Do., 15.10.2015

Geplanter Urenco-Verkauf London gibt Gas, Berlin bremst

Die Urananreicherungsanlage in Gronau: Bis zu 4,5 Milliarden Euro könnte der Verkauf des Betreibers Urenco für die Bundesregierung einbringen.

Die Urananreicherungsanlage in Gronau: Bis zu 4,5 Milliarden Euro könnte der Verkauf des Betreibers Urenco für die Bundesregierung einbringen. Foto: Urenco

Gronau/Düsseldorf - 

Die britische Regierung möchte seinen Drittel-Anteil am Nukleardienstleister Urenco verkaufen. Bedenken dagegen auf deutscher Seite sollen bei Gesprächen in dieser Woche zerstreut werden.

Von Hilmar Riemenschneider

Für die im Zuge der Energiewende gestressten Energiekonzerne RWE und Eon wäre es ein willkommener Milliarden-Segen. Denn bis zu 4,5 Milliarden Euro könnte ihnen der Verkauf des für die Bundesregierung gehaltenen Drittel-Anteils am Nukleardienstleister Urenco einbringen, der unter anderem die Urananreicherungsanlage in Gronau betreibt. Weil Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei diesen Bestrebungen auf der Bremse steht, will nun die britische Regierung die deutsche Seite umstimmen. In dieser Woche laufen britischen Medien zufolge Gespräche, weil London gerne seinen Drittel-Anteil an Urenco verkaufen würde.

Ein sensibles Thema, denn das Unternehmen arbeitet mit sensibler Technik, weil sich damit auch atomwaffenfähiges Uran herstellen lässt. Sowohl Gabriel als auch die niederländische Regierung wollen deshalb ihren Einfluss auf Entscheidungen bei Urenco gesichert wissen. Auch die britische Regierung hebt dies hervor, sieht aber keinen Widerspruch zur Verkaufsoption.

Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte auf Nachfrage, man habe „die Verkaufsabsichten der Urenco-Anteilseigner zur Kenntnis genommen, beteiligt sich aber nicht an Spekulationen über potenzielle Kaufinteressenten“. Und über Details von Gesprächen gebe es keine Auskunft. In britischen Medienberichten werden unter anderen der kanadische Uran-Produzent Cameco, der japanische Mitsubishi-Konzern und der kanadische Nuklearkonzern Areva genannt.

„Im Rahmen regelmäßiger Gespräche zum Thema möglicher Anteilsveräußerungen bei Urenco“ mit den anderen Anteilseignern habe die Bundesregierung erfahren, „dass ein Markttest durchgeführt wird“, erklärte das Ministerium. Damit wird das Interesse möglicher Käufer abgefragt.

Entscheidend sei für die Bundesregierung, dass der zwischen den drei Staaten 1970 geschlossene völkerrechtliche Vertrag über den Betrieb von Urenco „auch in Zukunft bei möglicherweise anderen Anteilseignern gewährleistet ist“.

Erst im Frühjahr hatte Gabriel 13 Vorgaben für eine Privatisierung definiert, die den Einfluss der Bundesregierung sichern sollen. Sie sollen vor allem verhindern, dass angereichertes Uran oder die Technologie in falsche Hände gelangt. So müsse die Mitsprache der Regierungen bei der Besetzung wichtiger Posten und einem Anteilsverkauf gesichert sein.

Auf harsche Ablehnung stoßen die britischen Pläne beim Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz: „Wir fordern von der Bundesregierung eine klare Ablehnung der Verkaufsabsichten.“ Der Verband verlangt wie das Aktionsbündnis Münsterland, die Urenco-Anlage in Gronau stillzulegen.

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