Revolverheld-Gitarrist Kris im WN-Interview
"Jan Böhmermann war zu schlecht"

Warendorf -

Kristoffer „Kris“ Hünecke ist ein Multitalent. Als Jugendlicher war er die Nummer eins im deutschen Junioren-Tennis, heute ist er Gitarrist und Texter bei einer der erfolgreichsten deutschen Bands, Revolverheld. WN-Mitarbeiter Jonas Wiening hat mit dem 39-Jährigen über ihr neues Album, Jan Böhmermann und Donald Trump gesprochen.

Dienstag, 17.04.2018, 19:04 Uhr

Revolverheld kommen im September zum Open-Air-Konzert nach Warendorf. Bandmitglied Kristoffer „Kris“ Hünecke (links und kleines Bild) hat mit den Westfälischen Nachrichten über Jan Böhmermann, Donald Trump, ihr neues Album und vieles mehr unterhalten.
Revolverheld kommen im September zum Open-Air-Konzert nach Warendorf. Bandmitglied Kristoffer „Kris“ Hünecke (links und kleines Bild) hat mit den Westfälischen Nachrichten über Jan Böhmermann, Donald Trump, ihr neues Album und vieles mehr unterhalten. Foto: dpa

Am Freitag ist euer neues Album („Zimmer mit Blick“) erschienen. Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr wirklich zufrieden mit dem Werk wart?

Kris: Das ist schwer zu sagen. Wir haben direkt nach unserem letzten Auftritt, nach dem MTV-Unplugged-Konzert in der Barclaycard-Arena in Hamburg, angefangen, neue Ideen zu sammeln und haben eigentlich keine Pause gemacht. Ich würde sagen, dass wir uns jetzt zwei Jahre lang getroffen haben, Songs aufgenommen und dann jetzt fertig geworden sind.

Und am Veröffentlichungstag wurde dann ordentlich gefeiert?

Kris: Man stellt sich das immer so vor, dass dann so gefeiert wird, aber eigentlich ist das dann ja die stressigste Zeit, die man hat. Die zwei Wochen rund um die Veröffentlichung ist man fast nur unterwegs, spricht über das Album und gibt Interviews. Am Freitag waren wir in der Fernsehshow bei „Tietjen & Bommes“ und davor noch bei sieben Radio-Stationen. Da bleibt fürs Feiern keine Zeit. Aber das holen wir nach. Jetzt geht es Schlag auf Schlag und das ist ja eine schöne Sache. Es wäre ja auch doof, wenn du ein Album raus bringst und keiner möchte mit dir darüber reden.

Der titelgebende Song „Zimmer mit Blick“ wirft kein gutes Licht auf unsere Erde. Es ist von Krieg und Katastrophen die Rede, ihr spielt unter anderem auch auf US-Präsident Donald Trump an. Steht es wirklich so schlecht um unsere Welt?

Kris: Ich würde nicht sagen, dass es schlecht steht um die Welt. Wir sind schon noch Optimisten. Bei uns ist das Glas immer eher halb voll als leer. Aber man muss halt sagen, dass es im Moment kompliziert ist. Es ist nicht mehr so einfach sich einzuordnen, es gibt kein schwarz oder weiß mehr, man sieht viele Graustufen. Jeder ist immer gut informiert, alle haben immer ein Smartphone in der Hand. Die News einzuordnen und zu sagen was ist falsch und was ist richtig und überhaupt zu sehen, wo positioniert man sich – das ist sehr schwierig. Es ist ja definitiv so, dass wir verschiedene politische Konstellationen haben. Donald Trump, ein wahnsinner der Reden hält (Anm. der Redaktion: Zitat aus dem Song), ist so einer. Uns geht es darum, dass wir etwas Aufbruchstimmung brauchen. Zimmer mit Blick heißt nicht, dass man auf einen schönen Fluss guckt, sonders es ist halt die Komfortzone, die wir alle noch zu wenig bereit sind, zu verlassen. Es ist natürlich das Bequemste, sich hinzusetzen und zu sagen, die anderen werden das schon richten, aber wir leben in einer Demokratie, ein großes Privileg. Wir können mitbestimmen und ich finde, wir müssen das auch tun. Gerade wenn man eine gewisse Öffentlichkeit hat, wie wir zum Beispiel in der Popmusik, dann ist so ein Statement längst überfällig gewesen. Und ich finde, dass das eine gute Sache ist, wenn die Leute wissen, wie wir denken und was unsere Haltung ist.

