Mo., 19.06.2017

Gefährlicher Bauboom Studie: In den Münsterland-Kreisen wird zu viel gebaut

Gefährlicher Bauboom : Studie: In den Münsterland-Kreisen wird zu viel gebaut

Wegen der niedrigen Zinsen werden im Münsterland immer mehr Häuser gebaut. Forscher glauben, dass der Bedarf nicht so groß ist. Foto: dpa

Münster/Köln - 

Auf dem Land wird viel zu viel gebaut, in den Großstädten zu wenig, Das ist das alarmierende Ergebnis einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Auch im Münsterland ist der Immobilienmarkt zwischen der Stadt Münster und den übrigen Kreisen tief gespalten.

Von Jürgen Stilling

Während in Münster der Bedarf an Wohnungen laut IW aktuell lediglich zu 64 Prozent gedeckt werden kann, liege die Bautätigkeit im Kreis Steinfurt um 64 Prozent über dem langfristigen Bedarf, in den Kreisen Warendorf und Borken liegt die Überdeckung bei 62 bzw. 43 Prozent. Auch für den Kreis Coesfeld sehen die Forscher des IW eine um 26 Prozent zu hohe Bautätigkeit. „Es werden auf dem Land vor allem zu viel Einfamilienhäuser gebaut, gleichzeitig zumeist zu wenige Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen“, erklärte der Hauptautor der Studie, Michael Voigtländer, unserer Zeitung.

Allerdings stehen die Münsterland-Kreise vergleichsweise gut da. Im Emsland, in Nordhessen, in Teilen des Schwarzwalds und in der Eifel drohe durch den Bauboom viel eher ein Platzen der Immobilienblase, betonte Voigtländer. 

Erschreckendes Szenario

Das Szenario ist ­erschreckend: Zersiedelung der Landschaft, immer mehr Leerstände und ein starker Verfall der Immobilienpreise bedrohen den ländlichen Raum. Das ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die den Zeitraum 2011 bis 2015 abbildet.

So wurden laut IW im Kreis Borken im untersuchten Zeitraum 1433 Wohnungen gebaut – nur 1003 würden dauerhaft benötigt, hat das IW errechnet. Im Kreis Steinfurt liegt der Bedarf bei 1110 Wohnungen, errichtet wurden 1815. Auch im Kreis Coesfeld liegt die Bautätigkeit (671) über den vom IW ermittelten Marktvolumen (534). Im Kreis Warendorf liegt das Verhältnis bei 723 zu 447. Lediglich in der Stadt Münster ist die Lage gänzlich anders: Einem Bauvolumen von unter 1500 Wohnungen steht in der Münsterland-Metropole ein Bedarf von 2351 Wohneinheiten gegenüber.

Kleine Wohnungen sind Mangelware

In allen Münsterland­kreisen haben die Wirtschaftsforscher einen extremen Überhang bei Wohnungen mit mehr als fünf Räumen – meist Einfamlienhäusern – errechnet. Kleinere Wohnungen seien auch auf dem Land eher Mangelware, betonte der Hauptautor der Studie, Michael Voigtländer, im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Wenn die Zinsen wieder steigen, werden die Immobilienpreise in vielen länd­lichen Regionen des Münsterlandes deutlich sinken“, prognostiziert der Wirtschaftsprofessor. Und Voigtländer sieht einen weiteren negativen Aspekt: „Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung.“

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Wenn die Zinsen wieder steigen, werden die Immobilienpreise in vielen länd­lichen Regionen des Münsterlandes deutlich sinken.

Michael Voigtländer

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Doch nicht nur in den Münsterland-Kreisen wird zu viel gebaut. In manch anderer Region Deutschlands ist die Lage laut IW weitaus bedrohlicher: In weiten Teilen Bayerns wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie auch im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen. Ein Ex­trembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg in Hessen wären laut dem Kölner Institut lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch beinahe 200, was laut der Studie 2764 Prozent des Bedarfs entspricht. „Viele ­Familien bauen lieber etwas Neues“, sagte Voigtländer. „Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen. Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand.“

In den Ballungsräumen hingegen fehlen weiter Wohnungen, nicht nur in Münster. In Berlin sind laut der Studie in den vergangenen Jahren nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent

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