Mo., 27.02.2017

Bund prüft die Zukunft von Urenco Wird die Urananreicherungslage in Gronau geschlossen?

In Gronau wird Uran so weiterverarbeitet, dass es in Atomkraftwerken als Brennstoff benutzt werden kann.

In Gronau wird Uran so weiterverarbeitet, dass es in Atomkraftwerken als Brennstoff benutzt werden kann. Foto: Wilfried Gerharz

Gronau - 

Die Tage der Urananreicherungsanlage in Gronau könnten gezählt sein. Das Bundesumweltministerium will im März eine Anwaltskanzlei mit einem Rechtsgutachten beauftragen.

Von Stefan Werding

Sie soll die Voraussetzungen prüfen, die für eine Schließung der Anlage nötig sind. Das hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Samstag gemeldet. Das NRW-Umweltministerium habe ihr von einer entsprechenden Zusage des Bundes berichtet.

Initiative zur Abschltung älterer AKW's

Die Anlage in Gronau , die von der Urenco betrieben wird, verfügt zwar seit 2005 über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Trotzdem möchte das Umweltministerium in Düsseldorf das Werk gerne schließen. Im Koalitionsvertrag von Rot-Grün „steht eindeutig, den Atomkreislauf zu beenden. Damit sind auch die Wiederaufbereitungsanlagen gemeint“, sagte ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums am Sonntag auf Anfrage unserer Zeitung.

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In der Debatte um die Störfälle in den belgischen „Bröckel-Reaktoren in Tihange oder Doel“ (Original-Ton NRW-Umweltminister Johannes Remmel von den Grünen) hatte NRW den Bund zu einer Initiative aufgefordert, durch die ältere Atomkraftwerke abgeschaltet würden.

Die Anlage der Urenco in Gronau versorgt nach unbestätigten Angaben die beiden belgischen Kernkraftwerke mit Brennstoff. Deshalb solle auch sie stillgelegt werden. „Es ist nicht vermittelbar, dass Gronau trotz Ausstiegsbeschluss in Deutschland weiterhin Brennstoffe auch für sicherheitstechnisch problematische ausländische Atomkraftwerke herstellt“, erklärte Remmel im vergangenen Juni.

Die Besitzer streiten über Verkauf

Joachim Ohnemus ist von der Ankündigung überrascht. Der Urenco-Geschäftsführer in Gronau erinnert an eine ähnliche Initiative des Landes NRW, das bereits vor zwei Jahren „alle theoretischen Möglichkeiten“ eines solchen Schrittes geprüft habe. Ihr Ergebnis sei gewesen: „Da kann man nichts machen.“ Darum geht Ohnemus davon aus, dass auch der Bund zu keinem anderen Ergebnis kommen werde.

Die Urenco gehört zu einem Drittel Großbritannien und zu einem weiteren Drittel den Niederlanden. Das letzte Drittel teilen sich die beiden Energieversorger Eon und RWE . Seit Jahren streiten die drei Seiten über einen Verkauf. Das Problem: Die Anreicherungstechnik könnte auch zum Bau von Atombomben genutzt werden.

Weitere Schließungen möglich?

Darum sind an den Verkauf des Unternehmens hohe Auflagen geknüpft. Bei einem Börsengang könnten Insidern zufolge bis zu zehn Milliarden Euro erlöst werden. Allerdings: Je höher die Auflagen, desto weniger attraktiv ist das Unternehmen. Der Preis sinkt. Darum haben RWE und Eon im vergangenen Jahr dagegen gestimmt.

RWE bezeichnet dem FAZ-Bericht zufolge einen Verkauf inzwischen als „praktisch unmöglich“. Das Unternehmen wolle nicht mehr von sich aus aktiv werden – wäre aber immer dankbar, wenn die Regierungen einen neuen Anlauf für den Verkauf Urencos unternähmen.

Der münsterische Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Die Linke) begrüßt die Ankündigung des Bundes, fordert aber auch, die Brennelementefabrik in Lingen zu schließen. Statt eines Verkaufs der Anlagen verlangte er eine Stilllegung, weil „mit einem Verkauf die Risiken der Weiterverbreitung von Atomwaffen-Technik erhöht werden würden“.

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