Flüchtlinge im Münsterland
So viel kostet ein Flüchtling

Münster/Hamm -

Wie viel Geld kostet ein Flüchtling die öffentliche Hand pro Jahr? Am Beispiel der Stadt Hamm hat Professor Martin Schreiber von der Fachhochschule Münster nachgerechnet. Danach fallen dort jährliche Kosten in Höhe von 13 980 Euro an. „Wir hatten mit mehr gerechnet“, sagte Kämmerer Markus Kreuz.

Freitag, 08.04.2016, 05:04 Uhr

Am Ende der Berechnung stand eine Zahl: 13 980 Euro kostet die Stadt Hamm ein Flüchtling im Jahr. Das haben Prof. Martin Schreiber und Kämmerer Markus Kreuz ausgerechnet.
Am Ende der Berechnung stand eine Zahl: 13 980 Euro kostet die Stadt Hamm ein Flüchtling im Jahr. Das haben Prof. Martin Schreiber und Kämmerer Markus Kreuz ausgerechnet. Foto: Wilfried Gerharz

Wie viel zahlt ei­gentlich die öffent­ liche Hand pro Asylbewerber und Jahr? Die Frage ist so ­naheliegend, da wundert es schon, dass bisher noch niemand spitz nachgerechnet hat. Die Stadt Hamm und die Fachhochschule Münster ha­ben sich jetzt die Mühe gemacht. Dabei herausgekommen sind 13 980 Euro. „Ehrlich gesagt: Wir hatten mit mehr gerechnet“, sagt Kämmerer Markus Kreuz.  

Das Projekt mit der Fachhochschule sei „durchaus ego­­istisch motiviert“ gewesen, sagt Kreuz. Der Kämmerer suchte 2015 Planungs­si­cher­heit für den kommenden Haushalt. Aus gutem Grund: Hamm ist Stärkungspakt-Gemeinde. Das bedeutet, die Stadt bekommt zwar Hilfe, ihr Kämmerer muss aber 2016 eine schwarze Null erreichen – „egal wie“. Zu wissen, wie viel die 4000 in Hamm lebenden Flücht­linge die öffentliche Hand kosten, gewann vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung.

Also setzte sich Kreuz im vergangenen Jahr mit Prof. Martin Schreiber vom Fachbereich Wirtschaft und einer Hand voll Studierender zusammen und rechnete. Wobei zuerst einmal wichtig war, die Parameter festzule gen“, sagt Schreiber. Heißt: Alle Aufwendungen zu analysieren, die mit Flüchtlingen in Verbindung stehen. Das klingt einfach. Ist es aber nicht. „In mancher kommunalen Leistung sind Flüchtlinge als Kostenträger nämlich gar nicht vorgesehen.“

Das Team analysierte also, definierte, diskutier­te, wägte ab zwischen tolerabler Ungenauigkeit und leistbarem Aufwand. Am Ende heraus kamen drei Positionen:

►  Grundversorgung (Un­ter­bringung, medizinische Versorgung, und solche mit Lebensmitteln) – Kosten pro Person und Jahr: 11 680 Eu­ro ;

► Kosten für Schule, Kita und Jugendhilfe – 1300 Euro;

►  Integrationskosten – 1000 Eu­ro.

Das Schöne an dieser Mo dellrechnung: Abgesehen von den Unterbringungskosten ist sie problemlos auf andere Kommunen übertragbar.

Hamm hatte bei der Suche nach Wohnraum das Glück, für kleines Geld große Kontingente auf dem freien Markt anmieten zu können. So sind in der Revierstadt 57 Prozent aller Asyl­suchenden in Wohnungen untergebracht, für die die Stadt im Schnitt 5,50 Eu­ro je Quadratmeter zahlt. „Der Preis ist in anderen Gemeinden schnell mal drei- bis viermal so hoch“, sagt der Kämmerer.

Beim Wohnraum deutlich über dem Hammer Kurs ­lägen im Übrigen auch all jene Kommunen, die auf Sammelunterkünfte setzten: Die seien nämlich viel teurer als die Un­terbringung in Wohnungen.

Jetzt, da die Zahlen vor­liegen, gibt es für Schneider und Kreuz zwei Erkenntnisse, aus der sie wiederum zwei Forderungen ableiten. Die Erkenntnisse: Die Kosten für Flüchtlinge in Hamm sind geringer als erwartet und: In anderen Städten werden sie deutlich höher sein, da die Kosten für Wohnraum ex­trem schwanken. Die Forderungen: Der Staat möge das Pauschalsystem, wonach Kommunen vom Bund 670 Euro pro Flüchtling und Monat sowie rund 360 vom Land bekommen, zugunsten einer Berechnung je Stadt aufgeben. Und dabei berücksichtigen, ob die Kommune alle Potenziale auf dem frei­en Wohnungsmarkt genutzt hat oder vor allem auf die deutlich teureren Sammelunterkünfte setzt.

Dass erstmals ein explizites Rechenmodell vorliegen, hat schnell die Runde gemacht. Die beim Bundesrat angesiedelte zentrale Da­tenstelle der Länderfinanzminister hat sich ebenso gemeldet wie das Institut für Urbanistik. „Im Moment machen wir damit eine Art Roadshow“, sagt Kreuz – und man sieht ihm direkt an, wie zufrieden er ist.

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