Do., 05.10.2017

Projekt vom Allwetterzoo Münster Tierschützer aus NRW kämpft für Artenerhalt in Kambodscha

 

 Weiblicher Kappengibbon im "ACCB"-Naturschutzzentrum. Foto: Julian Bischoff

Kbal Spean /Münster - 

Fernab der Heimat kämpft ein Tierpfleger aus Nordrhein-Westfalen für den Erhalt der einzigartigen Tierwelt Südostasiens. Michael Meyerhoff ist Leiter eines Tier- und Naturschutzzentrums in Kambodscha, das vom Allwetterzoo Münster gegründet wurde.

Von Julian Bischoff

Scheinbar mühelos schwingt sich der Gibbon im kambodschanischen Regenwald von Ast zu Ast. Seine Bewegungen sind elegant, das goldgelbe Fell schimmert majestätisch. Momente wie diese könnte es schon bald nicht mehr geben. Denn die Affenart ist, wie viele andere Tierspezies in Südostasien auch, akut vom Aussterben bedroht.

Um das zu verhindern, ist 2014 ein Tierpfleger aus Halle in Westfalen nach Kambodscha aufgebrochen. „Eigentlich wollte ich nur ein Jahr bleiben“, erzählt Michael Meyerhoff. Der Tierpfleger hatte einen Job im „Angkor Centre for Conservation and Biodiversity“ (Angkor Zentrum für Erhalt und biologische Vielfalt, ACCB) angenommen, nahe der berühmten Tempelanlagen von Angkor im Regenwald Kambodschas. Aus einem sind nun schon drei Jahre geworden, aus der befristeten Stelle der Posten des Kurators. „Wer hätte das gedacht?“, sagt der Auswanderer, während er durch das Naturschutzzentrum führt.

Fotostrecke: Naturschutzzentrum in Kambodscha

Das ACCB ist die erste Institution ihrer Art in Kambodscha, die sich für den Erhalt der Tierwelt des Landes einsetzt. Auf dem 14 Hektar großen Areal gibt es eine Auffangstation für beschlagnahmte und verletzt gefundene Tiere sowie ein Zuchtzentrum für bedrohte Exemplare. Einheimische Tierpfleger versorgen 550 Exemplare 45 verschiedener Tierarten. Neben diversen Affen leben auf dem Areal unter anderem Geier, Schildkröten und Schuppentiere.

Projekt des Allwetterzoos Münster

Möglich gemacht hat das Projekt der Allwetterzoo Münster. Der gründete das ACCB 2003 und steuert bis heute von Münster aus die Geschicke des Tierzentrums. „Das Projekt ist zentraler Bestandteil unserer Artenschutz-Aktivitäten“, betont Zoodirektor Dr. Thomas Wilms.

Zusätzlich betreibt der Allwetterzoo noch ein weiteres Projekt in Südostasien; auf der vietnamesischen Insel Cat Ba soll das Aussterben der Goldkopflanguren verhindert werden, einer der bedrohtesten Primatenarten der Erde.

Arbeit unter schwierigen Bedingungen

Meyerhoff und seine 27 Mitarbeiter leisten Pionierarbeit. Die Bedingungen im Königreich Kambodscha erschweren die Arbeit des ACCB zusätzlich. „Tierschutz spielt für viele hier keine Rolle“, erzählt Meyerhoff. Dies liege vor allem an fehlender Bildung und Armut. Gerade die Landbevölkerung Kambodschas – eines der ärmsten Länder der Erde – habe mit ihren ganz eigenen, existenziellen Problemen zu kämpfen.

„Als Fremder und mit erhobenen Zeigefinger“ sei es daher schwer, die Wichtigkeit des Erhalts von Natur und Tierwelt zu vermitteln, sagt Meyerhoff. Der Ursprung von Kambodschas Armut und Bildungsproblem liegt in den 70er Jahren. Gut drei Millionen Kambodschaner fielen dem Völkermord der Roten Khmer zum Opfer. Eine ganze Generation wurde auf den „Killing Fields“ ausgelöscht, darunter der Großteil der Bildungsbürger.

Umweltbildung

„Deren Wissen und Bewusstsein fehlen heute, auch was den Erhalt von Natur und Tierwelt angeht“, sagt der Ostwestfale. Ihm und seinen Kollegen ist es daher besonders wichtig, Kambodschas Jugend frühzeitig für diese Themen zu sensibilisieren. Im Sinne der Umweltbildung werden etwa Schulklassen durch das ACCB geführt, wie auch an diesem Nachmittag. „Wir hoffen, dass diese Generation mit einem ganz anderen Bewusstsein für Natur und Tiere aufwächst als ihre Eltern“, erklärt Meyerhoff.

„Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns“, sagt der Auswanderer am Ende der Führung. Eine baldige Rückkehr nach Deutschland schließt er aus: „Ich habe das Gefühl, dass ich hier vor Ort viel mehr für die Tiere tun kann als in Deutschland.“

Zum Thema

Mehr zum ACCB gibt es unter: http://www.accb-cambodia.org/de

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