Di., 15.08.2017

Angespannter Wohnungsmarkt Viele Flüchtlinge leben weiter in Gemeinschaftsunterkünften

Flüchtlingsfamilien haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer: Deshalb leben viele weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften.

Flüchtlingsfamilien haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer: Deshalb leben viele weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Für Flüchtlinge im Münsterland ist es noch immer schwer, eine eigene Wohnung zu finden und so aus den Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen. Grund dafür ist vielerorts der angespannte Wohnungsmarkt.

Von Mareike Katerkamp

Insbesondere in Münster sieht es mit der Wohnungsvermittlung für Flüchtlinge „schlecht“ aus, wie Heinz Lembeck vom Sozialamt sagt. „Der Wohnungsmarkt in Münster ist sehr begrenzt“, so Lembeck. Andere Kommunen mit mehr Leerstand hätten es da einfacher.

Anfang 2016 lebten etwa 4000 Flüchtlinge in den kommunalen Einrichtungen in Münster. Über 700 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr laut Lembeck in private Wohnungen vermittelt worden. Dabei setzt die Stadt auf drei Standbeine. Erstens auf den Kontakt zu Ehrenamtlichen, betont Lembeck. Diese seien gut vernetzt und sprächen Vermieter direkt an, wenn sie Flüchtlingen bei der Suche helfen.

Dezentrales Konzept

Zweitens baut die Stadt auf ihre Sozialarbeit. Die Mitarbeiter besprechen mit den Flüchtlingen in den Einrichtungen schon frühzeitig, was es bedeutet, alleine zu wohnen. Wer putzt das Treppenhaus, wer stellt den Müll nach draußen, was ist eigentlich ein Wohnberechtigungsschein? Diese Fragen werden dabei geklärt und sollen für ein stabiles Wohnverhältnis sorgen – wenn es denn dazu kommt. Drittens kooperiere die Stadt mit Wohnungsgesellschaften vor Ort, so Lembeck.

Unabhängig davon betont der Abteilungsleiter im Sozialamt, dass die Stadt mit ihren Flüchtlingseinrichtungen gute Erfahrungen gemacht habe. Dort sei der Sozialdienst direkt im Haus und könne die Menschen intensiv betreuen.

In Rheine sieht die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht viel besser aus, wie Stadtsprecher Frank de Groot-Dirks sagt. „Wir versuchen die Vermittlung in Wohnungen zwar, doch es gelingt nur selten“, sagt er. Zwar setzte die Stadt von Anfang auf ein dezentrales Konzept und brachte viele Flüchtlinge in Wohnungen unter. Doch für alle hätten die Kapazitäten nicht ausgereicht, so de Groot-Dirks. Auch in Rheine gibt es daher Sammelunterkünfte.

Ehrenamtliche Unterstützung

Um die Wohnungschancen der Geflüchteten zu erhöhen, setzt die Stadt auf Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse und Vermittlungen in den Arbeitsmarkt. Dann seien auch Vermieter durchaus geneigt, die Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Bei einzelnen Personen oder Ehepaaren gelinge das auch vereinzelt. Noch schwieriger sei es aber bei Familien mit drei oder mehr Kindern, so der Stadtsprecher. Zahlen dazu, wie viele Flüchtlinge eine Wohnung gefunden haben, erhebt die Stadt nicht.

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Auch in Warendorf kommt es eher selten vor, dass Flüchtlinge die städtischen Einrichtungen verlassen und in eine private Unterkunft ziehen. „Der angespannte Wohnungsmarkt macht es schwierig“, sagt Thomas Mundmann vom Team Soziales der Stadt Warendorf.

Fündig geworden sind dort in den vergangenen Jahren nur fünf bis zehn Flüchtlinge pro Jahr. Ebenso wie die Stadt Münster setzt Warendorf bei der Wohnungssuche auf ehrenamtliche Unterstützung. Mundmann sagt: „Das effektivste Mittel dabei ist Mundpropaganda.“

Andere Situation im Ruhrgebiet

Nicht überall in Nordrhein-Westfalen ist die Wohnungssuche für Flüchtlinge so problematisch wie im Münsterland. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hat ergeben, dass in anderen Großstädten in Nordrhein-Westfalen mittlerweile viele Flüchtlinge in Wohnungen leben. Von den insgesamt 8237 Flüchtlingen, die es Anfang August in Dortmund gab, lebten bereits mehr als 6800 in Wohnungen. In Duisburg sind es mittlerweile ebenfalls rund die Hälfte der Flüchtlinge, in Essen sind seit Anfang 2016 schätzungsweise 5400 Flüchtlinge in Wohnungen gezogen. Schwieriger als im Ruhrgebiet ist die Lage der Umfrage zufolge in Düsseldorf, wo die Mieten sehr hoch sind. „Das ist wirklich schwierig“, sagte die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Miriam Koch. „Leerstand haben wir hier nicht.“

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