Petition für durchgängige Betonwand auf B 54
Aus der Ohnmacht in die Offensive

Münster -

Den 15. Mai 2018 wird Katharina Kramer so schnell nicht vergessen. Sie war zufällig als Ersthelferin zur Stelle, kurz nachdem zwei Menschen auf der Bundesstraße 54 tödlich verunglückt waren. Erst fühlte sie Trauer, dann Hilflosigkeit. Doch mit der wollte sie sich nicht abfinden. Also unternahm sie etwas.

Freitag, 25.05.2018, 18:25 Uhr

Katharina Kramer wünscht sich auf der B54 eine durchgehende Betonwand zwischen den Fahrbahnen auf der Strecke von Münster bis Gronau, um Kollisionen mit dem Gegenverkehr zu vermeiden. Mit einer Petition will sie auf die Problematik aufmerksam machen. Zwei Menschen starben bei diesem Unfall im April auf der Bundesstraße 54.
Katharina Kramer wünscht sich auf der B 54 eine durchgehende Betonwand zwischen den Fahrbahnen auf der Strecke von Münster bis Gronau, um Kollisionen mit dem Gegenverkehr zu vermeiden. Mit einer Petition will sie auf die Problematik aufmerksam machen. Zwei Menschen starben bei diesem Unfall im April auf der Bundesstraße 54. Foto: Pjer Biederstädt

Als der Lastwagen vor ihr in die Eisen ging, konnte Katharina Kramer das Lenkrad gerade noch herumreißen und ausweichen. Sie sah, dass ein Auto mit dem Lkw kollidiert war, hielt an und wollte helfen. Schnell war der 24-Jährigen klar, dass für die Insassen des Kleinwagens jede Hilfe zu spät kam. „Wenn ich intensivmedizinisches Equipment dabei gehabt hätte, hätte ich wenigstens schon anfangen können zu helfen“, sagt die Ochtruperin.Sie weiß, wovon sie spricht: Als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation des Uniklinikums Münster kennt sie solche Situationen.

Am Tag nach dem tödlichen Unglück kommt sie nicht zur Ruhe. Sie will etwas verändern, keine Hiobsbotschaften mehr von der B 54 lesen, auf der sie täglich von Ochtrup nach Münster zur Arbeit pendelt.

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Kollisionen mit dem Gegenverkehr vermeiden

Doch was tun? Nachts um halb zwei greift sie zum Computer und startet eine Online-Petition. Sie will mit der Unterschriftensammlung „die Verantwortlichen wachrütteln und sie zum Handeln bewegen.“ Ihre Forderung: Betonschutzwände auf der B 54 von Münster bis Gronau, um Kollisionen mit dem Gegenverkehr zu vermeiden. „Die Menschen sollen einen sicheren Arbeitsweg und Kinder einen sicherer Schulweg haben“, sagt sie.

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Tragische Kollision eines Lastwagens mit einem Kleinwagen auf der B54, bei der Katharina Kramer zufällig als erstes am Unfallort war und zu helfen versuchte. Foto: Bernd Schäfer

Nach wenigen Tagen sind es schon 1000 Unterschriften. Die Kommentare daneben zeigen, wie emotionsbehaftet die graue Schneise durchs Münsterland für die Menschen ist. „Man fährt die Strecke inzwischen richtig ungerne aufgrund der vielen Unfälle“, schreibt eine Unterstützerin.

B54 kein Unfallschwerpunkt

Dabei ist die B 54 kein Unfallschwerpunkt. Sie ist bezogen auf die Zahl der Unfälle und die Menge des Verkehrs nicht gefährlich, sagt Hubertus Ebbeskotte, Abteilungsleiter Sachgebiet Betrieb und Verkehr beim Landesbetrieb Straßen.NRW. Statistik ist das eine, Gefühl das andere.

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Hubertus Ebbeskotte Foto: privat

Mit einem Ausbau der Betonwand in der Mitte, so Katharina Kramer, könnte man mit weniger mulmigem Gefühl im Bauch zur Arbeit fahren. Aber einfach drauflos bauen, das gehe nicht, sagt Ebbeskotte. Für die Abgrenzung vom Gegenverkehr durch einen Betonmittelstreifen sei zwischen Nordwalde und Gronau schlicht zu wenig Platz.

Wer sich nicht engagiert, bewegt auch nichts

„Die Baumaßnahme hätte zur Folge, dass beispielsweise für eine Rettungsgasse nicht ausreichend Raum wäre“, erklärt Ebbeskotte. Man müsste die B 54 auf vier Streifen ausbauen, so wie es der Bundesverkehrswegeplan 2030 für den deutlich stärker befahrenen Abschnitt zwischen Münster und Nordwalde festgelegt hat. „Bei einer vierspurigen Straße reden wir aber von einem ganz anderen Straßentyp“, so Ebbeskotte. Der Umbau wäre immens und bedarfsplanrelevant. „Die Verkehrszahlen auf dem hinteren Teilstück der B 54 decken aber schlichtweg nicht den Bedarf für eine vierspurige Straße“, erläutert Ebbeskotte, der aus emotionaler Sicht Katharina Kramers Vorstoß nachvollziehen kann.

Sie hofft trotz der Hürden, dass ihre Petition Wirkung zeigt, ist sich aber auch im Klaren, dass ihre Aktion auch verpuffen kann. Nach der Tragödie nichts zu unternehmen, war für sie aber keine Option.

Was ist eine Petition?

Eine Petition ist ein offizielles Gesuch an eine Behörde oder Volksvertretung. Inhaltlich muss sie ein bestimmtes Begehren verfolgen. In Deutschland ist das Petitionsrecht im Grundgesetz festgeschrieben. Seit 2005 ist es möglich, Online-Petitionen in den Petitionsausschuss des Bundestages einzureichen. Der Verfasser, der sogenannte Petent, hat zwar keinen Anspruch auf Entscheidung in der Sache, wohl aber einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Entgegennahme der Petition, auf sachliche Prüfung und auf eine Antwort.

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