58-Jährigem droht lange Haft
Anklage wegen 90-fachen Missbrauchs von Kindern

Tecklenburger Land/Münster -

Unter anderem wegen Kindesmissbrauchs in mehr als 90 Fällen muss sich seit Mittwoch ein 58-Jähriger vor dem Landgericht Münster verantworten. Im Laufe des ersten Verhandlungstages wurde die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen. Dem Mann droht eine langjährige Haftstrafe.

Donnerstag, 15.02.2018, 05:02 Uhr

 
  Foto: dpa

Ein 58 Jahre alter Mann aus dem östlichen Tecklenburger Land muss sich seit Mittwoch wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in mehr als 90 Fällen vor dem Landgericht Münster verantworten. Die Taten sollen sich zwischen September 2016 und Februar 2017 ereignet haben. Zudem stehen noch vier Missbrauchsfälle aus den Jahren 2014 und 2015 im Raum. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten des Weiteren vor, teilweise Aufnahmen von seinen Opfern – sowohl Mädchen und auch Jungen – gemacht und auf seinem Computer kinderpornografisches Material gesammelt zu haben. Ihm droht bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe.

Prozess nicht-öffentlich fortgesetzt

Der Prozess wurde nach der Verlesung der Anklage und einigen Erläuterungen des Vorsitzenden Richters zunächst unterbrochen und dann auf Antrag der Verteidigung nicht-öffentlich fortgesetzt. Offen war da noch, ob der 58-Jährige ein Geständnis ablegen würde. Sein Anwalt sagte gegenüber unserer Zeitung, dass er sich darüber mit seinem Mandanten beraten wolle.

Mildere Strafe in Aussicht gestellt

Der Vorsitzende Richter hatte dem Mann aus dem Tecklenburger Land für diesen Fall einen erheblichen „Nachlass“ bei der Strafzumessung in Aussicht gestellt, wobei er einerseits hinzufügte, „Ich weiß, wie schwer das ist“, andererseits davor warnte, „rumzumauern“. Im Blick hatte er bei diesen Worten vor allem die mutmaßlichen Opfer, die zum Tatzeitpunkt allesamt im Kindesalter waren. Ihnen sollte bei einem Geständnis eine Aussage erspart bleiben.

Das, so der Richter, „berücksichtigen wir sehr positiv“. Anscheinend ist der Angeklagte dann im nicht-öffentlichen Teil diesem vorgegebenen Weg gefolgt. Darauf deutet hin, dass der Prozess im weiteren Verlauf um mehrere Termine verkürzt werden soll und die Kinder sowie einige weitere Zeugen nicht zu erscheinen brauchen.

Auf Kinder aus Nachbarsfamilie aufgepasst

In der Hauptsache dreht sich die Anklage um das Geschehen, das ab Frühjahr 2016 seinen Lauf nahm. Damals lernte der verheiratete Angeklagte mehrere Kinder aus einer Nachbarsfamilie kennen. Er passte immer wieder auf sie auf, manchmal blieben sie sogar über Nacht. Sie bekamen Süßigkeiten, durften Fernsehen schauen und am Computer spielen. So habe er sich ihr „Vertrauen erschlichen“, stellte der Staatsanwalt fest.

Missbrauch teilweise gefilmt

Der erste Fall sexuellen Missbrauchs – ein Großteil wird als schwerer sexueller Missbrauch eingeordnet – soll sich ereignet haben, als ein Mädchen, das der Mann beaufsichtigte, über Bauchschmerzen klagte. Zunächst habe er daraufhin ihren Bauch gestreichelt, sei dann aber bis in ihren Intimbereich vorgedrungen. Sie war laut Anklage am massivsten von den Übergriffen betroffen – in einem Monat soll es allein 20 gegeben haben –, aber auch ihre Geschwister seien Opfer des Mannes geworden. Teilweise habe der das Geschehen gefilmt. Die Kinder hätten davon jedoch nichts mitbekommen.

Der Justiz kein Unbekannter

Sollten sie verraten, was passiert war, würde er „sehr wütend“, hat der 58-Jährige den Kindern laut Staatsanwalt gedroht. Er beschrieb den Mann, der für die Justiz kein Unbekannter ist, als „für die Allgemeinheit gefährlich“.

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