Di., 11.03.2014

Reaktionen zum Tod von Marga Spiegel Trauer um „eine große jüdische Persönlichkeit"

Marga Spiegel

Marga Spiegel ist am Dienstag im Alter von 101 Jahren in Münster gestorben. Sie überlebte die Nazi-Herrschaft versteckt bei einer Bauernfamilie. Die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte "Unter Bauern" machte sie deutschlandweit bekannt. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Münster/Ahlen - 

Sie überlebte den Holocaust versteckt bei einer Bauernfamilie in Herbern bei Ascheberg. Die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte "Unter Bauern" machte sie deutschlandweit bekannt. Jetzt ist Marga Spiegel tot. Mit bewegenden Worten nehmen ihre Wegbegleiter Abschied.

Von Jan Hullmann und Elmar Ries

Die Betroffenheit über den Tod Marga Spiegels ist groß. „Ich bin tief bewegt“, sagte Joachim von Mengershausen. Der Regisseur hatte 2008 „Unter Bauern“ gedreht, jenen Film mit Veronica Ferres in der Hauptrolle, der Spiegels Leidensweg während der Nazi-Zeit zum Inhalt hat. Zusammen mit ihrer Tochter hatte sich die Jüdin bei der Bauernfamilie Aschoff in Ascheberg-Herbern versteckt. Beide waren so der Verfolgung entgangen. Spiegels Sohn Daniel hatte den Regisseur über den Tod seiner Mutter informiert. „Wenn ich an sie denke, kommen mir die Tränen“, sagte der Filmemacher.

Beerdigung in Ahlen

Gelegenheit zur Trauer

Am Freitag wird sie um 11 Uhr in der Familiengruft auf dem jüdischen Friedhof in Ahlen (Sedanstraße 120) öffentlich beigesetzt. Ab Mittwoch (10 Uhr) wird in der Synagoge in Münster (Klosterstraße 8-9) ein Kondolenzbuch ausliegen.

Spiegel wird am Freitag auf dem jüdischen Friedhof in Ahlen (Sedanstraße 120) öffentlich beigesetzt. Der Friedhof ist eigentlich seit 1982 geschlossen. Doch für Marga Spiegel wird eine Ausnahme gemacht. Denn auf dem Friedhof ist auch ihr Ehemann Siegmund beerdigt worden.

Auch er fand im Krieg Unterschlupf. Die Bauernfamilie Silkenböhmer in Nordkirchen versteckte ihn vor den NS-Schergen. „Ich kannte Frau Spiegel gut, wir haben bis zuletzt Kontakt gehabt“, sagte Karin Silkenböhmer. Ihr Ehemann war der Enkel jener Silkenböhmers, die den Viehhändler damals versteckten. Marga Spiegel sei bis ins hohe Alter hinein regelmäßig zu Besuch gekommen. „Mindestens einmal pro Jahr haben wir uns gesehen“, sagte Silkenböhmer.

 

Schwere Krankheit

Tief bewegt erzählte Karin Reismann, Bürgermeisterin von Münster , die mit Marga Spiegel „sehr eng verbunden“ gewesen ist von den letzten Tagen der 101-Jährigen. Am Freitag war sie demnach zuletzt bei Bewusstsein und konnte noch einmal Abschied nehmen. Der Tod sei nach von schwerer Krankheit geprägten Wochen aber auch eine Erlösung gewesen.

Auch in den letzten Jahren in Münster habe Marga Spiegel noch täglich viel Besuch gehabt, zunächst in ihrer Wohnung in der Aegidiistraße und zuletzt im Altenheim Friedrichsburg im Stadtviertel Pluggendorf. „Die schönste Zeit in meinem Leben habe ich in Münster verbracht“, so habe Marga Spiegel ihre Verbundenheit mit ihrer letzten Lebensstation zum Ausdruck gebracht, berichtete Karin Reismann am Dienstag.

Trauer in der Jüdischen Gemeinde

Die Überlebende der Judenverfolgung war am Dienstag gegen Mitternacht im Altenheim gestorben. „Nach langer schwerer Krankheit“, teilte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr, mit.

„Eine große jüdische Persönlichkeit hat uns verlassen. Ihre Stimme gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenverachtung ist für immer verstummt“, würdigte die Jüdische Gemeinde in einer Erklärung die Verstorbene. „Wir werden Marga Spiegel als Gemeindemitglied mit großer Popularität über unsere jüdische Gemeinde hinaus schmerzlich vermissen.“

Die Gemeinde wird ab Mittwoch, 10 Uhr, ein Kondolenzbuch in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Münster (Klosterstraße 8-9) auslegen.

Zum Tode Marga Spiegels zeigt der WDR heute Abend um 23.15 Uhr "Unter Bauern - Retter in der Nacht".

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