Fr., 25.09.2015

Bocholter Cold-Water-Challenge-Prozess Zweifel am Sinn einer Strafe

Wegen Überladung kippte der Teleskoplader im Juli 2014 um und erschlug einen 34 Jahre alten Familienvater. Was als Cold-Challenge-Jux begann, endete in einer Tragödie, mit der sich nun das Amtsgericht in Bocholt beschäftigt.

Wegen Überladung kippte der Teleskoplader im Juli 2014 um und erschlug einen 34 Jahre alten Familienvater. Was als Cold-Water-Challenge-Jux begann, endete in einer Tragödie, mit der sich nun das Amtsgericht in Bocholt beschäftigt. Foto: Guido Schulmann

Isselburg/Bocholt. Nach viereinhalb Stunden zog der Richter am Amtsgericht in Bocholt ein erstes Fazit: Man könne über eine Einstellung des Cold-Water-Challenge-Verfahrens nachdenken.

Von Claudia Feld

Im Juli 2014 hatte die Aktion einen tragischen Ausgang genommen. Die Mitglieder eines Isselburger Kegelclubs saßen auf ihren Bierbänken und warteten auf den Wasserschwall, der sich für die „Cold-Water Challenge“ über ihnen ergießen sollte. Doch dann ging alles schief, der Bagger mit 1800 Litern Wasser beladen, stürzte genau in die Gruppe, ein 34 Jahre alter Familienvater aus Isselburg starb. Angeklagt sind nun der 37 Jahre alte Fahrer und der 51-jährige Besitzer des Teleskopladers – wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Der Besitzer soll dem Kegelklub das Fahrzeug überlassen haben „in Kenntnis, dass die Überlastanzeige “ kaputt war. Darauf soll er wiederum nicht hingewiesen haben, hieß es in der Anklage. Der Fahrer hingegen soll das Traglastdiagramm im Teleskoplader nicht beachtet haben. „Beide hätten erkennen können und müssen, dass eine Überladung zum Kippen führen könnte“, sagte der Staatsanwalt weiter.

Der 37-jährige Fahrer schilderte ausführlich und unter Tränen, wie es zu dem Unfall kam – von den Vorbereitungen bis zu dem Moment, als er aus dem umgestürzten Lader befreit worden war. Er habe dieses und baugleiche Fahrzeuge bereits mehrfach gefahren, erzählte der Isselburger.

Während der Aktion auf dem Stoppelfeld habe er Anweisungen von einem Kameramann bekommen wie weit er fahren und den Te­leskoparm ausfahren sollte – schließlich sollte die Aktion in einem Video festgehalten werden. „Auf einmal riefen welche, der kippt‘“, schilderte der 37-Jährige.

Zunächst habe er gedacht, sie redeten über die Schaufel, bis er gemerkt habe, dass sich das Heck des Fahrzeugs hob. „Ich habe mich aus Reflex nach hinten gelehnt.“ Das habe aber zu diesem Zeitpunkt nichts mehr genützt, sagte der Sachverständige, der das Fahrzeug nach dem Unfall untersucht hatte..

Der 51-jährige Besitzer sagte aus, er habe das Fahrzeug regelmäßig verliehen, außerdem habe es vor einigen Jahren einen Schaden an der Software gegeben. Gleichzeitig habe auch die Überlastanzeige Fehler gezeigt – er sei aber davon ausgegangen, dass es ein und nicht zwei Fehler gewesen seien. Nach der Reparatur sei die Überlastanzeige unauffällig gewesen.

Ob die Anzeige tatsächlich funktioniert habe oder nicht, könne er nicht sagen. „Wir kommen selten in den Bereich. Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es nicht funktionierte.“

Vor dem Unglück sei über die richtige Befestigung der Schaufel gesprochen worden und darüber, das Wasser nicht zu schnell auszuschütten, sagte ein 35-jähriges Mitglied des Kegelklubs. „Im Endeffekt müssten wir alle da sitzen, das war ein tragischer Unfall. Wir sind alle gleich schuldig.“

Es spreche einiges für eine Einstellung gegen eine Geldauflage, sagte der Richter. So habe keiner der Betroffenen Strafantrag gestellt. Für den 37-jährigen Fahrer sei es schwierig gewesen, die Traglast nur anhand des Diagramms einzuschätzen. Außerdem sei die ganze Aktion „mit heißer Nadel gestrickt“. Die Verteidiger signalisierten ihre Zustimmung. Der Prozess wird fortgesetzt.

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