Fr., 12.08.2016

Doppel-Interview mit Musical-Paar Alexander Klaws und Nadja Scheiwiller: „Wir haben ja uns“

Traumpaar der deutschen Musical-Szene: Alexander Klaws und seine Freundin Nadja Scheiwiller.

Traumpaar der deutschen Musical-Szene: Alexander Klaws und seine Freundin Nadja Scheiwiller. Foto: Gunnar A. Pier

Bei „Tarzan“ in Hamburg lernten sie sich kennen – derzeit stehen Nadja Scheiwiller und Alexander Klaws auf der Freilichtbühne in Tecklenburg gemeinsam auf der Bühne: Sie spielen die Hauptrollen in „Saturday Night Fever“. Privates und Berufliches vermischen – klappt das immer gut? Wir hatten da mal ein paar Fragen . . .

Von Gunnar A. Pier

Ihr steht jetzt zusammen auf der Bühne. Zum ersten Mal?

Nadja : Nein, das erste Mal standen wir zusammen bei „Tarzan“ in Hamburg auf der Bühne. Da haben wir uns auch kennen gelernt. Ich habe ihm damals das Fliegen beigebracht.

Alexander : Ja, klingt kitschig, ist aber so! (lacht) Nadja war meine Fluglehrerin.

Was ist das Besondere daran, zusammen zu spielen?

Nadja: Man muss es wertschätzen. In diesem Business ist man sehr viel unterwegs. Wenn wir beide gleichzeitig am selben Ort eine tolle Rolle ergattern und wie jetzt den Sommer zusammen verbringen können, ist das mega-schön. Wir können auch im Anschluss die Show zusammen besprechen . . .

Alexander: „Besprechen“ – das ist ein sehr schönes Wort . . . (beide lachen)

Fotostrecke: "Saturday Night Fever" mit Alexander Klaws auf der Freilichtbühne Tecklenburg

Äh, ich müsste mal eben mit Alexander alleine sprechen.

Nadja: Hallo!? (lacht) Ach, ich bin da ganz entspannt! Du bist doch eher immer . . .

Alexander: Moment mal! (lacht) Bei dieser Show muss ich allerdings sagen: Der Tony Manero ist ein absoluter Macho. Da brauche ich immer ein Weilchen, bis ich runtergekommen bin, damit ich die Rolle nicht mit nach Hause nehme.

Alexander Klaws

Der Sendenhorster gewann 2003 die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ und startete eine kurze, aber beispiellose Karriere als Teenie-Popstar mit Millionenerfolgen wie "Take me tonight". Inzwischen ist er ein etablierter Star der deutschen Musical-Szene und spielte unter anderem die Hauptrolle bei Tarzan“ in Hamburg.

Ist gemeinsames Proben tabu, oder singt Ihr manchmal ein Duett im Wohnzimmer?

Alexander: Die Leute glauben wahrscheinlich, dass wir ständig zusammen singen. So ist das aber gar nicht. Trotzdem sind wir natürlich jetzt nach dem Urlaub schonmal den Text zusammen durchgegangen.

Alexander Klaws und Nadja Scheiwiller in "Saturday Night Fever".

Alexander Klaws und Nadja Scheiwiller in "Saturday Night Fever". Foto: Detlef Dowidat

Nadja: Und wir haben zusammen getanzt. Ich hatte mit Standard-Tänzen bisher wenig zu tun, ich komme eher aus der Jazz-Tanz-Ecke. Da ist man mehr auf sich, seinen eigenen Körper und den Ausdruck fokussiert.

Alexander: Standard-Tanz ist ja die Kunst, zwei Körper wie einen erscheinen zu lassen. Und da musste Nadja lernen, sich führen zu lassen (lacht).

Durch eure wechselnden Engagements seid Ihr ständig an anderen Orten. Fehlt euch da manchmal so etwas wie Stetigkeit?

Alexander: Mir eigentlich nicht. Ich bin gerne immer mal woanders. Trotzdem merke ich gerade, dass mein Akku momentan nur noch halbvoll ist. Dann suche ich mir schon so etwas wie Stetigkeit. Ich möchte mich gerne mal für drei Monate in ein Hotel einquartieren mit allen, die ich gerne um mich habe, und beispielsweise an einem neuen Album arbeiten.

Fotostrecke: Alexander Klaws: Eine Karriere in Bildern

Drei Monate – das ist nicht, was ich meinte . . .

Nadja: Das ist keine Stetigkeit!

Alexander: Okay, dann definiere ich das anders als ihr.

Nadja: Auf jeden Fall! Er braucht das eben nicht so. Mir hingegen fehlt es schon ein bisschen. Im Moment haben wir ja so gesehen keine richtige Basis, sondern wohnen dort, wo wir gerade spielen. Ich führe dieses Aus-dem-Koffer-Leben schon seit vielen Jahren – jetzt wünsche ich mir schon so etwas wie ein Zuhause. Aber wir haben uns entschlossen, im nächsten Jahr nach Hamburg zu ziehen.

Alexander: Ja, das habe ich Dir noch gar nicht erzählt: Ich bin bald kein Münsteraner mehr. Leider! Das fällt mir wirklich schwer.

Nadja Scheiwiller

Die 31-jährige Nadja Scheiwiller stammt aus der Schweiz und spielte bei „Tarzan“ in Hamburg unter anderem die Jane. Regelmäßig steht sie als Alex Owens im Musical „Flashdance“ in Chemnitz und Darmstadt auf der Bühne.

Was ist Heimat für euch?

Alexander: Heimat ist für mich etwas anderes als mein Zuhause. Heimat wird für immer das Münsterland bleiben. Aber zu Hause bin ich halt immer mal woanders.

