Sa., 04.03.2017

Armenierin heiratet Appelhülsener Liebe überwindet Grenzen

In Appelhülsen angekommen: Nelli Mrktchyan-Klein und Norbert Klein. Die Fototapete in ihrer Küche zeigt eine Bahnhofshalle. Ein schönes Symbol für Abschiednehmen und Ankunft.

In Appelhülsen angekommen: Nelli Mrktchyan-Klein und Norbert Klein. Die Fototapete in ihrer Küche zeigt eine Bahnhofshalle. Ein schönes Symbol für Abschiednehmen und Ankunft. Foto: Ulla Wolanewitz

Appelhülsen - 

Die Geschichte von Dr. Nelli Mrktchyan und Norbert Klein ist traumhaft. Auch 3000 Kilometer Entfernung haben ihre Liebe nicht ausbremsen können.

Von Ulla Wolanewitz

Theoretisch hätten sie sich für einen ersten Kontakt leibhaftig über den Weg laufen können. Sind sie aber nicht. Der Zufall oder auch das Schicksal wollten es anders. Der Handwerker Norbert Klein aus Appelhülsen arbeitete im November 2013 mit seinem Malerbetrieb an der Uni in Köln. Kurze Zeit zuvor hatte die Sprachwissenschaftlerin Dr. Nelli Mkrtchyan dort ein zweimonatiges Forschungsprojekt abgeschlossen. Tatsächlich befand sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in ihrer Heimat Armenien. Dennoch sind beide heute ein Paar.

Prickelnde, sympathische Flirterei

„Wo lernt man sich heute kennen?“, stellt Norbert Klein schmunzelnd die rhetorische Frage, die er gleich selbst beantwortet: „Im Internet!“ Nein, er ist des Armenischen nicht mächtig. Dafür aber spricht sie mehrere Fremdsprachen, unter anderem fließend Deutsch. Eine prickelnde, sympathische Flirterei entwickelte sich und „dabei habe ich schnell gemerkt, dass er ein guter Mensch ist. Das verriet mir die Art, wie er geschrieben hat“, sagt die Wissenschaftlerin.

Als der bodenständige Handwerker als eine seiner Wunsch-Koordinaten „100-prozentige Verlässlichkeit“ formulierte, musste sie Farbe bekennen. In ihrem Profil hatte sie noch Köln als Wohnort angegeben, tatsächlich aber lebte sie schon wieder in Armenien. Das wiederum schreckte Norbert Klein nicht ab.

Denn: Die Flugzeuge im Bauch ließen sich nicht mehr ignorieren. Sie forderten ihn heraus, im Februar 2014 in einen Airbus Richtung Eriwan (Jerewan) zu steigen, um den Binnenstaat im Kaukasus und vor allem die interessante Adressatin kennenzulernen. Vier Tage verbrachte er mit ein paar Freunden in der Hauptstadt und ihrer Umgebung.

Nelli Mkrtchyan zeigte den Reisenden aus dem Münsterland die Schönheiten ihres Landes, stellte sie ihren Eltern vor, und „wieder war mir klar: Wer 3000 Kilometer für eine Begegnung auf sich nimmt, muss ein ehrlicher Mensch sein“.

Forschungsaufenthalte in Deutschland

Im Sommer 2014 bescherte ihr der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) drei Monate für einen weiteren Forschungsaufenthalt in Deutschland. Ihr Auftrag: Die Überarbeitung eines armenisch-lateinischen Wörterbuches von 1621. Neben der Fleißarbeit verbrachten die Zwei eine schöne Zeit, einen schönen Sommer, lernten sich besser kennen, lebten ein bisschen Alltag miteinander.

Die kurze Zeit war auch lang genug, um zu erkennen, dass sie ihre Zukunft gemeinsam gestalten wollen. „Seine Familie, sein Freundeskreis, all das zeigte mir, dass er hier gut verankert und beliebt ist“, schwärmt sie.

Bis dahin war Norbert Klein sich sicher, nie wieder heiraten zu wollen. Eigentlich. Aber nach der wunderbaren gemeinsamen Zeit sprang der Handwerker über seinen Schatten. Er fasste sich ein Herz, machte Nägel mit Köpfen und ihr einen Heiratsantrag. Auch die guten Freunde bekräftigten seinen Entschluss und ließen verlauten: „Wenn du den Engel jetzt ziehen lässt, ist dir nicht mehr zu helfen.“

Verlust der Karriere für die Liebe?

Sie musste nicht lange überlegen. Sie sagte ja, sich sehr wohl bewusst, dass damit auch der Verlust ihrer Karriere und der Verlust der beruflichen Position – sie arbeitete als Dozentin an der Jerewaner Staatlichen Universität – einherging: „Ich habe immer auf den Richtigen gewartet. Er ist es!“

Tatsächlich konnten die bürokratischen Hürden für die Eheschließung innerhalb der drei Monate bewältigt werden. Ihre Verwandten daheim informierte sie per WhatsApp. Ihre Mutter bestärkte sie: „Wenn Du das wirklich willst, ist es eine gute Entscheidung!“ Dennoch musste Nelli, jetzt mit Familiennamen Klein-Mkrtchyan, 2014 noch einmal für einige Monate als Dozentin zurück nach Armenien, bevor sie dort endgültig ihre Zelte abbrechen konnte. „Einige Kollegen und Freunde haben mich für verrückt erklärt. Dafür, dass ich dort alles aufgebe, für einen Deutschen. Aber ich war immer schon etwas verrückt“, gesteht sie freimütig und zufrieden. „Ich bereue nichts!“

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