Sa., 04.03.2017

Elternpflegschaften der Gymnasien „Das Turbo-Abi ist gescheitert“

Besser G 9 als G 8 -- das ist die zentrale Forderung vieler Eltern im Land Nordrhein-Westfalen. Aus Ochtrup engagieren sich dafür Benno Heming, Christian Wietheger und Jörg Westermeier (von links) in der Kreis- und Landeselternschaft (Bild unten).

Besser G 9 als G 8 -- das ist die zentrale Forderung vieler Eltern im Land Nordrhein-Westfalen. Aus Ochtrup engagieren sich dafür Benno Heming, Christian Wietheger und Jörg Westermeier (von links) in der Kreis- und Landeselternschaft (Bild unten). Foto: dpa/erh

Kreis Steinfurt - 

G 8 - das sogenannte Turbo-Abi ist gescheitert. Das haben nach Auffassung vieler Elternvertreter die fast zehn Jahre seit der Einführung gezeigt. Jetzt soll mittels Volksbegehren die alte Regelung – G 9 – wieder kommen.

Von Erhard Kurlemann

Benno Heming, Christian Wietheger und Jörg Westermeier aus Ochtrup haben einen gemeinsamen Traum: Spätestens mit dem Schuljahr 2019/20 sollen die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen wieder zu G 9 zurückgekehrt sein. Die drei in der Elternpflegschaft des Ochtruper Gymnasiums engagierten Väter sind guter Hoffnung, dass ihr Traum wahr werden kann. Wieder neun Jahre Gymnasium statt aktuell acht?

„Gut 80 Prozent der 50.000 Fragebögen, die die Landeselternschaft zu diesem Thema auf den Weg gebracht hat, haben sich für die Rückkehr zu G 9 ausgesprochen“, berichtet Christian Wietheger. Er ist Sprecher der Kreiselternschaft der Gymnasien, die sich zur Interessengemeinschaft Schulen-Aktiv zusammengeschlossen haben.

Das Problem: „Das große Votum in der Elternschaft findet in der Politik wenig Resonanz.“ In Diskussionen heiße es von nahezu allen Parteien, der

 

„Entscheidungsprozess in dieser Frage hat begonnen. Das kann noch dauern“. „Oder kurz: Wir drücken uns“, fasst Benno Heming zusammen.

Niedersachsen zu G9 zurückgekehrt

Die Nachteile der G 8-Regelung lägen inzwischen offenkundig auf der Hand: Die Studierunfähigkeit der G 8-Absolventen werde beklagt, die fehlende Reife sei ein weiteres Problem. „Und insgesamt kommen die Jugendlichen drei Jahre früher in den Beruf - Einschulung mit fünf Jahren, keine Wehrpflicht oder ähnliches mehr und dann noch G 8“, wundert sich Jörg Westermeier nicht über das „schlechte Ergebnis“. Dabei habe Deutschland insgesamt einen hohen Bildungsstandard. „G 8 ist aber der falsche Weg.“

Das System an sich funktioniere nicht: Lernstunden oder Eva-Stunden(eigenverantwortliches Arbeiten) als feste Stunden im Plan zu haben, kaschiere nur den (Fach-)Lehrermangel, erläutert Heming. Unterricht, der am Nachmittag ausfalle, könne mangels Zeit einfach nicht nachgeholt werden. Auch seien Curricula zusammengestrichen worden, „wohl auch, weil erkannt worden ist, dass die Zeit unter den Bedingungen nicht reicht, alles zu lernen“, ergänzt Westermeier. Niedersachsen sei aus diesem Grunde zu G 9 zurückgekehrt. Bayern habe die Einführung von vorneherein abgelehnt.

Volksbegehren initiiert

Über die Landeselternschaft ist inzwischen ein Volksbegehren initiiert worden. Unter dem Motto „ G 9-jetzt-nrw“ sollen rund 1,1 Millionen Unterschriften gesammelt werden. „Bis zum 7. Juni liegen in allen Rathäusern im Kreis Unterschriftenlisten aus. Jeder Wahlberechtigte muss sich dort mit seinem Ausweis identifizieren und kann dann unterschreiben“, erläutert Wietheger das Verfahren, das nach seiner Erfahrung „gut zwei Minuten“ benötigt. „Aber man muss sich auf den Weg machen.“

Sollte die notwendige Zahl an Unterschriften am Stichtag noch nicht erreicht sein, seien weitere Aktionen zum Sammeln bis Ende Dezember möglich. Die drei Ochtruper sind zuversichtlich. „Mindestens 30.000 Unterschriften aus dem Kreis können wir allein von den Eltern holen, die Kinder auf einem Gymnasium haben.“ Landesweit gibt es fast 600 Gymnasien – macht rechnerisch insgesamt rund 800.000 Unterschriften. „Das ist eine Aktion, bei der jeder seinen klaren Willen zum Ausdruck bringen kann.“

Thema im Wahlkampf

Wenn die Zahl an Unterschriften erreicht ist, muss sich der Landtag mit dem Thema befassen. In einem Volksentscheid würde der Wille des Volkes zu diesem Thema dann endgültig festgestellt. „1978 ist auf diesem Wege die flächendeckende Einführung der kooperativen Gesamtschulen gestoppt worden.“

Wietheger, Westermeier und Heming sowie ihre weiteren Mitstreiter im Kreis nutzen aktuell jede Gelegenheit, das Thema in politischen Diskussion im Wahlkampf zu platzieren. Vorschläge, doch beide Versionen an allen Schulen vorzuhalten, seien bei näherem Hinsehen nicht wirklich praktikabel.

Interessant ist zudem eine andere Erfahrung: Es gibt eine Bekundung von über 43.000 Eltern, eine Veränderung einzuleiten. „Bildung ist doch wichtiges Anliegen für unsere Zukunft.“ Prognosen zum Wahlverhalten haben eine ganz andere Wirkung. Sie beruhen auf rund 1000 Befragungen.

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