Di., 05.07.2016

Großprojekt mehrerer Netzbetreiber Die Gas-Autobahn: 215 Kilometer lange Rohr-Route führt durchs Münsterland

Das Projekt „Zeelink“ wird 600 Millionen Euro kosten. Es soll die Versorgung großer Teile des Landes mit energiereicherem H-Gas sicherstellen.

Das Projekt „Zeelink“ wird 600 Millionen Euro kosten. Es soll die Versorgung großer Teile des Landes mit energiereicherem H-Gas sicherstellen. Foto: Open Grid Europe

Legden - 

Schneverdingen in der Lüneburger Heide hat es schon hinter sich. In allen Haushalten wurden dort zum ersten Mal seit Jahren in einer Stadt sämtliche Brenner und Boiler auf ein neues Gas umstellt. Probleme gab es dabei nicht, sagt der Chef der Stadtwerke, Jörn Peter Maurer. In zehn, 15 Jahren werden die Gasfelder, die die Boiler und Brenner im Münsterland speisen, zum größten Teil versiegt sein. Dann werden von den 90 Milliarden Kubikmetern Gas, die jedes Jahr in Deutschland verbraucht werden, 30 Milliarden fehlen.

Von Stefan Werding

Darum soll ab 2025 ein anderes Gas nach Deutschland fließen. Zurzeit strömt durch das Netz unter anderem im Münsterland „L-Gas“ (low calorific gas), demnächst wird es deutlich energiegeladeneres H-Gas (high calorific gas) sein. Die gleiche Energie, die bislang in 1,33 Kubikmetern Gas enthalten ist, stecken dann in einem.

Schon seit Jahren sind die Gasnetzbetreiber – das sind im Münsterland Open Grid Europe (OGE), die frühere Eon Gastransport GmbH, und die Thyssengas AG mit 25 Prozent – damit beschäftigt, die notwendigen Bauarbeiten genehmigt zu bekommen. Sie haben Trassen vorgeschlagen, auf denen die Rohre verlegt werden könnten und die zurzeit von den Behörden „rauf- und runterdiskutiert“ werden, wie es Gerhard Hülsemann von der Thyssengas AG formuliert. Bis zum vergangenen Freitag gab es die Chance, Bedenken zum Ausdruck bringen. Über das Ausmaß des zu erwartenden Widerstands kann die Sprecherin der Bezirks­regierung jetzt noch keine Angaben machen. „Wir sichten“, sagt Sigrun Rittrich.

Fotostrecke: Neue Gasleitung im Münsterland

Bis 2018 soll geklärt sein, wo genau die 215 Kilometer lange Rohr-Route verläuft, bevor der Bau beginnt. Im März 2021 soll die Leitung in Betrieb sein. 600 Millionen Euro soll all das kosten. Das Geld holen sich die Gasnetzbetreiber später von ihren Kunden wieder, für die sie Gas – ähnlich wie ein Spediteur – transportieren.

Das größte Projekt dabei ist „Zeelink“, ein Kunstwort, das aus „Zeebrügge“ und dem englischen Wort für Verbindung („link“) besteht. „Zeelink“ basiert auf einer 1,20 Meter dicken Rohrverbindung, die spätestens ab März 2021 H-Gas aus allen Teilen der Welt von der Nordsee über Aachen nach Legden transportiert. Was die A 1 für Autofahrer ist, wird „Zeelink“ für die Gasversorger sein. Legden ist Zielpunkt, weil dorthin schon H-Gas strömt, um Richtung Werne weitergeschleust zu werden.

„Der Druck in dem Rohr ist so stark, dass der jede Zigarette ausbläst“, sagt Helmut Roloff von OGE. Damit trotzdem nichts passiert, sind die Rohre mit einer besonderen Schicht ummantelt und stehen unter Schwachstrom. So lässt sich feststellen, wenn die Ummantelung beschädigt wird. „Da muss viel zusammenkommen, bis etwas passiert“, sagt Roloff.

Der Widerstand gegen das Projekt ist überschaubar. Anders als etwa bei einer Autobahn ist der Einfluss auf die Natur gering. Nachher ist alles so wie vorher“, sagt Roloff. Da, wo die Rohre liegen, dürfen keine Bäume wachsen und keine Häuser stehen. Ansonsten ändert sich wenig. Höchstens gelbe Paoh­le werden den Verlauf der Leitung anzeigen.

Ludger Schulze Beiering, Kreislandwirt im Kreis Borken, hofft, „dass man nach fünf oder zehn Jahren nichts mehr von den Arbeiten sieht.“ Dafür müssen die Arbeiter darauf achten, die ausgebaggerten Erdschichten in der gleichen Reihenfolge wieder zurückzulegen wie sie sie ans Tageslicht befördert haben. Denkbar ist sogar ein Baustopp, wenn der Boden zu nass für die Arbeiten ist. Auch über Entschädigungen hätten sich beide Seiten geeinigt.

Trotzdem werden die Bauarbeiten in einem flotten Tempo vorangehen. 400 Meter am Tag hält Roloff auf flachen Strecken jedenfalls für vorstellbar. „Dann sind wir aber schon sehr gut.“

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