Sa., 08.03.2014

Was würde wohl der alte Wilhelm sagen? Coesfelder Peter Bastian bringt Kaiserdenkmal in Porta Westfalica auf Vordermann

Peter Bastian mit seinem Sieger-Entwurf für die Neugestaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals.

Peter Bastian mit seinem Sieger-Entwurf für die Neugestaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Foto: Jürgen Peperhowe

Porta Westfalica / Münster - 

Architektur ist kein Selbstzweck. Sie dient der Funktion. Jeder Effekt ist tödlich. Peter Bastian sagt solche Sätze, die nach kühler Sachlichkeit klingen. Dass der Architekt aus Coesfeld mit einem Büro in Münster seinen Beruf vor allem als Handwerk versteht und nicht als Kunst, überrascht da nicht.

Von Elmar Ries

Der 49-Jährige hat den Wettbewerb um die Sanierung und bauliche Aufwertung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica gewonnen. Strenge Rationalität trifft monumentale Bedeutungsschwere: Das Ergebnis überzeugte.

Die untere Ringterrasse des imposanten Ensembles am Tor zur früheren Preußen-Provinz Westfalen ist nach wie vor kriegsversehrt. Die Nazis hatten in alte Stollen unterhalb des Denkmals Teile ihrer kriegswichtigen Produktion vergraben. 1946 sprengten die Briten die Anlage – mit durchaus nachhaltigen Folgen. Nicht nur, dass die Statik nicht mehr funktioniert und der Kaiser wackelt. Ein Teil des Unterbaus stürzte damals ein – und liegt noch immer so da wie vor 68 Jahren.

Das Denkmal sichern ist das eine, es aufzuwerten das andere: Das über 100 Jahre alte Monument ist ein beliebtes Ausflugsziel. 200 000 Gäste besuchen den in Bronze gegossenen Wilhelm I. jedes Jahr. Sie sind jedoch mit dem Kaiser und seiner Zeit ziemlich allein gelassen. Darum plante der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer im vergangenen Sommer einen Doppelschlag: Neben der notwendigen Sanierung, die alleine schon mit 2,8 Millionen Euro zu Buche schlägt, soll im Bereich des Denkmal-Vorplatzes ein Dokumentationszentrum entstehen, inklusive einer Restauration. Die alte Gastronomie – entfernt am Parkplatz gelegen, ist, vorsichtig formuliert, schon vor Jahren auf den Hund gekommen. Und längst geschlossen.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Das Kaiser-Wilhelm Denkmal wurde 1896 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria in der damaligen Preußischen Provinz Westfalen eingeweiht. Aus insgesamt elf Vorschlägen hatte der Provinziallandtag in Münster sieben Jahre vorher  den Standort an der Porta Westfalica ausgewählt. Das Standbild Wilhelms I. entwarf Caspar von Zumbusch aus Herzebrock. Für die architektonische Gestaltung war der Berliner Bruno Schmitz verantwortlich. Seit 2012 ist das Monument ein „Denkmal von Nationaler Bedeutung“.

Wer den Entwurf des 49-Jährigen sieht, versteht, was er meint, wenn er sagt, Ar­chitektur habe bescheiden und demütig zu sein. Das Neue nimmt sich zurück, fügt sich harmonisch in den Bestand, greift die vorhandene Formsprache konsequent auf und entwickelt sie wo nötig behutsam fort. So platzierte Bastian die Räume in den alten Sockel, ersetzte an deren Front Gestein durch Glas und ergänzt sie durch eine schmale Terrasse. Lediglich zwei überwölbte Zugänge auf der oberen Terrasse werden künftig dem Besucher verraten, dass sich weiter unten Neues auftut.

„Eigentlich“, sagt der Planer in seinem Büro in Münster , sei „die Aufgabe relativ einfach gewesen.“ Und so, wie er das sagt, klingt das keine Spur überheblich. Wobei einfach nicht banal bedeutet.

Wer sagt, Architektur sei wie das Lösen von Gleichungen, und gerne „im Bestand“ arbeitet, weil „dort die Parameter feststehen“, muss gerade an ei­nem Auftrag mit engem Korsett Gefallen finden. Auch wenn oder gerade weil es dabei Dutzende unveränderbarer Bedingungen gibt, die den Planer zwingen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren „und die wenigen Freiräume konsequent zu nutzen“.

Gefallen fand auch das 30-köpfige Preisgericht an den Plänen des Coesfelder Planers. Zweierlei habe diesen Entwurf aus dem Kreis der 15 Vorschläge hervorstechen lassen, sagt Matthias Gundler von der West fälisch-Lippischen Vermögens verwaltungsgesellschaft, einer 100-prozentigen Tochter des LWL. Neben der „Denkmalverträglichkeit“ mache vor allem „die Schlichtheit die Qualität des Entwurfes aus“.

Womöglich noch in diesem Jahr könnten die ersten Arbeiten beginnen. Die Bauzeit für das Infozentrum nebst Gastro-Bereich beläuft sich aus Sicht das Architekten auf rund 18 Monaten.

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