Nadja: Für mich ist Heimat die Schweiz, wo ich herkomme und wo auch meine Familie lebt. Die vermisse ich schon oft.

Traumpaar: Nadja Scheiwiller und Alexander Klaws.

Traumpaar: Nadja Scheiwiller und Alexander Klaws. Foto: Gunnar A. Pier

Überwiegt Fernweh oder Heimweh?

Alexander: Man will doch immer das, was man gerade nicht hat. Wenn ich zu lange irgendwo bin, möchte ich wieder los, andere Länder und Kulturen sehen. Daraus ziehe ich ja auch meine Inspiration.

Gibt es denn etwas, was ihr immer dabei habt und was euch Heimatgefühl vermittelt?

Alexander: Ich sag’s mal etwas kitschig: Wir haben ja uns!

Ihr spielt jetzt in Tecklenburg „Saturday Night Fever“ – also ein Stück, das so alt ist, dass sich eure Eltern vielleicht noch gar nicht kannten, als das rauskam. Wann ist euch das Thema zum ersten Mal begegnet?

Nadja: Ehrlich gesagt: jetzt! Ach nee, meine Mama hat das Musical mal in London gesehen und mir ganz begeistert davon erzählt.

Alexander: Kleine Anekdote: Als ich nach Tecklenburg gekommen bin, hat mir mein Papa beim Umzug geholfen. Wir haben im Auto „Tragedy“ gehört und er hat mir erzählt: „Hör mal, damals, als ich beim Bund war, habe ich mit meinen Jungs zu dem Stück immer abgedanct.“ Ich selber kenne natürlich die Bee-Gees-Musik, aber mit dem Stück hatte ich auch erst jetzt zu tun, als ich das Textbuch bekommen habe.

Hat es dir direkt gefallen?

Alexander: Ich war sehr überrascht, weil ich davon ausgegangen war, dass es so ein typisches Party-Stück ist, bei dem sich am Ende alle wieder lieb haben. Aber das Stück ist sehr dramatisch, es geht unter anderem um Vergewaltigung, um Selbstmord, um Abtreibung - Dinge und Themen, die ich nie mit „Saturday Night Fever“ in Verbindung gebracht hätte. Es spielt auch nicht in den 70ern, sondern in der Gegenwart.

Das Paar auf der Bühne: Nadja Scheiwiller und Alexander Klaws in "Saturday Night Fever".

Das Paar auf der Bühne: Nadja Scheiwiller und Alexander Klaws in "Saturday Night Fever". Foto: Detlef Dowidat

Wie habt ihr euch dem Stück genähert?

Nadja: Ich habe das Buch gelesen, dann noch mal und noch mal. Ich wollte meine Rolle kennenlernen. Dann habe ich die 70er Jahre gegoogelt – und „Saturday Night Fever“ in London.

Alexander: Ich habe im Vorfeld den Regisseur auf Mallorca besucht und wir haben lange darüber gesprochen. Ziel war es, dass das Stück ein bisschen auf „meinen“ Tony Manero zugeschnitten wird. Ich versuche immer, eine Rolle nicht zu kopieren, sondern sie zu meiner eigenen zu machen.

Nadja: Und wir haben uns zusammen den Film angeschaut!

Alexander: Ja, genau. John Travolta tanzt natürlich wie ein junger Gott. Wir haben versucht, diese Stimmung aufzusaugen.

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Premiere: Ende Juli feierte "Saturday Night Fever" Premiere in Tecklenburg. Ein Rezension.

Zwischenfall: Während der Show am 5. August 2016 brach Alexander Klaws krank zusammen.

"Tarzan": Ab Herbst spielt Klaws wieder "Tarzan" - diesmal in Oberhausen.

Alexander, du ziehst weiter nach Oberhausen, um zum zweiten Mal den „Tarzan“ zu spielen. Hast du mal darüber nachgedacht, dass es vielleicht nie wieder so gut werden könnte wie in Hamburg?

Alexander: Einmal? Darüber habe ich sehr lange nachgedacht! „Tarzan“ ist in Hamburg sehr erfolgreich gelaufen, dann in Stuttgart auch. Der Druck in Oberhausen ist also groß. Ich will da einen neuen, einen anderen Tarzan präsentieren. Das ist ein hoher Anspruch, den ich mir aber auch selber vorgenommen habe.

Die Erwartungen sind natürlich auch deshalb groß, weil dir der Ruf als toller Tarzan vorauseilt.

Alexander: In Hamburg konnte ich die Leute nur positiv überraschen. Jetzt erwarten sie viel, aber das ist für mir ja eher ein Anreiz. Das ist wieder eine neue Herausforderung, der ich mich gerne stelle.

Was ist denn in Oberhausen anders als im Hamburg?

Alexander: Viel. Das Theater ist anders gebaut. Die Bühne hat mehrere Ebenen, so können wir noch besser spielen, dass wir im Dschungel sind, und uns hoch in die Bäume schwingen. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Im Moment wäre ich körperlich dafür noch nicht in der Lage. Ich muss mich darauf vorbereiten.

So will er bald wieder aussehen: Alexander Klaws als "Tarzan".

So will er bald wieder aussehen: Alexander Klaws als "Tarzan". Foto: Stage Entertainment

Nadja: Dann fang mal an! (lacht)

Alexander: Ja, das Tanzen hier in Tecklenburg ist ja schon ein gutes Kardio-Training. Jetzt fehlen noch die Muskeln. Ende August beginne ich in Oberhausen mit einer Fitness-Woche. Ich will nicht jammern, aber das wird hammerhart. Zeitgleich spielen wir noch hier in Tecklenburg. Wenn also der Tony Manero mal etwas leidender über die Bühne geht, wisst ihr jetzt, warum (lacht).

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