Sa., 04.03.2017

Interview mit Peter Kerstiens Bald mehr Roboter im Einsatz

Der Forschungstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktioniert, aber ist noch ausbaufähig. Auch die Anwendungsdichte von Industrierobotern in den Firmen der Region fällt noch relativ gering aus, resümiert Peter Kerstiens, Prof. für Maschinenbau an der Westfälischen Hochschule, Standort Bocholt, im Gespräch mit „Die Wirtschaft“-Autorin Maike Harhues.

Von Maike Harhues

Mit Robotern, die immer „intelligenter“ werden, bewegt sich die WH auf dem Feld einer Schlüsseltechnologie für die Industrie 4.0. Ist die Hochschule auf diesem Gebiet Vorreiter in Deutschland und darüber hinaus?

Prof. Peter Kerstiens: Die Westfälische Hochschule in Bocholt besitzt mehrere Industrieroboter, die zum einen in der Lehre eingesetzt werden, zum anderen für angewandte Forschung mit regionalen Unternehmen eingesetzt werden. Insofern ist die Hochschule in der Region schon ein Vorreiter in deren Anwendung, allerdings nicht in Deutschland oder darüber hinaus. Es befassen sich viele Hochschulinstitute mit der Automatisierung und der Industrie 4.0; ein sehr gutes Beispiel ist die Hochschule Ostwestfalen Lippe in Lemgo (Stichwort OWL).

Wie (gut) funktioniert der Forschungstransfer zwischen den Wissenschaftlern und Unternehmen in der Region, die marktreife Anlagen global anbieten? Verringert die WH Hemmschwellen seitens der Unternehmen, womöglich als teuer und aufwendig in der Wartung eingeschätzte Robotertechnik in ihren Betrieben einzusetzen, sich diese passgenau für die eigenen Belange anfertigen zu lassen?

Kerstiens: Der Transfer von Forschung aus der Hochschule in die Unternehmen funktioniert ganz gut, wie die Vergangenheit am Beispiel der Mechatronik gezeigt hat; teilweise wird sie durch öffentliche Förderung ja auch unterstützt. Allerdings ist die Anzahl an Projekten für die Anwendung von Robotern in der Industrie der Region noch steigerungsfähig, weil die Anwendungsdichte von Industrierobotern in den Firmen der Region in dem Vergleich zu Deutschland noch relativ gering ist, erst recht im Vergleich zu Süddeutschland.

Stehen der Wirtschaft Roboter ins Haus, die auch komplizierte Aufgaben selbstständig und nach eigenem Ermessen entscheiden können? Wo liegen Grenzen der künstlichen Intelligenz, und mit welchen Folgen für die Arbeitswelt geht diese Entwicklung einher?

Kerstiens: Der Einsatz von Robotern wird durch bessere Sensoren und intelligentere Software weltweit drastisch zunehmen, zu gleichen oder geringeren Kosten. Dadurch werden nicht nur einfache Aufgaben für ungelernte Arbeiter automatisiert, wie zum Beispiel die Bedienung von Werkzeugmaschinen, sondern auch Arbeiten von spezialisierten Fachkräften, zum Beispiel von Schweißern. Somit werden zum einen die Roboter zur Konkurrenz im Niedriglohnsektor, zum anderen kann man mit ihnen dem Facharbeitermangel entgegenwirken.

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