Neue Technik reduziert Belastung
Gülle mit weniger Nebenwirkungen

Vreden -

So hat es ein Maiskorn am liebsten: Nach oben hin fünf Zentimeter lockeren Boden, und fünf Zentimeter nach unten hin jede Menge Futter. Bislang waren Maiskörnern solche idealen Lebensbedingungen eher selten vergönnt. Doch die Landwirtschaftskammer würde den Bauern gerne Verfahren schmackhaft machen, die genau das können. 

Montag, 10.04.2017, 19:04 Uhr

Landwirte begutachten die Maschinen, mit denen die Gülle direkt an die Wurzeln der Maiskörner gelegt wird.
Landwirte begutachten die Maschinen, mit denen die Gülle direkt an die Wurzeln der Maiskörner gelegt wird. Foto: Gunnar A. Pier

Ihr Vorteil: Nicht nur Maiskörnern ginge es gut, sondern auch Nachbarn, die kein Güllegestank mehr belästigt. Und selbst Bauern hätten davon Vorteile: weniger Ärger mit Nachbarn und Umweltschützern, weniger Nitrate, die ins Wasser gelangen, und weniger Kosten für Mineraldünger bei höheren Erträgen.

Darum stellte die Kammer am Montag auf einem Acker in Vreden rund 70 neugierigen Landwirten die neuen gewässerschonenden Techniken vor, wie Dr. Ludger Laurenz , Berater für Pflanzenbau und Biogas, erklärt. Die sollen sich ansehen, wie die neuen Techniken in der Praxis aussehen.

Im Boden, statt auf dem Feld

Bei dem Verfahren legt ein Trecker die Gülle zehn Zentimeter tief in die Erde. Der flüssige Mist von Kühen und Schweinen liegt dann wie eine lange Wurst im Boden. Genau so tief, dass die Maispflanzen mit ihren Wurzeln sehr früh an den Dünger herankommen. Das ist wichtig, weil die Gülle drei Stoffe enthält, die der Mais für sein Wachstum braucht. In seiner Kindheit viel Phosphat, später viel Stickstoff und Kali.

Feld-Arbeit mit GPS-Daten

In einem technisch anspruchsvollen Verfahren wissen die Fahrer der Trecker auf den Zentimeter genau, wo die Gülle in der Erde liegt. Eine Woche später, wenn die Maiskörner in die Erde gelegt werden, nutzen sie die GPS-Daten. Dann kurven die Trecker exakt auf der Spur, auf der auch das Güllefass unterwegs war. Und so können die Lohnunternehmen sicherstellen, dass die Gülle direkt unter den Maiskörnern liegt.

Demonstration moderner Gülleausbringtechnik bei Vreden

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Mehr Nahrung für Maispflanzen

Wenn die Gülle in den Boden eingearbeitet wird, hält sich der wertvolle Stickstoff länger, als wenn er auf dem Feld landet. „Er haftet wie Magnete im Boden“, erklärt Laurenz. Das soll er auch, weil er so auch Ende Juni den Maispflanzen noch zusätzliche Nahrung bieten kann. Dann müssen die Bauern nicht noch von oben teure Mineraldünger auf ihre Äcker werfen – für deren Produktion pro Kilo ein halber Liter Öl nötig ist. „Für die Bauern lohnt sich das also“, erklärt Laurenz.

Ein "zäher" Versuch

In Verfahren, bei denen die Gülle an der Oberfläche liegen bliebt, verwandelt sich der Stickstoff in Nitrat, das bei Regen aus dem Boden herausgewaschen und das Grundwasser verdrecken kann. Trotzdem ist der Versuch der Landwirtschaftskammer, die Bauern für die neuen Verfahren zu interessieren, eher „zäh“, wie Laurenz sagt. Schließlich müssen sie erst den Lohnunternehmer bezahlen, der mit dem speziellen Werkzeug Gülle und Mais auf dem Feld verteilt, bevor sie ihre Ausgaben durch den gesparten Dünger wieder hereinbekommen.

Zum Umdenken gezwungen

Neue gesetzliche Regelungen allerdings machen Laurenz die Argumentation leichter: Ab Sommer wird die Menge der Mineraldünger, die Bauern verwerten dürfen, gedeckelt. Wer dagegen verstößt, muss mit Bußgeldern rechnen. „Jetzt werden sie zu ihrem Glück gezwungen“, sagt Laurenz. Und Maiskörner und Nachbarn gleich mit.

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