Mo., 02.07.2012

In Gronau und Ahaus laufen die Überprüfungen Der Stresstest für Atomanlagen ist vor allem Archivarbeit

Ahaus/Gronau - 

Stresstest-Placebo? Das ist der erste Eindruck. Sämtliche Atomanlagen in Deutschland werden derzeit überprüft. Nach der Katastrophe von Fukushima hatte der Bund nicht nur das Aus für die deutschen Meiler beschlossen, sondern auch ei­nen außerordentlichen Sicherheitscheck für sämtliche Zwischenlager und Atomfa­briken. Zwei davon – das Zwischenlager in Ahaus und die Urenco-Urananreicherungsanlage in Gronau – liegen im Münsterland.

Von Elmar Ries

Stresstest, das klingt nach Belastungs-EKG, nach Austesten von Sicherheitsgrenzen, danach, dass die Schutz-Architektur von auswärtigen Experten auf Herz und Nieren überprüft wird. Dem ist aber nicht so. Im Infozentrum des Brennelemente-Zwischenlagers in Ahaus sitzt Burghard Rosen und hat einen Stapel Unterlagen vor sich ausgebreitet. Rosen ist der Sprecher der von der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) betriebenen Anlage. „Beim Stresstest geht es letztlich darum, nachzuweisen, dass die Anlagen gegen extreme Erdbeben, allgemeine Wetterkatastrophen, Explosionen, Flugzeugabstürze, Brände, Hochwasser, Stromausfälle, Brände sowie Explosionen geschützt sind“, sagt er.

Überprüfung der Atomanlagen in NRW

Die Stresstests für die deutschen Atomanlagen waren 2011 als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima angelaufen. Zuerst wurden die Atomkraftwerke überprüft, derzeit sind die Atomanlagen an der Reihe. In NRW sind das knapp 20. Neben der Urananreicherungsanlage der Firma Urenco in Gronau sind das alle Zwischenlager (Gorleben, Ahaus, Lubmin und Jülich sowie die Zwischenlager an den Atomkraftwerken).

Praktisch bedeutet das für die Mannschaft in Ahaus vor allem, ins Archiv zu steigen und die benötigten Un­ter­la­gen herauszusuchen. „Dazu müssen wir Hunderte Ordner durch­forsten und Tausende Dokumente nachsehen“, sagt er. Das Bundesumweltministerium hatte Anfang Juni die Unterlagen für den Sicherheitscheck an die Atomanlagen geschickt. Deren Betreiber müssen ihre Antworten bis zum 31. Juli gegeben haben. „An der Kürze der Zeit merken Sie schon, dass natürlich nicht jede Anlage im Detail neu überprüft werden kann“, sagt Markus Röder, Werkleiter der GNS im Zwischenlager Ahaus.

Müssen sie auch gar nicht. Erkenntnis eins: Die Atomanlagen werden sowieso regelmäßig überprüft. Erkenntnis zwei: Schon bei der Genehmigung wurde großer Wert auf eine optimale Sicherheitsarchitektur gelegt – „sonst hätten wir keine Betriebserlaubnis erhalten“, betont Rosen. Und die Genehmigung ist an eine fortlaufende Überprüfung durch das Landeswirtschaftsmi­nis­­teri­um gekoppelt, das in NRW die Atomaufsicht ausübt. Der Stresstest letztlich also doch nur ein Placebo für die atomkraftkritische Be­völ­ke­rung?

Ganz so ist das nicht. „Im Unterschied zu einer Kontrolle, die letztlich helfen soll, die nukleare Sicherheit einer Anlage zu verbessern, sollen durch den Stresstest die Sicherheitsszenarien neu bewertet werden“, teilt das NRW-Wirtschaftsministerium auf Nachfrage mit. Heißt im Klartext: „Bei den zu überprüfenden Punkten wird ei­ne Schippe draufgelegt.“ So erklärt es Dr. Chris Breuer, Sprecher der Urenco in Gronau.

Bezogen auf die Urananreicherungsanlage heißt das zum Beispiel konkret: Die Atomfabrik ist für ein Erdbeben der Stärke 4 auf der Richterskala aufgelegt. Was passiert bei einem Beben der Stärke 5? Auch bei Urenco finden sich 80 bis 90 Prozent aller Antworten im Firmen-Archiv. „Für den Rest werden derzeit neue Gutachten erstellt“, sagt Breuer.

Die Erdbebenfrage ist so ein Fall, dessen sich externe Experten derzeit annehmen. Angst davor, am Ende womöglich durchzufallen, haben weder die Verantwortlichen in Ahaus noch die in Gronau. „Unsere Anlagen sind sicher“, so beteuern die beiden Sprecher unisono. „Sie ar­beiten unter den höchsten Sicherheitsbedingungen.“ Eine andere Antwort hätte auch verwundert.

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