Ein Schwein namens Karlson

So., 22.01.2012

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200-Kilo-Koloss darf in Ahaus mit anderen Vierbeinern in Würde alt werden / Gnadenhof braucht Helfer

Ein Schwein namens Karlson : 200-Kilo-Koloss darf in Ahaus mit anderen Vierbeinern in Würde alt werden / Gnadenhof braucht Helfer

Ex-Spanferkel Karlson ist nicht der einzige Vierbeiner, der bei Kirsten Remmers-Boruzki (kl. Bild, l.) sein Gnadenbrot erhält. Auf dem Hof leben Pferde, Ponys, ein Esel, ein Schaf, ein Hahn und diverse Hühner, bei deren Versorgung Daniela Klein-Harmeyer (r,) hilft. Foto: Jürgen Peperhowe

Ahaus - 

Schwein Karlson rappelt mit Nachdruck am leeren Eimer, seine dunklen Äuglein glitzern schelmisch. „Huuunger“, will das sagen: Fressen holen – und zwar pronto!


Kir­sten Remmers-Boruzki gehorcht. „We­­he,“ sagt die 42-Jährige und grinst, „wehe, man beachtet das jetzt nicht.“ Eben hat sie sich ei­ne Stirnlampe über den Kopf gestülpt und rollt nun im Finstern eine Schubkarre mit Brötchen und Mohrrüben über den Hof. Ein 200-Kilo-Koloss wie Karlson hat halt Riesen-Kohldampf.

Es regnet in Strömen, seit die Zahntechnikerin heute ihr berufliches Tagewerk beendet hat. Allein, nach Feierabend geht die Plackerei erst richtig los. Karlson rappelt hektisch, und Huhn Wilma flattert in der Tür auf und ab: Beide warten auf die Frau, die ihnen auf dem Gnadenhof in Ahaus-Alstätte ein Alter in Würde be­schert.

Pferde, Ponys, ein Schaf und Hunde, ein Hahn samt Anhang, Esel Kasimir und besagter Karlson. Sie alle hat Remmers-Boruzki vor vier Jahren von ih­ren Adoptiveltern geerbt. In jenem Jahr, als beide kurz nachein­ander starben. „Das Ganze mit drei Ge­hältern zu finanzieren, ging gut“, gibt die Tierfreundin zu bedenken. Jetzt aber, da sie auf sich gestellt ist, reißen Kosten für den Tierarzt, Pacht und Futtermittel ein ganz schönes Loch. 1280 Euro im Monat zahlt sie für Tiere, die sonst keiner will.

Jedes von ihnen hat eine eigene Geschichte. Esel Kasimir etwa – grade presst er die samtenen Nüstern in Remmers-Boruzkis Hand – war seinem Besitzer immer wieder ausgebüxt. „Irgendwann holte der ihn nicht mehr bei uns ab.“ Schaf Anthelonia sprang gar dem Metzger von der Schlachtbank. „Wer es findet, darf´s behalten“, sprach dieser sein Urteil über den flüchtigen Vierbeiner. Ferkel Karlson schließlich wurde als Gewinn bei einer Tombola verlost. Der Knabe, der es mitnehmen durfte, hatte Mitleid. Und Karlson seitdem eine Zukunft bei Remmers-Boruzki. „Ein so großes Schwein haben viele noch nie gesehen“, weiß Hof-Mitarbeiterin Daniela Klein-Harmeyer. Erreichen doch für die Fleischindustrie gezüchtete Tiere weder sein Gewicht noch ein so hohes Alter. „15 bis 18 Jahre können die werden“, sagt die 29-Jährige.

Kirsten und Daniela haben sich mit Massentierhaltung auseinandergesetzt und entschieden, auf Fleisch zu verzichten. Konsequent, bedenkt man, welchen Dienst an der Schöpfung sie bereits für ihre Tiere leisten. Die leben auf acht Morgen Land, beide Frauen investieren ei­nen Großteil ihres Gehalts in den Gnadenhof neben dem alten Zollhaus an der Grenze zu den Niederlanden. Nun ist das Dach des Stalls undicht, „Gold wert wäre ein Handwerker, der sich das mal anguckt“. Oder natürlich Geld- und Futterspenden. „Regelmäßig fünf Euro im Monat oder mal eine Einzelspende“, wirbt Remmers-Boruzki für den Verein Pferdehof Ahaus e.V., über den sie Spendenquittungen ausstellen kann.

Pferdehof? Ja – namensgebend sind die Großpferde Nobliana und Kasan: Sorgenkinder, weil sie unter Arthrose leiden. Für den Winter sucht Remmers-Boruzki jemanden, der die Stute spazieren führt. „Sie braucht Bewegung, und wir schaffen das zeitlich nicht.“ Auf dem Gnadenhof ist das ein Geben und Nehmen. So kommt regelmäßig ein hyperaktiver Junge vorbei, um den Stall auszumisten.

Damit es nicht noch mehr Pferde werden („denn Platz ist da, aber Geld zum Durchfüttern nicht“), hat Daniela Klein-Harmeyer eine Fortbildung zur Pferdeflüsterin gemacht. Sie hilft Besitzern, die mit ihren Vierbeinern nicht mehr klarkommen. „Statt sie abzugeben, arbeite ich mit denen – und sie können dort bleiben.“

| pferdehof-ahaus.de


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