Worauf würde dein Blick fallen, wenn du dir ein „Wunschzimmer“ aussuchen könntest?

Kris: Wie gesagt, das Zimmer mit Blick ist unsere Komfortzone. Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass unsere Generation in der wir leben, sich auch um die nachfolgende Generation sorgt. Johannes (Strate, Sänger der Band) hat einen 5-Jährigen zu Hause. Und so macht er sich natürlich Gedanken, in welcher Welt sein Sohn aufwächst. Ich würde mir einfach wünschen, dass die Leute die Zeit, die sie für unnützen Kram aufwenden, nutzen, sich informieren und eine Haltung entwickeln. Jeder kann sich fragen, was er in unserer Welt noch optimieren oder besser machen kann. Es geht besonders um die kleinen Dinge. Wie gehe ich mit dem Thema Nachhaltigkeit um? Was kann ich in meinem Umfeld tun, damit es besser läuft?

Keine Sorgen hast du dir damals im Song „Diese Tage“ gemacht, ein überaus positives Lied. 2012 hast du damit einen Sommerhit gelandet. Dein erfolgreichstes Solo-Projekt. Wie kam es dazu?

Kris: Es ist so, dass wir mit Revolverheld damals schon relativ viele Jahre auf dem Buckel hatten. Irgendwann haben wir die Entscheidung getroffen, uns die Freiheit zu gewähren und einfach mal ein bisschen was außerhalb der Band zu machen. Ich habe ein paar Songs geschrieben, die etwas mehr in die urbane Poprichtung gingen, Johannes hat einige Lieder geschrieben, die mehr im Singer- Songwriter-Stil waren. Für Revolverheld war das eine richtig gute Entscheidung, weil wir gesagt haben, dass wir alles machen können, aber am Ende wieder als Band wieder zusammen kommen. Wir haben wahnsinnig viele Erfahrungen gemacht, die wir im Bandkontext nie hätten machen können. Und als wir uns wieder getroffen haben, haben wir die besten Songs geschrieben, die wir je gemacht haben. Also war es eine schöne Sache. Ich bin totaler Optimist. Mich nervt, dass viele immer das Glas halb leer sehen. Ich wollte einfach mal einen durchweg positiven Song schreiben. „Diese Tage“ klingt für viele nach Sommerhit, für mich war es aber ein totales Statement. Ich wollte einfach sagen, dass es uns gut geht. Wir leben in einem wohlhabenden Land. Es gibt eigentlich keinen Grund so wahnsinnig betrübt zu sein. Mann kann etwas anpacken und man kann etwas machen. Und man kann auch einfach mal genießen. Und das habe ich mir auch erlaubt.

Deine Karriere hätte auch ganz anders verlaufen können. Statt Popstar wärst du fast Profi-Sportler geworden. Du warst die Nummer eins im deutschen Junioren-Tennis und hast im Doppel mit Tommy Haas gespielt. Eine langwierige Handverletzung hat dich vom Profi-Sport abgehalten. Wie sehr trauerst du der verpassten Chance nach?

Kris: Ich habe sehr viel und sehr gerne Tennis gespielt und tue es auch immer noch. Meine Jugend war sehr dadurch geprägt. Ich weiß nicht, ob ich es als Tennis-Profi geschafft hätte. Ich hatte Talent, habe dann aber mit 17 eine Handgelenksverletzung gehabt, die mich ungefähr ein Dreivierteljahr davon abgehalten hat, Tennis zu spielen. Das ist einfach eine wahnsinnig lange Zeit, wenn du siehst, wie die anderen um dich herum weiter trainieren können. Ich weiß nicht, ob ich den Anschluss noch hätte schaffen können. Ich war auch weitaus schlechter als Tommy Haas, mit dem ich damals zusammen in der deutschen Mannschaft gespielt habe. Und ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, dass mein Weg so verlaufen ist. Mit Ende 30 stehe ich inmitten einer Musikkarriere und es ist noch lange nicht Schluss. Meine Tenniskarriere wäre jetzt zu Ende, Tommy Haas hat ja auch gerade aufgehört. Ich bin sehr froh, dass es so gelaufen ist.

