Fr., 09.12.2016

Wasseraufbereiter „Paul“ "Das blaue Wunder" rettet Tausende Menschen vor dem Verdursten

In Kamerun haben sich die Schülerinnen und Schüler der Grundschule „Espoir“ (Hoffnung) um Paul gescharrt. Der Wasseraufbereiter ist einer von rund 1850, die mittlerweile weltweit im Einsatz sind.

In Kamerun haben sich die Schülerinnen und Schüler der Grundschule „Espoir“ (Hoffnung) um Paul gescharrt. Der Wasseraufbereiter ist einer von rund 1850, die mittlerweile weltweit im Einsatz sind. Foto: Liebe in Aktion

MÜNSTER - 

Er ist blau wie das Meer, groß wie ein Rednerpult und so schwer wie ein ­i-Dötzchen: Paul. Die Minikläranlage ist ein kleines Wunderwerk. Oder wie Folker Flasse sagt: „Paul kommt der Eier legenden Wollmilchsau ziemlich nah.“

Von Stefan Werding

Flasses Stiftung „Huma­nity Care“ mit Sitz in Münster hat bislang 174 Exemplare von Paul nach Pakistan geschickt. Wenn dort nach Erdbeben oder Überschwemmungen das Trinkwasser knapp wird, ist Paul für viele Menschen die letzte Rettung. Er kann in 24 Stunden 350 Menschen mit trinkbarem Wasser versorgen. Und weil er so klein und handlich ist, kommt er auch in Gebiete, die sonst schwer zu erreichen sind. Paul kommt lediglich an seine Grenzen, wenn er Salz, Öl oder Benzin herausfiltern soll. Da ist er überfordert.

Bevor Professor Franz-Bernd Frechen von der Universität Kassel Paul erfunden hatte, benutzten die Menschen in Pakistan nach Katastrophen Seidentücher, durch die sie das verschmutzte und von Bakterien wimmelnde Wasser kippten, berichtet Flasse. Der Erfolg ist gleich null, die Zahl der lebensgefährlichen Erkrankungen hoch.

"Paul" braucht keine Chemie

Heute ist das anders: „Oben wird Wasser mit 30.000 Bakterien hineingekippt und unten kommen noch drei bis fünf wieder raus“, sagt Flasse. Die Folge: Cholera oder Durchfall gibt es in den Dörfern, in denen Paul steht, so gut wie nicht mehr.

Möglich macht das Nanotechnologie, die Erfinder Franz-Bernd Frechen einsetzt. Flasse beschreibt das als „minimalst kleine Löchlein“, durch die das Wasser diffundiert und die so fein sind, dass sie die Bakterien zurückhalten“. Der Charme der Erfindung: Paul braucht keinen Antrieb, keinen Motor, keine Chemie. Auch die Wartung ist einfach: Alle 14 Tage müssen Sand, Äste oder Blätter entfernt werden. Das war’s.

"Paul" funktioniert kinderleicht

Um die Pakistani von Paul zu überzeugen, spielt Flasse bei seinen Besuchen vor Ort gern den Vorkoster: „Wir nehmen dann 20 bis 30 Becher mit, die ich an unsere Leute verteile. Wir zeigen, wie das Schmutzwasser oben reingeschüttet wird und trinken das Wasser, das unten rauskommt“. Danach hört die Skepsis auf.

Die Menschen nutzten Paul unentwegt, organisieren Tanks, aus denen Paul ständig gespeist wird. Die Hilfsorganisation „terre des hommes“ berichtet von Fraueninitiativen aus Indien, die mit Pauls Hilfe kleine Unternehmen gegründet haben und Trinkwasser verkaufen. „Paul funktioniert kinderleicht – und die Frauen gewinnen auch noch Selbstständigkeit sagt die Tecklenburgerin Birgit Dittrich, Projektleiterin bei „terre des hommes“.

Genau wie sie ist auch Folker Flasse von Paul begeistert. Und die Menschen in Pakistan „unwahrscheinlich dankbar“, wie er es sagt – so dankbar, dass sie die blaue Wunderkiste nachts in ihrer Moschee einschließen, damit die ja nicht gestohlen wird.

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