Sperrfrist eigentlich abgelaufen
Die Gülle, der Frost und die Sonne

Heek -

Viele Landwirte fahren in diesen Tagen Gülle aus – und viele Leute wundern sich: Ist das bei gefrorenen Böden nicht verboten?

Dienstag, 13.02.2018, 06:02 Uhr

Düngen ist derzeit trotz der eigentlich abgelaufenen Sperrfrist erlaubt.
Düngen ist derzeit trotz der eigentlich abgelaufenen Sperrfrist erlaubt. Foto: Wilfried Gerharz

Bei Ulrike Janßen-Tapken steht das Telefon derzeit nicht still. Immer wieder rufen Bürger an, um sich bei der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer zu informieren oder zu beschweren. Der Grund: Es wird wieder Gülle gefahren und viele Leute fragen sich, ob das angesichts der gefrorenen Böden überhaupt erlaubt ist. „Es gibt sehr viele Nachfragen und eine Handvoll Anzeigen“, bestätigt Janßen-Tapken.

Der Hintergrund: Zwar ist die Sperrfrist für die Gülleausbringung am 31. Januar abgelaufen, doch muss der Boden auch aufnahmefähig sein. Der Boden darf deshalb nicht durchgängig gefroren sein. Angesichts der Minusgrade in den vergangenen Tagen könnte das ein Problem sein.

„Wir müssen jeder Anzeige nachgehen“, sagt Janßen-Tapken. „Die meisten von denen stellen sich vor Ort aber als unbegründet heraus“. Es gebe da eine Unsicherheit in der Bevölkerung, die vielleicht durch den „ungewohnten Geruch“ entstehe.

Derzeit sei das Düngen mit Gülle erlaubt. Aber warum? Die Düngeverordnung, die die Ausbringung von Gülle auf gefrorenem Boden eigentlich verbietet, hat eine Ausnahme. Sie erlaubt die Düngung, wenn „durch Auftauen tagsüber die Aufnahmefähigkeit gegeben ist“. Dafür müsse der Boden nicht ganz auftauen, so Janßen-Tapken. „Es reicht, wenn die obersten zwei bis drei Zentimeter tauen. Sobald die Sonne darauf scheint, ist das schnell gegeben“.

„Schwachsinn“, wettert Herbert Moritz vom Naturschutzbund (Nabu) Nordkreis Borken. „Bei minus acht Grad nachts können die Böden überhaupt nichts aufnehmen. Alles, was jetzt an Gülle draufkommt, landet in den Gewässern.“ Die seien ohnehin schon stark belastet. „Wir kriegen da ein massives Problem“, fürchtet er. Auch die Dünge-Mengen sieht er kritisch. „Hier im Kreis fehlen die Flächen, um die Gülle auszubringen. Deshalb wird die fast übereinandergestapelt.“ Tatsächlich sind die Tanks der Landwirte ziemlich voll. „Das ist überall so, bei uns auch“, bestätigt der Heeker Ortslandwirt Bernhard Ostendorf. „Wir selbst haben noch keine Gülle gefahren, wollen das aber in den nächsten Tagen.“

Der Frost sei sogar förderlich, denn „dann hinterlasse ich keine großen Flurschäden“. Gerade nach der Nässe der letzten Wochen würden die schweren Traktoren ansonsten tiefe Furchen hinterlassen. „Jetzt ist es die bodenschonendste Zeit zu düngen“, bestätigt Janßen-Tapken.

„Wir können alle Flächen befahren“, meint Ostendorf. „Wir haben über Tag Plusgrade und mit der Sonne taut der Boden. Bei 15 Grad minus wäre das ein Problem, aber dann fährt auch keiner.“ Denn dann sei das Düngen rein technisch gar nicht möglich. „Die Gülle und die Schläuche frieren dann zu“.

Ein Problem sei eher, dass auf manchen Flächen noch das Wasser stehe. „Da kann man nicht fahren. Aber mir ist noch keiner aufgefallen, der das gemacht hätte.“ Ulrike Janßen-Tapken hat in diesem Jahr erst einen Fall unerlaubten Düngens an die Zentrale weitergeben. Dort wurde der vorgeschriebene Abstand zu einem Gewässer nicht eingehalten.

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