Viele Stellen, kaum Bewerber
Di., 07.02.2012
Presbyterwahlen fielen am Sonntag in vielen Gemeinden aus
In der Grevener Christuskirche gab es am Sonntag erstmals keine Presbyterwahlen.
Münster -
Münster - So unterschiedlich können Probleme in der geistlichen Welt sein: In der katholischen Kirche fordern Laien seit Jahrzehnten mehr Mitbestimmung. Die evangelische Kirche dagegen räumt der Basis viel Einfluss ein – doch immer weniger Gläubige wollen dafür ihre Zeit opfern. Das spiegelt sich in den Presbyterwahlen vom vergangenen Wochenende wider. Sie fiel dieses Jahr vielerorts in NRW aus Kandidatenmangel aus.
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So unterschiedlich können Probleme in der geistlichen Welt sein: In der katholischen Kirche fordern Laien seit Jahrzehnten mehr Mitbestimmung. Die evangelische Kirche dagegen räumt der Basis viel Einfluss ein – doch immer weniger Gläubige wollen dafür ihre Zeit opfern. Das spiegelt sich in den Presbyterwahlen vom vergangenen Wochenende wider. Sie fiel dieses Jahr vielerorts in NRW aus Kandidatenmangel aus.
Entweder gab es für die Leitungsgremien gerade so viele Kandidaten wie Sitze. Oder es waren noch weniger. Nur jede zweite der 743 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland konnte abstimmen. In allen anderen erübrige sich die Presbyteriumswahl aus Mangel an Kandidaten, sagte Sprecherin Kornelia Roßkothen. Laut Roßkothen sollte die Zahl der Presbyter nicht zu sehr nach unten abweichen. „Wenn dem Gremium zwei Personen fehlen, kann man das verkraften. Viel mehr sollten es allerdings nicht sein, denn das Presbyterium muss letztlich auch arbeitsfähig sein.“
Noch dramatischer ist das Bild in der Evangelischen Kirche von Westfalen: In nur 127 der 522 Gemeinden konnten die Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben. Das sind 101 Urnengänge weniger als noch vor vier Jahren. Besonders krass treffen die Nachwuchssorgen in den Laienämtern die Lippische Landeskirche: Nur in fünf der 69 Gemeinden kam eine Wahl zustande. Gründe seien wohl die erhebliche zeitliche Belastung neben dem Beruf und das moderne Freizeitverhalten, sagte der Juristische Kirchenrat Arno Schilberg. Die Wahl werde im Frühjahr ausgewertet. Dann werde man überlegen, ob der Trend Änderungen notwendig mache.
„Es ist ein Problem für die mittelfristige Planung in der evangelischen Kirche, Leute zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt der evangelische Theologieprofessor Michael Beintker aus Münster. „Das ist allerdings ein gesamtgesellschaftliches Problem, welches sich nicht nur in den Kirchen finden lässt. Heutzutage binden sich die Leute nicht mehr gern und übernehmen ein Amt für fünf oder sechs Jahre.“ Natürlich könne man diese Gremien mit Rentnern besetzen, sagt der Theologe. Ein Trend zur Vergreisung sei stellenweise auch erkennbar. Doch sei es wünschenswert, alle Generationen mit einzubinden. Beintker hinterfragt die aktuelle Praxis, Wahlen ausfallen zu lassen. „Es kann ja auch interessant sein, wer wie viele Stimmen bekommt.“ Dass die Wahlen zumindest die Wähler reizen, zeigt laut Beintker eine einfache Statistik. Demnach besuchen nicht einmal vier Prozent aller evangelischen Gemeindemitglieder regelmäßig den Gottesdienst. Die Wahlbeteiligung der Presbyteriumswahlen liege aber immerhin bei etwa sieben bis acht Prozent. Man müsse mit guten Beispielen überzeugen, sagt Beintker. „Es muss veranschaulicht werden, was der eigene Einsatz bringt.“