Politischer Aschermittwoch der CDU
Humorvoll und kämpferisch: EU-Kommissar Günther Oettinger begeistert in Recke

Recke -

Der Schwabe kommt pünktlich. Gegen 19.30 Uhr rollt die dunkle Limousine am Recker Rathaus vor. Der gebürtige Stuttgarter fährt ohne Stern, aber mit Raubkatze: Der EU-Kommissar für Haushalt und Personal wird im Jaguar chauffiert – auch ein nobles europäisches Automobil. Doch der Besuch Günther Oettingers beim 17. Politischen Aschermittwoch der CDU in Recke steht unter einem guten Stern – und geschmeidig und bissig wie die Raubkatze holt Oettinger mit einigen wenigen Sätzen die mehr als 2000 Menschen auf seine Seite.

Donnerstag, 15.02.2018, 08:02 Uhr

Europa brauche eine starke deutsche Regierung, sagte Günther Oettinger in Recke.
Europa brauche eine starke deutsche Regierung, sagte Günther Oettinger in Recke. Foto: Heinrich Weßling

Er habe sich mal die Daten der Region rund um Recke angeschaut: „Eure Wirtschafts- und Strukturdaten gibt es sonst nur noch in Baden-Württemberg. Insofern: Willkommen daheim“, sagt der ehemalige Stuttgarter Ministerpräsident. Das kommt an bei den Münsterländern im geschmückten Festzelt an.

Für die SPD sei der Aschermittwoch in Bayern nicht gerade ein Valentinstag gewesen, meint er fast nachdenklich. Vielleicht brauche die angeschlagene SPD Zuspruch. „Ich habe meinen Freunden in Stuttgart fast schon geraten: Tretet in die SPD ein, damit es mit der GroKo klappt“, spielt er auf die Mitgliederbefragung an. Lautes Gelächter im Festzelt.

Sorge vor autokratischen Tendenzen

Doch dann wird Oettinger ernst. Europa habe ein halbes Jahr auf eine Regierung in Paris gewartet, warte nun seit einem weiteren halben Jahr auf eine Regierung in Berlin. „Europa braucht eine starke Regierung in Deutschland“, sagt Oettinger. Wenn die GroKo nicht zustände käme, dann wäre Europa nicht ausreichend handlungsbereit. „Die Gewinner wären Erdogan, Putin und Trump“, meint Oettinger mit Blick auf die sich ausbreitenden autokratischen Tendenzen.

Deshalb müsse die GroKo kommen. Vielleicht brauche es für die „klein gewordene große Koalition“ bei der SPD dafür noch etwas „Mund-zu-Mund-Beatmung“. Seitenblick auf den NRW-Gesundheits- und Arbeitsminister Karl-Josef Laumann: „Dafür wäre dann bei (der SPD-Fraktionschefin) Frau Nahles der Gesundheitsminister zuständig.“ Grölendes Gelächter unten an den langen Biertischen.

Wettbewerb von Werteordnungen

Schnell wird Oettinger wieder ernst, zeichnet ein Bild Europas als Friedensunion, als Wertegemeinschaft, als Binnenmarkt. Eigentlich müsse mal für eine Woche Europa abgeschaltet werden, damit alle begreifen, was Europa bringt – Frieden, Sicherheit, wirtschaftlichen Wohlstand, Freizügigkeit. Aber: „So wichtig der Export der S-Klasse ist, der Export von Frieden und Werten ist bedeutender“, meint er mit Blick auf die Krisenregionen „nur zwei, drei Flugstunden von Frankfurt“ entfernt. Export ist wichtig, aber nicht alles. Europa könne entweder Stabilität exportieren oder Instabilität importieren.

Es gebe derzeit einen Wettbewerb von Werteordnungen. „Wenn uns unsere Werteordnung wichtig ist, wenn wir von diesem Menschenbild überzeugt sind (...), dann müssen wir dafür kämpfen, mehr als Sie und ich es derzeit tun“, mahnt Oettinger.

„Und jetzt will ich ein größeres Bier als dieses“, sagt er. „Das ist ja ein Schnapsglas!“ Da hält es die Zuhörer nicht mehr auf den harten Klappstühlen. Minutenlanger Beifall.

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