Nach Kälteeinbruch
Es ist so weit: Landwirte dürfen wieder düngen

Münsterland -

Zwei Tage Frost – und gleich konnte man es riechen. Die Landwirte sind wieder auf den Äckern und bringen Gülle aus. „Da wird manchem ein dicker Stein vom Herzen gefallen sein“, sagte die Pflanzenbaureferentin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Verena Kämmerling, am Donnerstag. 

Freitag, 09.02.2018, 06:02 Uhr

Düngen auf einem Acker bei Lüdinghausen: Viele Landwirte brachten am Donnerstag zum ersten Mal Gülle aus.
Düngen auf einem Acker bei Lüdinghausen: Viele Landwirte brachten am Donnerstag zum ersten Mal Gülle aus. Foto: Wilfried Gerharz

Das anhaltende Regenwetter mit pläddernassen Wiesen und Seenlandschaften auf durchweichten Böden hatte den Bauern zu schaffen gemacht. Obwohl das Düngen seit Monatsbeginn wieder erlaubt ist, waren die meisten landwirtschaftlichen Flächen bisher unbefahrbar – oder schlichtweg überschwemmt.

Am Donnerstag nun war richtig Winter. Temperaturen morgens unter null, kein Schnee, gefrorene Ackerkrumen im Raureifkleid. Bilderbuchwetter – auch für die Landwirte.

Volle Tanks und nasse Felder

Deren Not war in den vergangenen Wochen groß. Weil „die Keller voll waren“, wie Bernhard Rüb , Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, sagte. Wetter, Sperrfrist und eine neue Düngerverordnung: alles drei kombiniert war dafür verantwortlich, dass „in manchen Ställen die Kälber Schwimmwesten benötigten“, weil die Gülletanks eine Etage tiefer pickepacke voll waren.

Im Herbst war’s so nass gewesen wie in den vergangenen Wochen. „Da war nichts mit Güllefahren“, sagte Kämmerling . Die Böden waren derart aufgeweicht, „dass die Schlepper bis zu den Achsen eingesunken wären“. Also vertagten sich viele Landwirte notgedrungen, warteten den Winter über ab, hofften auf geeignetes Wetter zum Jahresanfang und sahen sich Ende Januar, Anfang Februar dann doch mit demselben Schmuddel konfrontiert.

Im Norden Deutschlands hatte sich die Situation zu einem echten Notstand ausgewachsen, so schlimm, dass die Landwirte Sondergenehmigungen erhielten, um sogenannte Gülle-Lagunen zu bauen. Künstliche Senken sind das, abgedichtet mit Teichfolie, in denen die Gülle gepumpt wurde.

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Havarie-Regelung angewandt

So dramatisch sei es im Münsterland – mit rund vier Millionen Schweinen Top-Veredlungsregion und darum güllereich – nicht gewesen, sagte Rüb. Schwierig war es trotzdem. So musste mancherorts die sogenannte Havarie-Regelung angewandt werden. Sie greift, wenn nichts mehr geht. „Dann können Landwirte, denen die Gülle bis zum Hals steht, auf Antrag und kontrolliert eine bestimmte Menge auch innerhalb der Sperrzeit ausbringen.“ Das sei jedoch die Ausnahme gewesen. „Die Landwirte haben sich oft gegenseitig geholfen.“

Nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar gilt die Sperrzeit. Danach, so will es die neue Verordnung, darf Gülle nur ausgebracht werden wenn der Boden aufnahmefähig sowie schneefrei ist und sich Pflanzen darauf befinden, die Nährstoffe brauchen. Gestern passte alles. Wie gesagt, man roch es.

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