Sprachprobleme im Sprechzimmer
Ärztekammer fordert Finanzierung von Dolmetschern

Münster -

Immer häufiger verstehen Patienten nicht, was ihre Ärzte ihnen mitteilen wollen. Dabei spielt das „Fachchinesisch“ mancher Mediziner allenfalls eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sind Kranke mit Migrationshintergrund oftmals der deutschen Sprache kaum oder gar nicht mächtig. Für das sensible Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann das fatale Folge haben.

Donnerstag, 15.02.2018, 17:02 Uhr

Sprachprobleme im Sprechzimmer: Ärztekammer fordert Finanzierung von Dolmetschern
Die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten mit Migrationshintergrund ist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse oftmals nicht einfach. Dolmetscher können in Gesprächen helfen. Foto: dpa

Auf der jüngsten Versammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe äußerte sich Präsident Dr. Theodor Windhorst daher sorgenvoll. Die medizinische Regelversorgung der mehr als 1,2 Millionen geflüchteten Menschen, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, sei ohne adäquate und bezahlte Sprachvermittlung meist nicht auf dem notwendigen ärztlichen Niveau möglich, sagte er. „Deshalb fordern wir den Bund, aber auch Länder und Kommunen auf, eine qualifizierte Sprach- und Kulturvermittlung für Asylsuchende und Geflüchtete im Rahmen der medizinischen Versorgung zu ermöglichen und die Rahmenbedingungen zur Versorgung einheitlicher zu gestalten“, so Windhorst. Konkret drängt die ÄKWL darauf, eine Regelung zur Dolmetscherfinanzierung in den Pflichtleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen.

'">

Oftmals fungiert ein Familienangehöriger als Dolmetscher

Denn derzeit helfen gute Englisch- und bestenfalls auch Französischkenntnisse den Ärzten zwar ein Stück weiter, doch mit exotischeren Sprachen können die wenigsten Mediziner dienen. Deshalb müssen sich besonders niedergelassene Ärzte immer häufiger auf die Dolmetscherleistungen von Laien verlassen. Mit etwas Glück kann das Praxispersonal aushelfen, doch oftmals fungiert ein Familienangehöriger als Dolmetscher. Für die Ärzte ist das eine unglückliche Situation, da sie sich von der Qualität der Übersetzung schwer überzeugen können. Vor allem wenn Kinder hinzugezogen werden, müssen sie mit Fehlübersetzung rechnen, die zu schwerwiegenden Missverständnissen bei Behandlung und Therapie führen können.

So geht das UKM vor:

An den Krankenhäusern hat man allerdings Wege gefunden mit dieser Situation umzugehen: Das Uniklinikum Münster (UKM) fordert Patienten, die kein Deutsch sprechen, bereits bei der Terminvergabe auf, einen Dolmetscher mitzubringen. „Oft kommen dann Betreuer aus den Flüchtlingseinrichtungen mit“, sagt Marion Zahr , Sprecherin des UKM. Sei dies nicht möglich, fordere man Dolmetscher an, deren Kosten von sozialen Trägern erstattet würden. „Die Ärzte geben die Rückmeldung, dass dieses System sehr gut funktioniert“, sagt Zahr.

'">

Interner Dolmetscherpool an Christophorus-Kliniken

In den Christophorus-Kliniken in Coesfeld, Nottuln und Dülmen werden nur selten externe Übersetzer angefordert. Stattdessen gibt es einen internen Dolmetscherpool, in dem alle Mitarbeiter gelistet sind, die eine Fremdsprache sprechen. Neben Übersetzern für gängige westeuropäische Sprachen sind so auch Experten für Russisch, Serbokroatisch oder Arabisch im Haus verfügbar. Zusätzlich liegen auf den Stationen „Medizinische Sprachtafeln“ aus, auf denen medizinische Geräte oder Handlungen als Bilder erklärt werden, und es werden Aufklärungsbögen in jeder gängigen Sprache erstellt. Ein Aufwand, der in Arztpraxen in dieser Form kaum zu leisten ist.

Sprachtests für Ärzte

Da nicht nur immer mehr Patienten, sondern auch Ärzte – vor allem an Krankenhäusern – aus dem Ausland kommen, müssen diese in einem C1-Sprachtest ihre Kenntnisse der deutschen Fachsprache nachweisen. „Die Sprachprüfung für Ärzte hat ein hohes Niveau“, sagt Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Die Durchfallquote liege bei über 50 Prozent. Allerdings kann der Test beliebig oft wiederholt werden.

...
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5527095?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Ein Fest, so bunt wie Münster
Rundgang über „Münster mittendrin“: Ein Fest, so bunt wie Münster
Nachrichten-Ticker