Was ist der Unterschied zwischen Bühne und Tennisplatz?

Kris: Der ist riesengroß. Was ich halt sehr gerne mag, ist, dass ich auf der Bühne meine Jungs um mich habe. Das genieße ich sehr. Wir können uns immer austauschen und alles miteinander teilen. Als Leistungssportler, auch damals in der Jugend schon, bin ich extrem oft alleine unterwegs gewesen. Ich musste viel mit mir alleine ausmachen. Auch Erfolge konnte ich mit niemanden teilen. Und in der Musik jetzt bin ich immer mit meinen besten Freunden unterwegs. Das ist eine sehr wertvolle Sache. Deswegen wäre auch eine Solo-Karriere nichts für mich gewesen. Für mich war es das Optimale mit einer Band unterwegs zu sein.

Du sprichst an, wie gut es läuft. Aber je erfolgreicher man ist, umso mehr Kritik gibt es auch. Moderator und Comedian Jan Böhmermann hat euch schon öfter aufs Korn genommen. Ihr habt den Spaß mitgemacht und seid einst auch mit einer lustigen Performance in seiner Show aufgetreten. Ist Humor die beste Antwort auf Kritik?

Kris: Jan Böhmermann ist ja immer noch sauer, weil er ja früher Keyboarder in unserer Ur-Besetzung war. Wir haben ihn dann rausgeworfen, weil er einfach zu schlecht war. Und ich glaube, dass hängt ihm immer noch nach und deswegen hat er uns so auf seinem Zettel. Und wir sind dann in seiner Show aufgetreten und haben einen sehr guten Auftritt hingelegt und gezeigt, dass wir es einfach können (lacht lautstark).

Der Erfolg gibt euch so oder so recht. Ihr habt einen Echo gewonnen, die 1Live-Krone und habt mehrfachen Gold- und Platin-Status erreicht. Eure Clubtour, die ihr bald startet, war nach nur 30 Minuten ausverkauft. Kann es überhaupt noch besser werden?

Kris : Ich bin wahnsinnig dankbar für alles, was gerade passiert. Es ist ein bisschen surreal. Es ist noch nicht lange her, da waren nicht so viele Menschen da. Ich mach mir jetzt nicht so die Gedanken, wie es in der Zukunft aussehen wird. Ich bin ein Moment-Typ, der versucht, jeden Augenblick zu genießen. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass wir MTV-Unplugged gemacht haben und damit auch unsere größte Tour spielen durften. Ich genieße das einfach. Was dann in der Zukunft passiert, habe ich eh nicht in der Hand. Ich versuche einfach Musik zu machen, die wir auch fühlen. Und wenn uns das weiterhin gelingt, hoffe ich, dass es mit uns auch die nächsten 30 Jahre so weitergeht.

Open-Air-Konzert in Warendorf

Am 7. September (Freitag) spielen Revolverheld ein Open-Air-Konzert im Freibad in Warendorf. 3600 Tickets gehen in den Verkauf. Der Karten-Vorverkauf für „WarendorfLive“ startet am 18. April um 9 Uhr. Tickets gibt es zunächst nur im Stadtwerke City Shop (Freckenhorster Straße 3). Die Karte kostet 49 Euro (45 Euro für Stadtwerke-Kunden). Sollte die Veranstaltung nach einer Woche noch nicht ausverkauft sein, gibt es ab dem 25. April die Tickets an folgenden Stellen zu kaufen: www.warendorflive.de; www.eventim.de; Vedder Premiumevent (Westkirchen); Stadtwerke City Shop und Stadtmarketing Warendorf. An der Abendkasse würden die Karten 55 Euro kosten.

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