Mo., 17.07.2017

Schadensregulierung nach Starkregen 70 Prozent der Hausbesitzer in Westfalen haben keine Elementarversicherung

Wasser aus dem Keller pumpen gehört nach einem Starkregen zu den Maßnahmen, mit denen die Folgeschäden begrenzt werden können.

Wasser aus dem Keller pumpen gehört nach einem Starkregen zu den Maßnahmen, mit denen die Folgeschäden begrenzt werden können. Foto: Jens Keblat

Lengerich - 

Wer in Lengerich am 10. Juli durch den Starkregen einen Schaden erlitten hat, wird nun dabei sein, ihn zu regulieren. Die wichtigste Frage: Zahlt die Versicherung?

Von Michael Baar

„Das zahlt ja die Versicherung.“ Wem der Starkregen am Montag der vergangenen Woche Schäden zugefügt hat, wird so denken. Ein weit verbreiteter Irrglauben. „90 Prozent der Leute glauben, sie wären in so einem Fall versichert“, zitiert Thomas Wiggers aus einer entsprechenden Statistik. Die bittere Wahrheit: 70 Prozent der Hausbesitzer in Westfalen haben keine Elementarversicherung.

Genau auf die kommt es an, wenn beispielsweise nach Starkregen der Keller unter Wasser steht, möglicherweise Kühltruhe, Waschmaschine und Trockner kaputt sind. Ohne Elementarversicherung bleibt der Eigentümer auf den Anschaffungskosten für neue Geräte sitzen. Wenn es denn bei kaputten Maschinen bleibt. „Beim Starkregen im vergangenen Jahr sind zwei Häuser so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie nicht mehr bewohnbar waren“, sagt der Leiter des Versicherungsservice der Stadtsparkasse im Gespräch mit den WN.

Fotostrecke: Unwetter in Lengerich

Auch wenn 48 Prozent der Befragten glauben, dass in solchen Fällen der Staat einspringt – „das stimmt nicht“. Thomas Wiggers räumt gleich mit zwei weiteren Vorurteilen auf, die in der Umfrage auf hohe Prozentwerte gekommen sind. 90 Prozent sind der Auffassung, dass eine Gefahr äußerst gering sei, weil ja kein Fluss oder See in der Nähe sei. Und 78 Prozent sind der Auffassung, dass eine Elementarversicherung „extrem teuer“ ist.

„Wer seinen Versicherer fragt, wird das Gegenteil zu hören bekommen.“ Der Fachmann nennt ein Beispiel: Der Einschluss einer Elementarversicherung in der Wohngebäudeversicherung für ein Wohnhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche schlägt mit rund 70 Euro im Jahr zu Buche. Weitere etwa 30 Euro werden für die Einbeziehung einer Elementar- in die Hausratversicherung fällig. In der Regel mit einer Selbstbeteiligung von 1000 Euro.

Zum Thema

Infos gibt es beim eigenen Versicherer. Die Verbraucherzentrale Rheine (Auf dem Thie 34, 49431 Rheine) hat eine neue Info-Broschüre herausgegeben „Alles klar bei Starkregen?“

Abgesichert sind damit Schäden, verursacht durch Starkregen, Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch und Schneedruck. Nach dem Starkregen in Münster im vergangenen Jahr hat die durchschnittliche Schadenssumme bei der Westfälischen Provinzial – nach eigenen Angaben größter regionaler Gebäudeversicherer – bei über 30.000 Euro gelegen.

Fotostrecke: Starkregen in Lengerich

Eine Rückstau-Vorrichtung im Keller ist nicht Pflicht, „sollte aber im Eigeninteresse vorhanden sein“, sagt Thomas Wiggers. Ist ein Schadensfall eingetreten, sollte man das mit Fotos dokumentieren, zügig Schadensbegrenzung betreiben – Wasser und Schlamm abpumpen, Räume lüften – und die Versicherung informieren.

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Bleibt noch des Deutschen „liebstes Kind“: Wird das Auto von einem der genannten Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen, übernimmt die Teilkaskoversicherung den Schaden. Eines gilt es nach Ansicht des Versicherungsfachmanns in die Überlegungen einzubeziehen: „Das Risiko, von Schäden betroffen zu sein, wächst, weil Wetterextreme immer häufiger auftreten.“

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