaviar am Roten Teppich. Auch insofern dürfte David McAllister seine Einladung nach Recke gestern gerade recht gekommen sein. Glanz und Glamour sind beim Auftritt eines Regierungschefs aus Hannover derzeit nicht so gefragt.

Von Martin Ellerich

Der Deutsch-Schotte ist in Niedersachsen gleich in dreifacher Hinsicht Nachfolger von Christian Wulff – als CDU-Chef, als Fraktionsvorsitzender und als Ministerpräsident. Und so muss Wulffs einstiger „Kronprinz“ in diesen Wochen eine politische Gratwanderung hinlegen: Einerseits Abstand zu seinem durch die Schnäppchen-Affäre diskreditierten politischen Ziehvater, dem Ex-Bundespräsidenten, halten, andererseits jeden Ruch von Illoyalität vermeiden.

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Da ist es wenig verwunderlich, dass McAllister gerne das Ländlich-Sittliche betont. Konkret heißt das zum Beispiel: Moorausmoor statt Hannover. Am Montag zelebrierte der 41-Jährige im Saal der Dorfkneipe „Stockfisch“ in dem 180-Seelen-Ort den Auftakt zum Wahlkampf. Mit 100 Prozent der 185 Wahlberechtigten wird er dort als Direktkandidat für die Landtagswahl im Januar 2013 aufgestellt – und als „ganz anderer Typ als Wulff“ gefeiert.

Er betont – trotz der derzeitigen Schwäche des Koalitionspartners FDP: „Niemand möge die Kampfeskraft der CDU in Niedersachsen unterschätzen.“ Es gelte, so McAllister, „Verhältnisse wie in NRW“ zu verhindern, wo SPD und Grüne „gemeinsam mit Kommunisten regieren“. Solche Worte kommen an – ob in Dorfkneipe oder Festzelt. Zu Wulffs Wirken wollte McAllister, der sich beim Amtsantritt als Nachfolger im Ministerpräsidentenamt 2010 noch als „gleiche Marke, aber neues Modell“ präsentierte, in den letzten Wochen wenig sagen.

„Als niedersächsischer Ministerpräsident hat Christian Wulff sehr viel Positives für Niedersachsen geleistet“, zu dieser Würdigung des Vorgängers ringt er sich – nach einigem Zögern – nach dessen Rücktritt als Präsident am Freitag immerhin durch. Dennoch dürfte der Rücktritt ihn erleichtert haben.

„Wulff hat keinen Einfluss auf den Ausgang der Landtagswahl“, hatte er zuvor schon betont. Das ist nicht so sicher: Die SPD-Landtagsfraktion in Hannover hat im Zusammenhang mit der Affäre eine Verfassungsklage gegen die Landesregierung erhoben. McAllister musste inzwischen einräumen, dass auch er über Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker drei Schulfreunde zur umstrittenen Party „Nord-Süd-Dialog“ einladen ließ.

Er sei von Glaeseker angesprochen worden, ob er er nicht noch drei Gäste wisse, verteidigte sich McAllister. Er reagiere „höchst gelassen“ auf die Klage, „weil wir dann Klarheit bekommen, über die einzelnen, angeblich offenen Punkte.“ Schon vor der Wulff-Krise hatte McAllister gern den Jungen vom Land gegeben. Statt auf Sylt mache er lieber Urlaub im Strandkorb. Die wahre Stärke Niedersachsens liege auf dem weiten Land. Oder wie er es gerne formuliert: „Nur wenn man weiß, woher man kommt, kann man auch weite Wege gehen.“


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