Fr., 14.07.2017

Streit um Notruf Grevenerin kritisiert Rettungsdienst: „Habe die Helfer angefleht“

Die zuständigen Behörden tun sich mit einer Bewertung schwer. Auch mehr als zwei Wochen nach dem Vorfall gibt es noch keine erhellende Stellungnahme . 

Die zuständigen Behörden tun sich mit einer Bewertung schwer. Auch mehr als zwei Wochen nach dem Vorfall gibt es noch keine erhellende Stellungnahme .  Foto: Kreis Steinfurt

Greven - 

Eine Frau ruft den Rettungsdienst, weil sich ihr Mann vor Schmerzen windet. Doch die Sanitäter weigern sich, den Patienten in ein Krankenhaus zu bringen und empfehlen den ärztlichen Notdienst. Erst nach Einschreiten des Arztes hätten die Männer später den Kranken „genervt“ in die Klinik gebracht.

Von Erhard Kurlemann

„Das will ich nicht noch einmal erleben.“ Ursula Gebauer ist noch immer sprachlos, wenn sie an die Nacht vom 24. auf den 25. Juni denkt. Gegen 2 Uhr war ihr Mann Norman mit starken Schmerzen im Oberbauch und akuter Atemnot aufgewacht. Die Grevenerin wählte 112. Was sie dann erlebte, als die Rettungssanitäter an ihrem Wohnhaus eintrafen, bezeichnet sie im Gespräch mit unserer Zeitung als „ganz grausam“.

Rettungsdienst verweigerte Krankenfahrt

Die Rettungssanitäter hätten sich geweigert, ihren Mann in ein Krankenhaus zu bringen. Sie könnten keinen Notfall erkennen. Sie hätten ihr geraten, doch den hausärztlichen Notruf anzurufen oder ihren Mann selbst in ein Krankenhaus zu bringen. Wie sie das hätte tatsächlich bewerkstelligen sollen, ihren größeren und auch schweren Mann aus dem ersten Obergeschoss in ihr Auto zu „verfrachten“, erschließt sich der Frau nicht. Sie habe die Rettungssanitäter „geradezu angefleht“, ihren Mann ins Krankenhaus zu bringen. Stattdessen gab es „Hinweise, welches der schnellste Weg zum Krankenhaus ist“ und wo dort die Notaufnahme zu finden sei. „Ich war wie vor den Kopf gestoßen.“

Die beiden Rettungssanitäter verließen die Wohnung. Ursula Gebauer rief umgehend den hausärztlichen Notdienst an. Der diensthabende Arzt sei „entsetzt“ gewesen über das Verhalten der Rettungssanitäter. Er sagte der Grevenerin zu, dass er alles notwendige veranlassen werde, damit ihr Mann umgehend in ein Krankenhaus gebracht werde. Der Arzt habe dann wohl die Leitstelle in Münster informiert, diese habe das Ansinnen dann an die Leitstelle in Greven weitergeleitet.

Sanitäter kamen "sichtlich genervt" zurück

Die beiden gleichen Rettungssanitäter kamen erneut zur Wohnung – „sichtlich genervt“. Einen Satz wie „Nur weil der hausärztliche Notdienstarzt keine Lust zum Arbeiten hat, müssen wir noch einmal kommen“, will Ursula Gebauer gehört haben. Anstatt sich um ihren kranken Mann zu kümmern, hätten sich die Rettungssanitäter zunächst die Versichertenkarte aushändigen lassen.

Als sie sich dann „endlich“ überzeugen ließen, ihren Mann auf Empfehlung des hausärztlichen Notdienstes in das Franziskus-Hospital nach Münster zu bringen, sei ihm weder „Trage noch Rollstuhl“ angeboten worden. Ihr Mann habe sich die Treppe „herunter und zu Fuß zum Rettungswagen quälen müssen“. Inzwischen war es etwa 3.45 Uhr, erinnert sich Ursula Gebauer. Im Franziskus-Hospital wurde ihr Mann als Patient bereits erwartet, weil der diensthabende Arzt dieses angekündigt hatte. Unter anderem sei eine Gallenkolik festgestellt worden. „Mein Mann ist operiert worden und liegt noch immer im Krankenhaus.“

Familie hat Rechtsanwältin eingeschaltet

Die Familie hat den Sachverhalt per Rechtsanwältin an Landrat Dr. Klaus Effing mit der Bitte um Stellungnahme geschickt. „Wir haben zudem sofort eine Mail an die Leitstelle in Greven geschickt“, sagt Tochter Sabrina Lapp. Von dort sei „bis heute“ keine Antwort eingegangen.

Eine Sprecherin des Kreises bestätigte auf Nachfrage, dass das Schreiben seit einigen Tagen vorliege. Unmittelbar sei Kontakt zur Stadt Greven aufgenommen worden, die Dienstherr der Rettungssanitäter sei. Derzeit werde deren Stellungnahme fachlich ausgewertet.

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes des Kreises, Dr. Karlheinz Fuchs, dass es zwar Usus sei im Kreis, einen Patienten ins Krankenhaus zu bringen, wenn dieser darauf bestehe. In allen akuten Krankheitsfällen, bei denen keine Lebensgefahr bestehe und keine schweren gesundheitlichen Schäden drohten, wenn nicht unverzüglich medizinische Hilfe geleistet werde, sei jedoch prinzipiell entweder der Hausarzt oder der kassenärztliche Notdienst zu nutzen.

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