Sa., 12.08.2017

RTW-Einsatzfahrten Rettungswagen im Rückspiegel

Rettungssanitäter Jörg Laumann (M.) ist ein erfahrener RTW-Fahrer – auf dem Bild sind zudem Wachdienstleiter Markus Schüler sowie Inna Antonenko zu sehen, die ebenfalls Rettungseinsätze fährt.

Rettungssanitäter Jörg Laumann (M.) ist ein erfahrener RTW-Fahrer – auf dem Bild sind zudem Wachdienstleiter Markus Schüler sowie Inna Antonenko zu sehen, die ebenfalls Rettungseinsätze fährt. Foto: Ralph Schippers

Burgsteinfurt - 

Jörg Laumann hat es schon erlebt. Einen Unfall als Fahrer eines Rettungswagens (RTW) im Einsatz. „Es war eine Rechts-vor-Links-Kreuzung, der Pkw-Fahrer war unaufmerksam, da hat es gekracht“, erinnert sich der 46-jährige Rettungsassistent. Passiert ist nichts. „Reiner Blechschaden“, sagt Laumann. Und doch zeigt dieses Beispiel eines: Rettungskräfte im Einsatz unter Sonderrechten, wie es so schön heißt, haben ein Problem, wenn sich die anderen Verkehrsteilnehmer nicht so verhalten, wie es vorgeschrieben ist.

Von Ralph Schippers

„Viele wissen einfach nicht, wie sie reagieren sollen, wenn hinter ihnen plötzlich der Rettungswagen auftaucht“, weiß Laumann aus Erfahrung. Es komme nicht selten vor, dass die Fahrer verkrampfen und stumpf auf die Bremse gehen – „dann wird es oftmals auch für uns brenzlig“, ergänzt Markus Schüler. Der Wachabteilungsleiter an der Rettungswache Burgsteinfurt ist zwar aktuell nur noch wenig als RTW-Fahrer im Einsatz, kann sich aber ebenso wie Laumann an viele derartige Situationen erinnern.

Fehlverhalten gibt es genug: Da sind die Überholer, die den Rettungswagen unter Blaulicht schon von weitem sehen, aber noch eben schnell am Vordermann vorbeiziehen und dann überrascht sind, dass der Rettungswagen schon da ist. Oder der Windschattenfahrer, der die Situation dahingehend ausnutzt, dass er sich an das Einsatzfahrzeug in der Hoffnung hängt, hinter dem „Wellenbrecher“ schneller voranzukommen.

„Dass andere Verkehrsteilnehmer überhaupt nicht damit rechnen, dass der RTW sozusagen einen Rattenschwanz hinter sich herzieht, bedenken derartige Zeitgenossen offenbar nicht, schüttelt Laumann mit dem Kopf. Solch krasse Fälle von Fehlverhalten indes kämen relativ selten vor.

Sinn für Gefahrenpunkte

Laumann ist ein alter Hase im Geschäft: Bald 18 Jahre fährt er Rettungseinsätze – sei es mit dem RTW oder mit dem Notarztwagen. Oft führen ihn diese auch in die Nachbarkommunen von Steinfurt. In dieser Zeit hat der 46-Jährige einen siebten Sinn für Gefahrenpunkte entwickelt, bei denen es heißt, besondere Obacht zu geben. Einer davon befindet sich gar nicht weit weg von der Burgsteinfurter Rettungswache: Die Kreuzung Ochtruper Straße, Europaring und Alexander-Koenig-Straße hat es in sich.

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„Besonders im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr“, weiß auch Kollege Schüler. Nicht etwa nur der dichte Verkehr, sondern auch die baulichen Gegebenheiten sind dafür verantwortlich. „Durch die enge Bebauung dringt das Martinshorn gar nicht bis in den Kreuzungsbereich hinein, dass heißt, Autofahrer auf dem Europaring können uns kaum hören“, weiß Laumann zu berichten.

„Wir müssen dann für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken.“ Für Rettungswagenfahrer gilt, dass sie zwar mit Sonderrechten unterwegs sind, nichtsdestotrotz aber die Verkehrsregeln zu beachten haben.

Regelmäßiges Fahrsicherheitstraining

„Wenn die Ampel für einen Verkehrsteilnehmer grün zeigt, müssen wir das akzeptieren und auch schon mal warten“, sagt Laumann. Narrenfreiheit dank eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn? Mitnichten. Das gilt auch für die gefahrenen Geschwindigkeiten. Laumann: „Wenn wir in der Stadt mit Tempo 60 unterwegs sind, dann ist das schon viel.“

Um für ihre Einsatzfahrten gerüstet zu sein, nehmen die Rettungskräfte regelmäßig an Fahrsicherheitstrainings teil, die der Kreis als Träger des Rettungsdienstes auf dem Verkehrsübungsplatz in Nordhorn-Hesepe anbietet. Und mit dem normalen Autoführerschein sind die Einsatzwagen auch nicht zu fahren. Es ist also nichts, was man „mal eben so macht“.

Was sich Laumann und die Kollegen des Rettungsdienstes, die RTW-Einsätze fahren, von den Verkehrsteilnehmern wünschen? „Regelmäßig in den Rückspiegel schauen, defensiv fahren, einfach aufmerksam sein“, macht Laumann deutlich. Wenn ein RTW im Rückspiegel auftaucht, sollte der Verkehrsteilnehmer sanft bremsen, den Blinker rechts setzen und Platz machen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber nicht alle Autofahrer halten sich dran.

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