Di., 20.12.2016

Häufige Zugausfälle und regelmäßige Verspätungen Die Eurobahn ist angezählt

Die Eurobahn bedient im Münsterland die Strecken Hamm-Münster, Bielefeld-Warendorf und Münster-Dortmund.

Die Eurobahn bedient im Münsterland die Strecken Hamm-Münster, Bielefeld-Warendorf und Münster-Dortmund. Foto: Klaus Meyer

Münster/Unna - 

Seit Jahren immer wieder Zugausfälle und häufige Verspätungen: Die Eu­robahn hat ihr Blatt offenbar überreizt. Die auftraggebenden Zweckverbände in Westfalen-Lippe haben davon die Nase voll und schlagen darum eine härtere Gangart ein.

Von Elmar Ries

„Ja, es stimmt, wir prüfen gerade, welche Möglich­kei­ten der Vertrag bietet, die Probleme, die sich nicht im alltäglichen Miteinander lösen lassen, grundsätzlich zu klären“, erklärte der Sprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Uli Beele . ­Die komplizierte Formulierung verrät das Bemühen, nicht vorschnell Porzellan zu zerschlagen. Die Botschaft zwischen den Zeilen ist jedoch unmissverständlich.

Krass deutlich wurde hingegen der Geschäftsführer des Verkehrs­ver­bundes OWL, ­ei­ner von fünf NWL-Gesellschaftern. „Die Eurobahn bringt schlechte Leistungen – und das nicht zum ersten Mal“, sagte Ludger Siemer unlängst. Die Kunden seien wegen der vielen Ausfälle aufgebracht. Darum wolle sein Verband ­nun prüfen, „ob die vertraglichen Verstöße so gravierend sind, dass eine Kündigung gerechtfertigt ist“.

Alles nur markige Sprüche?

Das sind Sätze, die sitzen. Aber lassen sie sich auch in die Wirklichkeit umsetzen – oder soll all das nur möglichst markig klingen?

Fakt ist: Die Eurobahn als Auftragnehmer kurzerhand rauszuwerfen, ist laut NWL rechtlich im Rahmen des Möglichen. Nur können das die Ostwestfalen nicht im Alleingang durchsetzen. Das ist Sache des westfälisch-lippische Zweckverbandes, denn der ist Auftraggeber und Vertragspartner.

Zum Thema: Eurobahn

Die Eurobahn ist ein Tochterunternehmen des französischen Keolis-Konzerns, der wiederum zur Staatsbahn SNCF gehört. Seit 1999 ist Keolis unter dem Namen Eurobahn in Deutschland aktiv und betreibt drei Netze in Nordrhein-Westfalen und Nordhessen. Nach eigenen Angaben hat sich das Unternehmen in dieser Zeit zum größten privaten Anbieter im öffent­lichen Schienenpersonennahverkehr in NRW entwickelt. Zum Unternehmen gehören mehr als 300 Zugführer und Zugbegleiter. Das Unternehmen befördert täglich 70.000 Reisende. Die Leitung des operativen Geschäfts erfolgt an den Standorten in Bielefeld, Hamm und Düsseldorf. Wiederholt ist die Eurobahn in die Kritik ge­raten. Immer wieder fällt sie durch Verspätungen und Zugausfälle auf. Das Unternehmen hat bereits mehrfach Personalprobleme eingeräumt. (er)

Ersatz wäre schwer zu finden

Aber brächte ein solcher Schritt den Zweckverbänden kurzfristig Vorteile? Letztlich träfe er vor allem die Kunden an der Bahnsteigkante. Fest steht zudem: Auf die Schnelle Ersatz beschaffen, ist unmöglich. Auch aus vergaberechtlichen Gründen, so ist zu hören. Es könne nicht mir nichts, dir nichts ein Anbieter einspringen, der beim Wettstreit um die Konzes­si­on un­terlegen war. Hinzu kommt, dass kein Bahnunternehmen Züge und Personal für solche Fälle vorhält.

Eurobahn trifft Eurobahn - in Capelle.

Eurobahn trifft Eurobahn - in Capelle. Foto: Theo Heitbaum

Der Rauswurf wäre natürlich die Ultima Ratio. Unterhalb der Ex-und-hopp-Lösung hat der NWL jedoch noch andere Sanktionsmöglichkeiten, die die Eurobahn empfindlich träfen, aber keine unmittelbaren Aus­wirkungen für die Bahnreisenden hätten. „So könnte am Ende die Verkürzung der Vertragslaufzeit stehen“, listet Beele auf. Oder aber ein ­Aus­schluss der Eu­ro­bahn von künftigen Kon­zessions­ver­gabe-Ver­fah­ren. Zu hören ist weiterhin, dass dem NWL in dieser Frage die Verbandsversammlung im Nacken sitzt. Die dort aktiven Politiker fordern eine deutlich härtere Gangart.

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Kritik: Weil es der Eu­­robahn wieder an Zugführern mangelt, knirscht es im Netz des privaten Anbieters. Aber ein Weiter-so wie bisher soll es nun nicht mehr geben.

Kommunikation: „Wir wissen, dass es manchmal nicht so klappt mit der Kommunikation“, gestand die Eurobahn im Oktober nach heftiger Kritik.

Keine Besserung in Sicht: Auch in den nächsten Jahren werden Fahrgäste mit Verspätungen leben müssen, sagt der Chef der Eurobahn. Schuld daran sei aber nicht immer sein Unternehmen.

Eurobahn räumt Probleme ein

In der vergangenen Woche hatte die Eurobahn, die im Münsterland die Strecken Hamm-Münster, Bielefeld-Warendorf und Münster-Dortmund bedient, zum wiederholten Male Probleme eingeräumt. Vor allem Zugführer fehlen dem zum französischen Ke­olis-Konzern gehörenden Un­ternehmen. Mit dem Beginn des neuen Jahres würden neue Zugführer fahren, sagte Eu­robahn-­Spre­cherin Danica Dorawa auf Nachfrage. Das Personal sei bereits ein­ge­stellt. Ob damit alle Pro­bleme beseitigt sind?

Offensichtlich ist: Die Zweckverbände ziehen andere Saiten auf. Für die Eurobahn könnte es ungemütlich werden.

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