Do., 01.10.2015

Rheinland, Ruhrgebiet und der Rest LWL-Chef Matthias Löb kritisiert neuen Metropolen-Ansatz

Bruttoinlandsprodukt der Teilregionen

Blick auf das Bruttoinlandsprodukt der Teilregionen in NRW: Die beiden Metropolen dominieren schon jetzt. Foto: Grafik Lisa Stetzkamp

Münster - 

Im Februar war‘s, als der Leiter der Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense, erstmals seine Idee der nordrhein-westfälischen Metropolen öffentlich machte. Die sollen Regionen künftig nicht ersetzen, aber in der Vermarktung nach außen an deren Stelle treten. So jedenfalls steht es im jungen Landesent wicklungsplan. „Kleinere Einheiten“, so Lersch- Mense, „werden in der globa­len Welt kaum noch wahrgenommen.“

Von Elmar Ries

So weit, so gut. Die ersten Metropolen, die die Landesregierung definiert hat, sind das Rheinland und das Revier. Münster, Bielefeld, Osnabrück und das jeweilige ländliche Drumherum seien zwar Wachstumsräume, die den beiden Me­tropolen in nichts nachstehen müssten, wenn sie mehr kooperierten, sagte Lersch-Mense . Für Me­tropolen reiche es allerdings nicht.

Ein Gedanke, zwei Gesetzte – und kein richtiger Westfale: Klar, da regen sich die Letztgenannten. Einer der Ersten, der seinen Unmut offen kundtut, ist der Chef des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe , Matthias Löb .

Das Ziel sei nicht grundlegend falsch, betont er. Räume definieren, die enger kooperieren und ihre weltweite Wahr nehmung verbessern. „Was aber fehlt, ist der nächste Schritt.“ Meint: „Was passiert denn eigentlich mit dem Rest?“

Löb will nicht nur krit isieren und das alte „Restfalen“- Lied singen. Er will, sagt er, wachrütteln, aufmerksam und das Problem bewusst machen. „Wir haben für den Rest des Bundeslandes keine Ent wicklungsziele.“

Begriffe prägen das Bewusstsein. Wenn von Me­tropolen geredet wird und da das Rheinland sowie das Ruhrgebiet auftauchen und der große Rest kein Etikett hat oder allenfalls nur das eines „agrarischen Hinterhofes“, dann droht dieser Teil „unter den Tisch zu fallen“. Die Folgen seien womöglich fatal, sagt der Landesdirektor, der sich dazu berufen fühlt, weil sein Verband auch „Klammer und Sprachrohr Westfalens“ sei.

Weil „die Förderkulissen von E U, Bund und dem Land“ selber auf die beiden Zentren ausgerichtet seien – und diese darüber hinaus beim Infrastrukturausbau oder beispielsweise der Ansiedlung von Forschungs- oder eben Bildungseinrichtungen bevorzugt werden könnten.

Löbs Ansa ge, man könnte auch Forderung sagen: Die nicht metropolen Teilregionen, also das Münsterland, Ost- und Südwestfalen sowie das westfälische Ruhrgebiet sollen ihre Gemeinsamkeiten herausar­beiten und vor allem die eigenen Stärken definieren. Zwei fallen dem LWL-Chef spontan ein: „starke mittelständische, inhabergeführte Unternehmen und ein hohes Maß an Lebensqualität“.

Sie sollten, sagt der LWL-Chef, genutzt werden, um folgende Botschaft nicht nur Richtung Düsseldorf zu senden: Das sind wichtige Räume für die wirtschaftliche Zukunft Nordrh ein-Westfalens, sie klare Entwicklungsziele brauchen.

Beim Löb‘schen Appell wird es nicht bleiben. Da kommt noch mehr.

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